Grundlegender Attributionsfehler

· 13. August 2018

Es ist unmöglich, alle Informationen, auf die wir täglich Zugriff haben, zu bewerten, erst recht seit des Aufkommens des Internets und der sozialen Netzwerke. Wir müssen jedoch ständig Entscheidungen auf der Grundlage der Informationen treffen, die wir verarbeitet haben. Mit so vielen Informationen und wenig Zeit, um alles zu überprüfen, treffen wir Entscheidungen in der Regel auf der Grundlage von Heuristiken. Sie führen uns zu Vorurteilen wie dem fundamentalen Attributionsfehler.

Auch bekannt als Korrespondenzneigung, beeinflusst und verzerrt der fundamentale Attributionsfehler die von uns vorgenommenen Interpretationen. Er beschreibt die Tendenz oder Neigung, interne Dispositionen oder Motive zu überdimensionieren, im Versuch, das bei anderen Menschen beobachtete Verhalten zu erklären oder zu interpretieren und die Bedeutung der Umstände zu verstehen.

Richter mit einem Richterhammer

Das Castro-Experiment

Edward E. Jones und Keith Davis entwarfen Mitte des 20. Jahrhunderts eine Studie, um zu testen, wie Zuweisungen, sogenannte Attributionen, funktionieren. Konkret wollten sie untersuchen, wie wir Kritik auf eine ungünstige Einstellung zurückführen. Lasst uns dieses Experiment nachvollziehen, um dieses Phänomen zu erklären.

In diesem Experiment erhielten die Teilnehmer einige Aufsätze, die gegen bzw. für Fidel Castro argumentierten. Anschließend mussten sie die Einstellungen der Verfasser dieser Aufsätze zu Fidel Castro einschätzen. Die Zuschreibungen, die sie machten, spiegelten die Inhalte der von ihnen gelesenen Texte wider. Sie sagten, dass diejenigen, die für Castro schrieben, ihn bevorzugten und diejenigen, die Gegenargumente nannten, sich ihm entgegenstellten.

Diese Ergebnisse wruden erwartet. Wenn man bedenkt, dass die Autoren freien Willens geschrieben hatten, macht es Sinn, dass die Attributionen, die in ihren Texten steckten, die ihren waren. Die Teilnehmer glaubten deshalb, dass die Autoren auf der Grundlage ihrer eigenen Überzeugungen geschrieben hatten.

Anderen Teilnehmern wurde jedoch gesagt, dass die Autoren rein zufällig für oder gegen Castro hätten schreiben sollen. Ein Münzwurf bestimmte, ob sie für oder gegen ihn argumentieren würden. Mit diesen neuen Informationen erwarteten die Forscher, dass die Teilnehmer nun externe Zuschreibungen vornehmen würden. Die Attributionen blieben jedoch gleich.

Wenn du positiv schreibst, bist du dafür; wenn du negativ schreibst, bist du dagegen – unabhängig davon, aus welchem Motiv du schreibst. Es ist merkwürdig, wie der Verstand funktioniert, oder?

Mit dem Finger auf Menschen zeigen

Interne und externe Zuschreibungen

Aber was sind interne und externe Zuschreibungen? Was ist der Unterschied zwischen ihnen? Diese Zuschreibungen beziehen sich auf Gründe oder Ursachen. Eine interne Zuordnung ist also eine, die die Person, insbesondere ihre inneren Eigenschaften, für ein Ergebnis verantwortlich macht. Zu diesen inneren Merkmalen gehören Einstellung und Persönlichkeit: Wenn jemand, den ich nicht mag, eine Prüfung nicht besteht oder gefeuert wird, werde ich das wahrscheinlich auf interne Ursachen zurückführen. Er hat versagt, weil er dumm ist, man hat ihm gekündigt, weil er faul war. Töricht oder faul zu sein, sind beständige Eigenschaften von Menschen.

Andererseits beziehen sich externe Zuschreibungen auf den Einfluss von Situationen, Veränderungen und Gefahren. Wenn jemand, den ich mag, gefeuert wird, werde ich davon ausgehen, dass er einen schlechten Tag hatte und deshalb seine Arbeit nicht erledigen konnte oder dass der Chef inkompetent ist.

Erläuterungen zum grundsätzlichen Attributionsfehler

Es gibt mehrere Theorien, die versuchen, zu erklären, wie der fundamentale Attributionsfehler entsteht. Obwohl wir nicht genau wissen, was passiert, gibt es einige Hypothesen dazu. Eine dieser Theorien ist die „gerechte Welthypothese„. Nach dieser Hypothese bekommen Menschen, was sie verdienen, und verdienen, was sie bekommen. Wenn wir die Misserfolge von jemandem, den wir nicht mögen, eher auf die Persönlichkeit als auf situative Faktoren zurückführen, wird unser Bedürfnis, an eine gerechte Welt zu glauben, befriedigt. Dieser Glaube verstärkt die Vorstellung, dass wir die Kontrolle über unser eigenes Leben haben.

Eine andere Theorie ist die der „Kommunikation des Schauspielers“. Wenn wir einer Handlung Aufmerksamkeit schenken, ist das Individuum der Bezugspunkt. Wir ignorieren die Situation, als wäre sie ein wandelbarer Hintergrund. Daher basieren unsere Attributionen auf dem Verhalten der Menschen, die wir beobachten. Wenn wir uns selbst beobachten, sind wir uns der Kräfte bewusst, die auf uns einwirken. Daher nehmen wir externe Zuschreibungen vor.

Ein überdachter Weg

Kultur und der fundamentale Attributionsfehler

Der grundlegende Attributionsfehler tritt weltweit in unterschiedlicher Weise auf. Forscher haben herausgefunden, dass er in individualistischen Kulturen häufiger auftritt. Menschen solcher Kulturen werden häufiger in diese Vorurteile verfallen als diejenigen, die aus kollektivistischen Gesellschaften kommen. Aus diesem Grund schreiben Asiaten das Verhalten häufiger Situationen zu, während Menschen aus westlichen Ländern das Verhalten eher dem Menschen zuweisen. Die Kollektivisten neigen also dazu, dem Kontext mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Ein klassischer Unterschied liegt in Gemälden, die hier und dort geschaffen werden. Westliche Künstler stellen Figuren dar, die einen großen Teil der Gemälde besetzen, die sich kaum in die Tiefe entwickeln. In Ländern wie Japan dagegen zeigen Gemälde sehr kleine Menschen in Landschaften, in denen jedes Detail hoch entwickelt ist.

Wie wir gesehen haben, sind Vorurteile schwer zu vermeiden, da sie Teil der Kultur sind. Allerdings ist es nicht unmöglich, ihnen zu begegenen. Einige Techniken zur Korrektur des fundamentalen Attributionsfehlers sind:

  • Beachte den Konsens. Wenn sich viele Menschen in der gleichen Situation gleich verhalten, kann die Ursache in der Situation zu finden sein.
  • Frage dich, wie du dich in der gleichen Situation verhalten würdest.
  • Achte auf unbemerkte Ursachen, besonders auf weniger offensichtliche Faktoren.