Hermann Rorschachs interessantes Leben

· 24. Januar 2019

Hermann Rorschach war Arzt und Psychiater der ersten Generation von freudianischen Psychoanalytikern. Er wurde auf der ganzen Welt für jenen Test berühmt, der schließlich nach ihm benannt wurde: für den Rorschach-Test.

Rorschach wurde 1884 in Zürich (Schweiz) in eine bescheidene Familie geboren. Sein Vater war ein einfacher Maler, der seinen Lebensunterhalt mit privatem Kunstunterricht verdiente. Auch Hermann Rorschach zeigte schon früh Interesse am Zeichnen. Er mochte eine Technik, die „Flexografie“ genannt wird.

„Die Diagnostik dient dazu, das Leiden des Patienten zu benennen.“

Juan Gérvas

Hermann Rorschach spielte zudem gern ein Spiel, bei dem Papier mit Tinte bekleckert und anschließend gefaltet wurde. Er mochte es, einzigartige und lustige Figuren zu kreieren. Aus diesem Grund wurde er von seinen Freunden oft als Klek bezeichnet, was „Fleck“ bedeutet.

Hermann Rorschach

Hermann Rorschach, Arzt und Psychiater

Hermann Rorschach zögerte zunächst bezüglich des Berufes, den er ausüben wollte. Obwohl er sich für Biologie und auch für Kunst interessierte, entschied er sich schließlich für die Medizin. Er erhielt seinen Abschluss 1909 und spezialisierte sich alsbald auf das Gebiet der Psychiatrie.

Während seines Psychiatriestudiums hatte er renommierte Psychoanalytiker wie Eugen Bleuler und Carl Gustav Jung als Lehrer. Hermann Rorschach erfreute sich an den psychoanalytischen Ideen seiner Zeit und gab sie auch später nicht auf. Das Thema Diagnose fand er besonders interessant. Er war derjenige, der schließlich den Begriff der „Psychodiagnose“ geprägt hat.

Später arbeitete er als Assistenzarzt in mehreren Hospitälern. Schließlich stieg er auf zum Klinikdirektor, und in dieser Position arbeitete er beispielsweise in Munterlingen am Bodensee, Munsingen bei Bern und Herisau im Kanton Appenzell. Diese breite klinische Erfahrung half ihm, seinen berühmten Test zu entwerfen.

Während dieser Jahre las er das Buch The Romance of Leonardo da Vinci  von Dmitry Merezhkovsky (zu Deutsch: Die Affäre von Leonardo da Vinci,  nicht auf Deutsch verfügbar), welches 1902 in St. Petersburg veröffentlicht worden war. Eine Passage, in der eine der Figuren, Giovanni Boltraffio, einige feuchte Stellen als Fährte verfolgt, zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Im Text heißt es: „Oft an den Wänden, in der Verbindung aus Steinen, in Rissen, in den Schimmelzeichnungen von stehendem Wasser … habe ich Ähnlichkeiten mit wunderschönen Orten, mit Bergen, mit steilen Gipfeln gefunden.“

Der Rorschach-Test

Hermann Rorschachs Leben war kurz. Er starb, als er gerade einmal 38 Jahre alt war. In seinen letzten drei Lebensjahren schrieb er die Arbeit, an die man sich bis heute erinnert. Sie handelte von der Psychodiagnose und wurde 1921 veröffentlicht. Darin definierte Rorschach die Grundlage seines Tests, den er als „projektiv“ bezeichnete. Er wies darauf hin, dass es sein Ziel sei, die imaginären Repräsentationen der Menschen zu erkunden und sie dazu aufzufordern, die Assoziationen, die sie in Bezug auf einige Zeichnungen gemacht haben, verbal auszudrücken.

Mögliches Ergebnis des Rorschachtests

Zuvor hatte Rorschach ausführlich Schlaf, Delirium und Halluzinationen studiert. Obwohl er immer ein Anhänger Freuds geblieben war, hatte auch Carl Gustav Jung einen offensichtlich starken Einfluss auf Rorschach. Denn in seinen Begriffen und seiner Sprache erinnert er an letzteren. In den Antworten seiner Patienten suchte Rorschach nun nach inneren Bildern und Spuren der Zivilisation.

Er hat es geschafft, diese in nur 40 Bildern zusammenzufassen, die scheinbar nur „Flecken“ sind. Der Patient begutachtet sie und sagt dann, was er in ihnen zu erkennen glaubt. Heutzutage verwenden Psychiater und Psychologen nur noch 15 dieser Bilder, wenn sie den Rorschach-Test anwenden. Zur damaligen Zeit bestand das Hauptziel jedoch darin, festzustellen, ob die Patienten neurotisch oder psychotisch waren.

Vier Bilder des Rorschachtests.

Rorschachs Erbe

Klinische Psychologen setzen den Rorschach-Test häufig als diagnostisches Instrument ein. Derzeit gibt es mehr Anwendungen als nur die bloße Feststellung, ob ein Patient psychotisch oder neurotisch ist. Sie reichen von der Identifizierung der wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale bis hin zur Beurteilung im Rahmen von Einstellungsgesprächen.

Auch forensische Spezialisten verwenden diesen Test häufig. Dies liegt ganz einfach daran, dass die Spezialisten, die seinen Nutzen verteidigen, auch an eine weitere Überlegung glauben: Die Interpretation der Bilder geschieht außerhalb einer rationalen Kontrolle. Daher würden die Leute, auf die der Test angewendet wird, die Ergebnisse kaum manipulieren können. So zeige der Rorschach-Test tiefe Aspekte ihrer Persönlichkeit. Deshalb findet der Test auch heute noch Verwendung.

Hermann Rorschach leistete große Beiträge zur Psychologie und Psychoanalyse. Leider hat er es vor seinem Tod nicht geschafft, seine Arbeit zu vollenden und seine erfundene Technik noch weiterzuentwickeln. Trotzdem markiert sein Werk ein Vorher und Nachher in der Erforschung des menschlichen Geistes.