Geoffrey Beattie: Der Psychologe von Big Brother

15. November 2019
Geoffrey Beattie ist ein sehr bekannter Psychologe. Seine Fernsehauftritte machten ihn und seine Ansichten einem breiten Publikum in aller Welt bekannt. Dennoch ist er auch ein anerkannter Wissenschaftler und seine Forschungsarbeiten sind sehr viel umfassender als das, was du bei der Fernsehshow Big Brother gesehen hast.

Der britische Psychologe Geoffrey Beattie beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren intensiv mit der nonverbalen Kommunikation. So hat er uns beispielsweise aufgezeigt, dass auch die Art und Weise, wie wir unsere Hände beim Sprechen bewegen, eine Form der Kommunikation ist.

Zu diesem Thema hat er zahlreiche Bücher und Artikel veröffentlicht. Außerdem hat er für seine Forschungsarbeiten zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Aber nicht nur aufgrund dieser Arbeiten ist Geoffrey Beattie einer der bekanntesten Psychologen der heutigen Zeit.

Geoffrey Beattie war der Psychologe in der britischen Ausgabe der Fernsehshow Big Brother. Außerdem hat er sich intensiv damit beschäftigt, einem breiten Publikum aufzuzeigen, welchen Nutzen die Psychologie uns im täglichen Leben bringen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist sein Buch Get the Edge: How Simple Changes Will Transform Your Life (Nutze den Vorteil: Wie einfache Veränderungen dein Leben verändern werden)welches in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.

Geoffrey Beattie - Kaffebecher und Hände

Seine Biographie

Geoffrey Beattie wurde in Belfast geboren. An der Universität von Birmingham schloss er erfolgreich sein Psychologie-Studium ab und promovierte anschließend am Trinity College in Cambridge. Danach lehrte er als Professor für Sozialpsychologie an der Universität von Birmingham. Schon früh interessierte er sich besonders für den Zusammenhang von nonverbaler Kommunikation, Sprache und dem Denken.

Da Beattie in Nordirland aufwuchs, wo es für viele Jahre gewalttätige Auseinandersetzungen und Konfrontationen gab, schrieb er mehrere Bücher über Ulster und die Situation der Protestanten. Zu diesen Themen verfasste er auch einige Artikel, die in der britischen Tageszeitung The Guardian veröffentlicht wurden.

Geoffrey Beattie und seine Präsenz in den Medien

Darüber hinaus hat er für große Mediengesellschaften, wie beispielsweise die BBC, einige Dokumentationen über Nordirland gedreht. Außerdem war er auch häufiger Gast in Radiosendungen, besonders aufgrund seines Interesses an der Sportpsychologie.

Aber die größte Fernsehpräsenz hatte er aufgrund seiner Teilnahme an einer der Staffeln der britischen Ausgabe von Big Brother. Doch diese Auftritte bescherten ihm nicht nur erfreuliche Momente. Seine Funktion als psychologischer Berater dieser Fernsehshow wurde in der akademischen Welt sehr heftig und kontrovers diskutiert.

Viele seiner Fachkollegen warfen ihm vor, dass er durch seine Teilnahme an dieser Show die massive Ausbeutung und Zurschaustellung von Menschen zu rein kommerziellen Zwecken unterstützt und quasi legitimiert habe. Trotz dieser Kritik blieb er weiterhin als Berater in der Show.

Nach Beatties Auffassung unterschied sich das, was er in der Show tat, nicht wesentlich von der Analyse der nonverbalen Kommunikation von Politikern oder anderer in der Öffentlichkeit stehender Persönlichkeiten. Diese Kontroverse hat außerdem dazu geführt, dass er (zu Unrecht) als der Psychologe von Big Brother bekannt wurde.

Multimodale Kommunikation

Geoffrey Beatties Forschungen haben unsere Kenntnisse über die nonverbale Kommunikation grundlegend verändert. Seine Erkenntnisse haben unser Wissen über die Verbindung zwischen Sprache und nonverbaler Kommunikation in einem Gespräch vollkommen revolutioniert. Dies hat vielfältige Auswirkungen auf eine effektive Kommunikation.

Er konzentrierte sich besonders auf lexikale Gesten in der Sprache und auf die kognitiven, sozialen und funktionale Zwecke, die diese Gesten erfüllen. Anders ausgedrückt konzentrierte er sich auf das Zusammenwirken von Gestik und Sprache. Durch dieses Wechselwirkung entsteht eine komplexere Form der Kommunikation.

Besonders interessant werden diese Beobachtungen, wenn die lexikalen Gesten einer Person jene Gedanken anzeigen, die sie nicht in Worten zum Ausdruck gebracht hat.

Geoffrey Beattie hat auch untersucht, wie wir die lexikalen Gesten unserer Mitmenschen deuten und entschlüsseln. Außerdem wollte er verstehen, warum einige Gesten sofort die Aufmerksamkeit und den Blick eines anderen Menschen auf sich ziehen.

Darüber hinaus sind seine Forschungsergebnisse auch sehr interessant im Hinblick auf deren potentielle Anwendungsmöglichkeiten in der Werbung. Für seine Arbeiten auf diesem Gebiet wurde er mit dem Mouton d’Or-Preis für die beste semiotische Forschung ausgezeichnet.

Geoffrey Beattie - Gesten

Geoffrey Beattie und implizite rassistische Vorurteile

Ein weiteres sehr interessantes Forschungsgebiet, dem sich dieser brillante Wissenschaftler gewidmet hat, ist die Untersuchung impliziter rassistischer Vorurteile. Dabei hat er sich besonders auf die subtilsten und unbewussten Aspekte des Menschen konzentriert, indem er untersuchte, wie implizite rassistische Vorurteile die Entscheidungsfindung von Menschen beeinflussen.

Konkret hat er untersucht, auf welche Art und Weise Menschen sich gegenseitig ansehen (wörtlich genommen). Er wollte erfahren, ob die Blicke Rückschlüsse darauf zuließen, welches Bild sich jemand von seinem Gegenüber gemacht hatte, wenn dieser einer anderen Ethnie angehörte.

In den vergangenen Jahren hat Beattie auch damit begonnen, die psychologischen Hemmnisse zu untersuchen, die Menschen davon abhalten, einen nachhaltigeren Lebensstil anzunehmen. Er hat einige sehr bedeutsame Untersuchungen zum Konsumverhalten und den Märkten durchgeführt. Dadurch wollte er die Veränderungen in der Einstellung der Konsumenten analysieren. Zielsetzung dieser Studien ist es, die Menschen dazu zu bewegen, mehr Eigenverantwortung in Bezug auf den Klimawandel zu übernehmen.

Es lässt sich absolut nicht leugnen, dass Geoffrey Beattie eine sehr faszinierende Persönlichkeit in der heutigen Psychologie ist. Ganz gleich, ob du ihn magst oder nicht, es ist unbestreitbar, dass er sehr viel dazu beigetragen hat, psychologisches Wissen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Beattie, G., Webster, K., & Ross, J. (2010). The Fixation and Processing of the Iconic Gestures That Accompany Talk. Journal of Language and Social Psychology, 29(2), 194–213.

Beattie, Geoffrey. (2013). Our Racist Heart? An Exploration of Unconscious Prejudice in Everyday Life.. 10.4324/9780203100912.