Fünf häufige Fehler von Therapeuten

11. Januar 2020
Die Fähigkeiten eines Therapeuten können entscheidend sein, um positive Veränderungen bei seinem Patienten zu fördern. Unser heutiger Artikel handelt daher von fünf Fehlern, die Therapeuten häufig begehen. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren!

Viele Faktoren beeinflussen die Entwicklung und die Ergebnisse der Psychotherapie, einschließlich dieser fünf häufigen Fehler von Therapeuten. Es besteht eine weit verbreitete Ansicht, dass die Heilung nach der Therapie in der Verantwortung derjenigen liegt, die Hilfe suchen. Es ist jedoch ein großer Fehler, an dieser Einstellung festzuhalten. Der Grund dafür sind viele Variablen, die einen Patienten beeinflussen, während er oder sie nur wenig oder gar keine Kontrolle darüber hat.

Die Merkmale, die eine therapeutische Veränderung erklären, sind:

  • die soziale Unterstützung und die Stärke des Menschen selbst (mit anderen Worten, die außertherapeutische Veränderung)
  • die spezifischen Techniken, die in der Therapie verwendet werden
  • der Placebo-Effekt oder die Erwartungen
  • die therapeutische Beziehung, in der die Fehler von Therapeuten einen großen Einfluss haben können

Neben der außertherapeutischen Veränderung ist eine therapeutische Beziehung zwischen dem Psychologen und seinem Patienten ein sehr wichtiges Element, um Veränderungen herbeizuführen.

Daher ist es wichtig, bestimmte Fehler durch Therapeuten aufzudecken, die die therapeutische Allianz gefährden können. Dieser Faktor stellt ungefähr 40 % des Fortschritts dar, den ein Patient durch Psychotherapie erzielt (Corbella und Botella, 2004).

Fünf häufige Fehler von Therapeuten

Die folgende Liste basiert auf einem Kapitel des Buches Introduction to Psychotherapy: Common Clinical Wisdom von Pipes und Davenport, das einige der typischsten Therapeutenfehler aufzeigt.

Der Versuch, das Problem zu lösen, ohne es wirklich zu verstehen ist einer der häufigsten Fehler, die Therapeuten machen.

1. Der Versuch, das Problem zu lösen, ohne es wirklich zu verstehen

Dies ist einer der häufigsten Fehler, die Therapeuten machen. Obwohl bestimmte Therapiearten, wie die Psychoanalyse, ein umfassendes Verständnis der Probleme des Patienten anstreben und Zeit und Mühe in das Verständnis seiner Erzählung investieren, ist die Wahrheit jedoch die, dass dies nicht bei allen Therapien der Fall ist.

Ein Großteil dieser Therapie findet in Kontexten statt, in denen die Mindestleistung jeder Sitzung gleichbedeutend mit Qualität ist. Zum Beispiel ist der Therapeut umso besser, je weniger Zeit es in Anspruch nimmt, um eine Therapie abzuschließen.

In Reaktion auf die Unvollkommenheiten von Psychologen, kann es daher vorkommen, dass sich manche nur nach oberflächlichen Informationen richten. Infolgedessen werden sie die Probleme eingrenzen und eingreifen, ohne dabei andere Bereiche zu bewerten, die nicht relevant sind.

Wenn ein Patient mit einem Stimmungstief an einer Sitzung teilnimmt, die beispielsweise durch schlechte Noten begründet ist, führt der Therapeut eine Bewertung durch und plant eine Intervention.

Der Therapeut kann beispielsweise den Perfektionismus des Patienten und seine irrationalen Gedanken darüber, was es heißt, zu versagen, bewerten und ihm dann emotionale Managementtechniken zur Verfügung stellen, für den Fall, dass diese Situation wieder vorkommt. Kurz gesagt, berücksichtigt der Therapeut hierbei nicht einmal wichtige Komponenten.

So kann es aber sein, dass der Patient an einer Essstörung leidet und dies nicht einmal zur Sprache kommt, da das Thema Ernährung nie problematisch erschien. Es kann auch sein, dass der Therapeut, nachdem der Patient ihm mitteilte, dass sich seine Essgewohnheiten nach schlechten Noten verschlechterten, einfach davon ausgegangen ist, dass dieses Phänomen nur auf schlechte Noten zurückzuführen ist.

Eine Intervention, der keine gute Bewertung vorausgeht, schlägt fehl. Es passiert nichts, wenn der Therapeut nicht die Zeit investiert, die er benötigt, um eine Intervention zu bewerten. Ebenso ist es kontraproduktiv, wenn er sich von der Angst, so schnell wie möglich eine Intervention zu beginnen, mitreißen lässt.

2. Unangemessenes Verhalten ist ein häufiger Fehler von Therapeuten

Ungeachtet dessen, was man von der allgemeinen Kultur hält, müssen die verbalen und nonverbalen Interventionen des Therapeuten in einer Sitzung einen funktionalen Wert haben. Daher sollten Therapeuten Vorsicht walten lassen, auch wenn Humor, Geschwätzigkeit, Satire und Witze häufig hilfreich sind, um eine therapeutische Allianz zu vertiefen.

Sie müssen diese Art von Intervention daher mit einem Ziel betrachten, sei es, um Angst zu konfrontieren oder zu beruhigen oder um Ideen zu belächeln oder aufzudecken, um Einsicht zu erlangen.

