Funny Games - Gewalt um der Gewalt willen

Funny Games ist ein Film von Michael Haneke, der den Zuschauer mit einer neuen Form von Gewalt konfrontiert. Es handelt sich um einen Psychothriller, der die Geschichte eines Angriffs erzählt, den ein Ehepaar und ihr Sohn während eines Aufenthaltes in einem idyllischen Ferienhaus erlitten hat.
Funny Games - Gewalt um der Gewalt willen

Letzte Aktualisierung: 30. Dezember 2020

Funny Games ist ein US-amerikanisch-britisch-französisch-österreichischer Film von Michael Haneke und eine Bild-für-Bild-getreue Neuverfilmung des gleichnamigen Films von 1997, der ebenfalls von Michael Haneke gedreht wurde. Dieser Film handelt von den Gewalttaten, die zwei junge Männer an einer Familie unmittelbar nach deren Ankunft in ihrem Ferienhaus an einem See verüben.

Obwohl dieser Film nur ein weiterer gewalttätiger Thriller sein könnte, ist die Handlung nicht das Besondere an Funny Games. Tatsächlich erteilt der Film den Zuschauern eine Lektion. Darüber hinaus ist er auch ein Versuch, Kritik an der gewalttätigen und faden Unterhaltung vieler Produktionen zu üben.

Zuerst einmal beabsichtigt dieser Film, die vulgäre und gewalttätige Unterhaltung zu kritisieren und ist eine Art “Behandlung” für ein Publikum, das vom gelegentlichen Konsum brutaler Bilder besessen ist.

Funny Games (sowohl die österreichische Originalversion als auch die Neuverfilmung) zielt darauf ab, zu erklären, inwiefern Zuschauer Komplizen der Gewalt sind, die sie erleben. Entweder in ihrem eigenen Umfeld oder nur als Cineast.

“Ihr wettet, dass ihr morgen früh um 9 Uhr noch am Leben seid und wir wetten, dass ihr tot sein werdet. Einverstanden?”

-Michael Pitt as Paul-

Funny Games – eine Geschichte über unkonventionelle Gewalt

Der Film beginnt, als Ann und George (Naomi Watts und Tim Roth) mit ihrem kleinen Sohn Georgie (Devon Gearhart) quer durch das Land fahren, um in ihr Sommerhaus zu gelangen. Sie hören während der Fahrt in ihrem Land Rover eine Opern-CD. Nach ihrer Ankunft bringen sie ihr wunderschönes Holzsegelboot an den See.

Während sie sich in ihrem Feriendomizil einrichten, erscheinen zwei wortgewandte, aber dennoch ziemlich merkwürdige junge Männer an ihrer Tür. Deren tadellosen Manieren und ihre offensichtliche Mitgliedschaft im örtlichen Reichenclub der Weißen verschafft ihnen den Zutritt in das Ferienhaus des Ehepaares. Dies markiert jedoch den Beginn eines wahren Albtraumes.

Schon bald erkennt die Familie, dass diese zwei redegewandten und scheinbar kultivierten Männer nichts Gutes im Schilde führen. Im Verlauf der Nacht terrorisieren sie die Familie durch verschiedene Handlungen, während derer sie dieser Benimmlektionen erteilen und einen Golfschläger, ein Messer und eine Pistole benutzen.

Darüber hinaus verändern sie permanent die Art und Weise, wie sie sich ansprechen. Manchmal sind sie Paul und Peter, dann wieder Tom und Jerry. Außerdem nennen sie sich Beavis und Butt-Head. Die beiden jungen Männer werden von Michael Pitt und Brady Corbet dargestellt.

Wer sind diese Soziopathen?

Peter und Paul agieren ohne ein Motiv. Als George, der Vater, sie fragt, warum sie so grausam seien, erhält er Antworten, die jene einfache Art von Geschichten parodieren, die der Zuschauer erwarten würde.

Die beiden machen Anspielungen auf ihre unglückliche Kindheit, sexuelle Instabilität, Klassen-Ressentiments und Unhöflichkeit. Allerdings ist all das typisch, erwartet und liefert keinerlei Erklärungen. Haneke spielt lediglich mit einfachen Argumenten, die denen ähneln, die die Massenmedien nutzen, um die Psychologie eines Täters zu erklären.

