Behandle deine Kinder mit Vorsicht: Sie sind aus Träumen gemacht

1. September 2016 en Psychologie 0 Geteilt

Die Kindheit hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene Art zu fühlen, zu sehen und zu denken. Nur wenige Absichten könnten so falsch sein wie die, zu versuchen, diese mit unserer Art zu fühlen, zu sehen oder zu denken ersetzen zu wollen, denn Kinder werden niemals zu Kopien ihrer Eltern. Kinder sind Kinder der Welt und sind aus Träumen gemacht, aus Hoffnungen und Ideen, die sie in ihren freien und privilegierten Köpfen entwickeln.

Vor einigen Monaten schaffte es eine beunruhigende Meldung in die Nachrichten, die uns zum Nachdenken anregt. In Großbritannien bereiten Familien ihre Kinder zwischen 5 und 6 Jahren auf eine Aufnahmeprüfung vor, mit der sie für die besten Eliteschulen zugelassen werden. Eine angeblich „vielversprechende Zukunft“ geht nun Hand in Hand mit dem Verlust der Kindheit. Kinder werden zu Wettbewerbern gemacht, die eigentlich zusammen im Park spielen sollten.

Was machen wir mit einem Kind, dass uns die Monde des Saturns beim Namen nennen kann, aber nicht weiß, wie es mit seiner Trauer oder Wut umgehen soll? Lasst uns Kinder großziehen, die klug mit ihren Emotionen umgehen, Kinder voller Träume und nicht voller Ängste.

Heutzutage verfolgen viele Väter und Mütter die Idee, die Fähigkeiten ihrer Kinder etwas zu „beschleunigen“, sie kognitiv zu stimulieren, ihnen Mozart aufzulegen, selbst wenn sie noch im Mutterbauch schlafen. Doch kann es sein, dass dieses Bedürfnis, Kinder zu erziehen, die angeblich gut auf die Welt vorbereitet sind, vielmehr zu einem reinen Selbstzweck verkommt? Es werden Kreaturen erschaffen, die mit nur 5 oder 6 Jahren den Stress einen Erwachsenen leiden.

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Unsere Kinder und der Wettbewerbsdruck der Umgebung

Uns allen ist klar, dass wir in unseren sich ständig verändernden und wettbewerbsgeprägten Gesellschaften vor allem Personen brauchen, die fähig sind, sich an diese Anforderungen anzupassen. Wir haben auch keine Zweifel, dass die britischen Kinder, die es in die besten Eliteschulen schaffen, morgen bestimmt einen guten Job haben werden. Jedoch sollten wir uns auch fragen: Wird es all die emotionalen Kosten wert sein? Den Verlust der Kindheit? Immer nur den Weg verfolgen, den die Eltern bereits für sie ab dem fünften Lebensjahr vorgezeichnet hatten?

Es muss hier auch gesagt werden, dass bis heute keine eindeutigen Studien existieren, die die Idee der „Beschleunigung“ von einigen Kompetenzen unterstützen würden:  Es ist weder erwiesen, dass es positiv für Kinder ist, mit 4 Jahren schon lesen zu können, noch das diese Kinder später Vorteile auf ihrem Bildungsweg haben. Was stattdessen oft passiert, ist, dass die Kleinen anfangen, Frust und Stress zu erlernen und sich immer nur an die Erwartungen der Eltern anzupassen.

Kinder sind aus Träumen gemacht und man muss sie mit Vorsicht behandeln. Wenn wir ständig versuchen, ihre Zeit mit Zielen zu füllen, die sie erfüllen müssen, oder mit Fähigkeiten, die sie erlernen müssen, dann werden wir ihnen jeden Tag ein Stück ihrer Flügel abschneiden. Diese, mit denen sie vielleicht später mal ihre eigenen Träume hätten erreichen können. Wenn wir ihnen Aufgaben für Erwachsene geben, wenn sie noch Kinder sind, dann reißen wir ihnen die Flügel aus, die sie auf dem Boden wieder finden, wodurch sie ihre Kindheit verlieren.

