Geben und Nehmen sind gleich wichtig

· 18. Dezember 2016

Glück ist mehr als nur der altruistische Akt, jemandem etwas zu geben und nichts im Gegenzug dafür zu erhalten. Jeder hat das Bedürfnis und das Recht, auch zu nehmen. Das ermutigt das Herz und bildet die Basis für Gegenseitigkeit.

Mahatma Gandhi hat gesagt: „Der beste Weg, dich selbst zu finden, ist es, dich in Güte für andere zu verlieren.“  Das ist ein nobles Ziel, aber wir sollten diese Idee von Güte nicht mit der Funktion von persönlichen oder emotionalen Beziehungen verwechseln, in denen Geben und Nehmen Teile eines einzigen Kreislaufs sind. Ganz so, wie der mythologische Uroboros, der ewige Mühe symbolisiert, in der es keinen Anfang und kein Ende gibt.

Viel zu geben und wenig zu bekommen ist ermüdend. Auch wenn das Geschenk des Wissens im Austausch für nichts wunderschön ist, sollte es dir auch möglich sein, zu bekommen, ohne danach fragen zu müssen.

Adam Grant, ein Psychologe und Autor des Buches Geben und Nehmen  erzählt uns, dass wir alle irgendwo zwischen denen sitzen, die es gewohnt sind, zu geben, und denen, die erwarten, nur zu bekommen. Harmonie wird in der Mitte gefunden, in der du mit beiden Dingen glücklich sein kannst – mit dem Geben und mit dem Nehmen. Leider sehen wir das nicht immer so.

Und das trifft vor allem auf romantischen Beziehungen zu.

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Das Herz sehnt sich nach Anerkennung

Wir wollen keine Geschenke; wir ziehen Details vor. Wir wollen nicht, dass uns andere unsere Gefallen zurückgeben oder uns mit einer Urkunde für all das, was wir für sie getan haben, ehren. Für all die Zeit, die wir investiert haben, für all die Träume, die wir ihnen geholfen haben, zu erreichen, indem wir uns um sie gekümmert und sie glücklich gemacht haben.

Was das Herz will, ist, Respekt zu erhalten, Anerkennung und Gegenseitigkeit. Nichts von alldem ist physisch greifbar, aber diese Dinge besitzen die subtile Stärke, unsere Seele zu berühren, und geben uns das Gefühl, geliebt zu werden. Deshalb fühlen wir uns oft leer und hilflos, wenn wir nichts von alledem haben.

Das Problem in den meisten romantischen Beziehungen resultiert aus dieser Dissonanz: Es wird alles gegeben und nichts bekommen. Henry Miller, dessen Arbeiten voller Leben und Sensibilität sind, sprach darüber in einem seiner Bücher. Er sagt, dass in diesen Beziehungen beide Partner krank sind: Einer ist abhängig davon, zu bekommen, und der andere davon, zu geben.

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Beziehungsdynamiken

In all unseren Beziehungen, ob sie romantischer, familiärer oder freundschaftlicher Natur sind, sollten wir zwischen dem Geben und Nehmen einen Mittelpunkt finden. Es wäre ideal, würden wir versuchen, Harmonie zwischen dem, was wir geben, und dem, was wir nehmen, zu erreichen. Diese Position entspricht der eines Matchers, was im Englischen so viel bedeutet wie finden, was zusammenpasst.

Lasst uns mal im Detail die Arten Dynamik anschauen, die es entsprechend der in Geben und Nehmen dargestellten Theorien gibt:

  • Geber: Das ist das Profil, das der Autor als Wendy-Syndrom definiert. Für diese Menschen bedeutet Glück, anderen alles zu geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erhalten.
  • Nehmer: Hier finden wir Menschen, die es gewohnt sind, zu bekommen.
  • Matcher: Diese haben wir vorher schon erwähnt. Sie suchen Harmonie und gegenseitigen Nutzen.
  • Falsche Geber: Wir sind uns sicher, dass du dieser Art von Verhalten schon einmal begegnet bist. Diese Menschen verstecken sich hinter Masken und sind sehr hinterhältig. Sie scheinen wahnsinnig großzügig zu sein, aber ihre Strategie ist erpicht und egoistisch. Sie tun dir einen Gefallen und verlangen dann ein Stück von deinem Herz, so wie Shylock, der klassische Charakter aus Der Kaufmann von Venedig.
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Du musst wissen, was du verdienst

Es ist klar, dass die Welt komplex und divers ist, voller Glück und Leid, wo gute und böse Absichten einfach nur ein weiterer Teil des Alltags sind. Allerdings kannst du nichts tun, um deinen Partner oder ein Familienmitglied, das erwartet, mehr zu bekommen, als es bereit ist, zu geben, zu ändern.

Mit dem Ziel, gesunde Beziehungen aufrechtzuerhalten, solltest du dir bewusst machen, dass es nur zu mehr Leid führt, wenn du versuchst, jemandem die Schuld zu geben. Manche Beziehungen sind untragbar, auch wenn Liebe vorhanden ist. Das liegt oft daran, dass einer der beiden den anderen nicht so liebt, wie er es will, erwartet oder braucht. Es ist nicht nötig, jemandem die Schuld zu geben.

Wir müssen uns nur daran erinnern, dass wir, zuerst und mehr als alles andere, eine faire Beziehung mit uns selbst etablieren und uns um unser Selbstbewusstsein kümmern müssen. Denke daran, dass Liebe kein Spiel ist, bei der nur eine Person gewinnt.

Wahre Liebe, Liebe, die aus der Seele kommt, entsteht, wenn sich zwei weise Menschen einander anbieten und gleichermaßen in diese Beziehung investieren. Liebe ist, zu wollen, dass die andere Person glücklich ist, ohne dein eigenes Glück als Preis zu zahlen.