Während Peter und Paul ihre grausamen Taten vollbringen, tragen sie makellos weiße Handschuhe. Es gibt Momente, in denen Paul das Publikum direkt anspricht und es dafür verhöhnt, dass es Anne und George die Daumen drückt. So macht der Film vage Andeutungen über die Komplizenschaft des Zuschauers bei der gewalttätigen Handlung, die sich vor seinen Augen abspielt.

Darüber hinaus gibt es explizite Hinweise der Schauspieler, während sie ihre Opfer auf grausame Weise auf der Leinwand manipulieren. Beispielsweise gibt es eine Szene in der Küche, die das nachahmt, was viele Menschen tun, wenn sie im Fernsehen Gewalt sehen. Es ist keine große Sache.

“Warum ermordet ihr uns nicht einfach und bringt es hinter euch?”. Diese Aussage von George drückt aus, wie verzweifelt er ab einem bestimmten Moment dieses Martyriums ist. Die Antwort des Psychopathen lautet: “Du solltest nicht die Bedeutung der Unterhaltung vergessen”. Währenddessen erlebt der Zuschauer ein schreckliches Spektakel.

Die Absicht hinter Funny Games

Michael Haneke ist ein österreichischer Regisseur, der für seine unkonventionellen Geschichten bekannt ist. Ihr Unterhaltungswert liegt darin, den Zuschauer dazu zu bringen, über die Konsequenzen dieser Unterhaltung nachzudenken.

Allerdings ist Hanekes Gewalt weder lustig, noch elegant oder sexy und auch nicht besonders dramatisch. Sie ist schlicht und ergreifend abstoßend und ekelhaft. Darüber hinaus gibt es noch nicht einmal eine tatsächliche Handlungsentwicklung, die etwas von dieser Qual ablenken könnte.

Das Ziel von Funny Games besteht darin, den Zuschauer mit seiner scheinheiligen Vorliebe für moderne Hollywood-Gewalt in verschiedenen Genres zu konfrontieren. Die Gewalt auf dem Bildschirm ist etwas, das aus einer Distanz betrachtet wird; fern vom alltäglichen Leben des Publikums.

Außerdem zeigt der Film, dass auch dein sozialer Status dich nicht vor einer gefährlichen Situation bewahren wird. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen nicht bereit sind, auf das zu reagieren, wofür sie ansonsten enorm anfällig sind, andere Menschen. Obwohl du es noch nicht weißt, hat dieser Film nichts mit Hollywoods perfekten Stereotypen zu tun.

Funny Games - weitere Filmszene

Der Einfallsreichtums des Zuschauers und seine Komplizenschaft bei der absurden Gewalt in Kinofilmen

Haneke möchte in diesem Film Gewalt herausstellen und die Schlussfolgerungen deiner Überlegungen vorwegnehmen. Darüber hinaus möchte er, dass du erkennst, dass all deine Schlussfolgerungen und Vermutungen nur ein weiteres Produkt all der “mühsam” damit verbrachten Jahre sind, in denen du dir Gewaltfilme angesehen hast.

Das ist der Grund, warum dich dieser Film täuscht. Er tut dies insbesondere durch die Hinweise, die du als relevant erachtest, wie sich die Familie “befreien” könnte. Denn diese stammen direkt aus anderen gewalttätigen Filmen. Allerdings haben sie für diesen Film nur wenig Relevanz.

Das Ende des Mythos

Die Motive der Täter sind nicht logisch oder erwartbar. Darüber hinaus sind die Geschlechterrollen vertauscht, die Fluchtszene ist nicht heldenhaft und das Ende der Figuren ist nicht in ein Geheimnis gehüllt. Die Fluchtszene, die oft ein Teil der Entwicklung einer Handlung ist, wird gleich zu Beginn des Filmes gezeigt.

Der Film zeigt eine kalte, ungeschminkte Gewalt, die ohne unnötige Leinwandrekreation auskommt. Es ist also jene Art von Gewalt, die deine Psyche nachbildet. Hauptsächlich, weil sie das herausfordert, was die Medien dir beigebracht haben.

Wenn du eine Herausforderung für deine cineastischen Muster suchst, solltest du Funny Games keinesfalls verpassen. Aber wenn du nur einen weiteren Gewaltfilm ansehen und deine Rolle als bloßer Voyeur beibehalten möchtest, solltest du ihn besser meiden.

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