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Eine Erziehung, welche die Zeit, Neigungen und Träume der Kinder respektiert

Der Beschleunigung des Lernens stehen andere Ansätze entgegen, die heutzutage immer stärker an Gewicht gewinnen, wie etwa die „Respektvolle Erziehung“ oder das „Slow Parenting“. Hier muss noch gesagt werden, dass man zunächst erste Annäherungsversuche starten sollte, bevor man sich für die Beschleunigung entscheidet. Ein solcher Versuch wäre zum Beispiel, Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren an Bücher anzunähern, aber ohne sie zum Lesen zu zwingen oder gleich mit dem Lernen zu beginnen.

„Unsere wichtigste Verpflichtung gegenüber den Kindern ist es, ihnen einen ‚Lichtstrahl‘ zu geben, sodass sie damit ihren eigenen Weg gehen.“
Maria Montessori

Neugier ist die größte Motivation für ein kindliches Gehirn, und deshalb ist es für die Eltern als auch die Erzieher wichtig, dass sie sich als Anreger zum Lernen sehen und nicht nur Druck ausüben. Wir sehen uns nun im Detail die interessanten Ansätze einer respektvollen Erziehung an, die die natürlichen Kreisläufe und Bedürfnisse des Kindes beachtet.

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Slow Parenting

Das Slow Parenting oder die Erziehung auf leichter Flamme ist die getreue Übertragung dieser sozialen und philosophischen Strömung auf die Erziehung, die uns generell dazu aufruft, langsamer zu tun und sich dessen bewusst zu werden, was uns umgibt. Auf die Erziehung bezogen wird ein einfacheres und auf Geduld basierendes Modell vorgeschlagen, was die Rhythmen des Kindes in jedem Entwicklungsschritt beachtet.

Folgende grundlegende Ideen machen das Slow Parenting aus:

  • Das Grundbedürfnis eines Kindes heißt spielen und die Welt entdecken.
  • Wir sind nicht die „Freunde“ unserer Kinder, wir sind Mutter und Vater. Unsere Aufgabe ist es, sie zu lieben, anzuleiten, ein Beispiel zu geben und ihren Reifeprozess ohne Druck zu unterstützen.
  • Erinnere dich immer daran, dass „weniger mehr ist“. Dass die Kreativität die Waffe der Kinder ist, dass ein Stift, ein Papier oder ein Wiese mehr Macht haben als ein Telefon oder ein Computer.
  • Verbringe Zeit mit deinen Kindern an einem ruhigen Ort.

Respektvolle Erziehung

Bestimmt hast du schon von respektvoller Erziehung gehört. Neben der bekanntesten Idee dieses Ansatzes, die darin besteht, mit positiver Verstärkung anstatt mit Strafen oder klassischen Formen der Erziehung zu arbeiten, beinhaltet dieser Erziehungsstil weitere Dimensionen, die es wert sind, sie sich einmal anzuschauen.

  •  Man soll erziehen, ohne zu schreien.
  • Belohnungen funktionieren nicht immer: Wir gehen das Risiko ein, dass unsere Kinder sich daran gewöhnen, immer eine Belohnung zu bekommen, ohne den intrinsischen Nutzen der Handlung, den persönlichen Erfolg, zu verstehen.
  • „Nein“  sagen und Grenzen setzen wird bei ihnen kein Trauma erzeugen, es ist vielmehr nötig.
  • Respektvolle Erziehung nutzt intensiv die Kommunikation, das Zuhören und die Geduld. Ein Kind, das sich beachtet und wertgeschätzt fühlt, ist jemand, der sich frei fühlt, seine Kindheitsträume für später aufzuheben und sie mit mehr Reife in die Tat umzusetzen.

Lasst uns ihre Kindheit respektieren, lasst uns diese Etappe respektieren, die ihren Hoffnungen Wurzeln und ihren Flügeln Erwartungen gibt.

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