Gaslighting: die subtilste und verheerendste Form des psychischen Missbrauchs

17. Juli 2017 en Psychologie 874 Geteilt

Hat dir schon einmal jemand eingeredet, dass du verrückt wärst? Dass das, worüber du redest, niemals passiert ist? Wenn man dich dazu bringt, an deinem eigenen Urteilsvermögen und an dem, was du glaubst, was geschehen sei, zu zweifeln, kann dir das leicht das Gefühl geben, verwirrt zu sein oder dich sogar in eine Depression stürzen. Hierbei handelt es sich um eine sehr effektive Art der Manipulation, die einige Menschen benutzen, um anderen bewusst Leid zuzufügen und sie auszunutzen. Die Rede ist vom sogenannten „Gaslighting“, das auch als „Gaslichtern“ bekannt ist und als subtilste und verheerendste Form des psychischen Missbrauchs zählt.

Der Begriff „Gaslighting“ kommt nicht von ungefähr, sondern stammt aus dem Theaterstück Gaslight,  in dem der Hauptdarsteller seine Frau glauben lässt, sie würde phantasieren und sie müsse sich in psychologische Behandlung begeben. Letztendlich wird sie dadurch ihres Glückes beraubt. Es ist eine wahrhafte Folter für jeden Menschen, der Opfer dieser brutalen psychischen Gewalt wird.

Das Gaslighting ist eine Form des psychischen Missbrauchs.

Gaslighting: die Waffe manipulativer Personen

Auch wenn uns dieser Begriff noch nicht so geläufig ist, ist es dennoch so, dass das Gaslighting öfter angewandt wird, als wir denken. Es ist die Waffe, mit der manipulative Menschen kämpfen, mit der sie ihr Opfer verrückt machen und es sogar so weit bringen können, dass es das tut, was sie möchten. Hier ein paar Beispiele dazu, vielleicht kommen sie dir bekannt vor:

Stellen wir uns ein Paar vor, bei dem einer der beiden Partner dem anderen sagt, dass er sich wegen eines Gesprächs verletzt gefühlt habe. Der andere entgegnet daraufhin, dass das nicht stimmen könne, der andere das erfinde und er diese verletzende Sache niemals gesagt hätte. Auch wenn das hinterfragt werden kann, schafft es der manipulative Partner, bei seinem Partner etwas sehr Wichtiges auszulösen: Zweifel.

Nun folgen mehrere Momente, die das Opfer an diesen Moment erinnern, in dem sein Partner ihm versicherte, dass die Dinge nicht so gewesen seien, wie es sie sich vorstellt. In ähnlichen Situationen wird dieser manipulative Mensch seinem Partner erneut sagen, dass er übertreibe, lüge und sich leicht angegriffen fühle, weil er zu sensibel sei. Die Zweifel werden immer größer und nach und nach überzeugt sich das Opfer tatsächlich davon, dass es die ursprüngliche Behauptung aus der Luft gegriffen hätte.

Wenn du lügst, um zu vermeiden, dass deine Realität angezweifelt wird oder deine Gedanken und Handlungen ständig hinterfragst, bist du höchstwahrscheinlich das Opfer von Manipulationen.

In Extremfällen gelingt es diesem manipulativen Menschen, der diese Art von Missbrauch anwendet, den anderen so sehr hinters Licht zu führen, dass dieser irgendwann annimmt, dass seine Wahrnehmung der Umwelt verzerrt sei und dass seine Erinnerungen nicht verlässlich seien. Das Ziel dahinter ist es, das Opfer zu unterdrücken, sich mächtig zu fühlen, ihm Schaden zuzufügen oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen – genau wie im Theaterstück Gaslight.

Es ist offensichtlich, dass es sich hierbei um eine toxische Beziehung handelt, in der einer der beiden Partner eine große Unsicherheit und konstante Zweifel in Bezug auf das sät, was der andere glaubt, und dieser sich dann vollkommen von der Meinung anderer abhängig macht.

Vertraue auf deine Intuition

Ist es schwierig, solch einer Situation zu entkommen? Leider ja, so wie das auch unter anderen Umständen gilt, wenn jemand manipuliert wird. Aber das soll nicht heißen, dass es unmöglich ist, sich zu befreien. Aus diesem Grund ist es wichtig, bestimmten Ratschlägen zu folgen, was uns die Augen öffnet und hilft, einen Ausweg aus der beschriebenen Situation zu finden, falls jemand eines Tages versucht das Gaslighting bei uns anzuwenden.

Die erste Empfehlung ist es, auf unsere Intuition zu vertrauen. Unsere Intuition spricht zu uns und wir müssen ihr zuhören. Sie hat mindestens genauso viel Recht wie ein anderer Mensch. Wenn wir spüren, dass etwas seltsam ist, sich nicht gut anfühlt, sollten wir es hinterfragen.

Der zweite Ratschlag ist, nicht die Bestätigung dieses Menschen zu suchen. Das tun wir oftmals aufgrund eines geringen Selbstwertgefühls oder weil uns von dieser Bestätigung abhängig glauben. Doch wenn uns unsere Intuition sagt, dass unsere Beziehung zu jener Person nicht gesund ist, sollten wir nicht ausgerechnet demjenigen recht und Macht über uns geben.

Wir sollten unserem Gesprächspartner mitteilen, wie wir uns fühlen und wie wir das Ganze erleben. Wir sollten ihm klar vermitteln, dass auch die Möglichkeit besteht, dass er vergessen hat, was passiert ist, und wir ihn nicht beleidigen, wenn wir seine Erinnerungen anzweifeln, sowie auch er uns nicht beleidigen sollte, wenn er unsere anzweifelt.

Weiterhin sollten wir Grenzen respektieren. Wenn uns der andere anschreit, uns verletzende Worte um die Ohren haut oder wir merken, dass er uns benutzt, damit wir tun, was er will, müssen wir das klar und deutlich mitteilen und ihn an dieser Stelle stoppen. Wir dürfen nicht zulassen, dass jemand unsere Grenzen überschreitet oder dies tut und ungestraft davonkommt. Wenn wir letzteres einmal zugelassen haben, gibt es kein Zurück mehr und ein Mensch, der uns manipulieren will, wird diese Gelegenheit ausnutzen.

Das Gaslighting kann unser Selbstwertgefühl zerstören, dazu führen, dass wir überhaupt nicht mehr auf unser Urteilsvermögen vertrauen, Angststörungen verursachen und sogar eine Depression auslösen.

Es geht recht schnell, dass wir beginnen, uns zu zweifeln, aber in solch einem Fall ist es am besten, unabhängig nach Beweisen zu suchen. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Gaslighting eine Strategie ist, uns unsere Umwelt anders wahrnehmen zu lassen, als sie tatsächlich ist.

Uns von einem Menschen zu distanzieren, der uns so schlecht fühlen lässt, ist wichtig, um die Situation erneut aus einer gewissen Entfernung betrachten und analysieren zu können. Dem anderen recht zu geben, wenn er es geschafft hat, dass wir an uns selbst zweifeln, verleiht ihm genug Macht, um uns zu zerstören.

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