Der Therapeut muss auch sein Lachen unter Kontrolle halten, während er gleichzeitig eine Art von Patientenintervention verstärkt. Es ist notwendig, den Inhalt eines Witzes zu untersuchen, da der Zweck normalerweise darin besteht, auf etwas Bestimmtes hinzuweisen.

In welcher Beziehung steht dies zum Problem des Patienten? Und vor allem: Möchte der Patient, dass der Therapeut  Scherze darüber macht? Zum Beispiel kann der Therapeut mit jemandem sprechen, der nichts ernst nehmen kann und Probleme mit seiner Wutbeherrschung hat. Dann, an einem Punkt während der Therapie, zeigt der Patient scherzhaft eine tollwütige Haltung. Wenn der Therapeut daraufhin lacht, verstärkt er die Vorstellung, dass solche Wutattacken nicht wichtig sind.

Dies wird auch extrapoliert, um das Lachen des Therapeuten zu kontrollieren, wenn er seine eigene Angst reduzieren möchte. Wenn der Therapeut nicht sicher ist, ob es einem Patienten schwer fällt, lacht er, um sich zu beruhigen, vermittelt aber die Botschaft, dass das Gesagte lustig ist. Dies kann den Patienten verwirren. Somit wird er sich in der therapeutischen Allianz nicht sicher fühlen.

3. Den Patienten zum Scheitern bringen

Spektakuläre Veränderungen und schnelle Erfolge sind nicht die Norm. Die Begeisterung oder Eile eines Therapeuten kann jedoch die Therapie in diese Richtung beschleunigen, auch wenn dies einfach nicht möglich ist. Sei es, weil der Patient versucht, sein soziales Netzwerk zu erweitern, neue Erfahrungen zu machen oder Handlungen durchzuführen, die nicht wirklich wertvoll sind.

Das Vergessen oder Behandeln von Dingen, die für den Therapeuten vielleicht einfach erscheinen, aber für ihre Patienten nicht einfach sind, ist einer der häufigsten Fehler von Therapeuten. Vielleicht sind sie nicht darauf vorbereitet, ihre Patienten zu ermutigen, mehr Freunde zu finden. Im Gegensatz dazu, können diese Versuche auch fehlschlagen, weil der Person die Fähigkeiten fehlen, ein Gespräch zu führen. Vielleicht können sie aber auch ihre Angst in bestimmten Umgebungen nicht kontrollieren.

Der Mangel an Erfolgen liegt in vielen Fällen nicht in der Verantwortung eines Patienten, sondern in der seines Therapeuten. Dies liegt daran, dass das Verfahren intelligent sein muss, um sicherzustellen, dass alle vorgeschlagenen Aufgaben und Empfehlungen den Bedürfnissen des Patienten entsprechen. Es ist daher sehr wichtig, das Tempo zu berücksichtigen.

4. Es ist ein Fehler von Therapeuten, zu versuchen, der Freund ihres Patienten zu sein

Die Pflege der therapeutischen Allianz ist ein wichtiges Ziel, damit Emotionen wie die Begeisterung, die Ignoranz oder das Ego den Patienten nicht abschrecken.

Ein Therapeut hat nicht Jahre in seine Ausbildung zum Psychotherapeuten investiert, um nur jemand zu sein, der zuhört und Ratschläge gibt.

Viele Experten sind sich daher einig, dass sie sich nicht mit ihren Patienten anfreunden sollten. Denn dies ist für ihre therapeutische Beziehung nicht angemessen und erschwert Konfrontationen. Darüber hinaus, können die Aufgaben in der Therapie als optional verstanden werden und der Patient kann wütend auf die Erwartungen des Therapeuten als Freund reagieren. Dies ist einer der Therapeutenfehler, der wirklich schwer zu korrigieren ist.

Daher müssen Fachleute konkrete Maßnahmen vermeiden, die einen Patienten zu der Annahme veranlassen können, dass ihr Therapeut ihr Freund ist.

Der Therapeut sollte beispielsweise das Erscheinungsbild des Patienten nur dann kommentieren, wenn es sich um eine therapeutische Angelegenheit handelt. Außerdem sollte der Therapeut niemals Geld  leihen und keine Ratschläge geben, was getan werden sollte und was nicht. Zudem sollte außerhalb der Therapie keine Geselligkeit stattfinden.

5. Schlechte Ansätze für Interventionen

Es gibt verschiedene Arten von Interventionen, die einen Patienten dazu veranlassen können, sich von der Therapie zu entfernen, Nachrichten zu verfälschen und sich nutzlos zu fühlen. Wenn sich ein Patient so fühlt und sich das Gefühl während der restlichen Sitzungen nicht ändert, ist die Therapie unwirksam. Wir sollten daher die iatrogenen Wirkungen der Therapie auf einen Patienten nicht vergessen.

Obwohl es für einen Therapeuten normal ist, nicht direkt zu kritisieren, fühlt sich der Patient möglicherweise beurteilt, wenn der Therapeut ungeduldig ist. Dasselbe gilt für den Fall, wenn er ihm mitteilt, dass er kein Interesse daran hat, sich zu ändern, oder dass er sich schlecht verhält.

Es wird Zeiten geben, an denen sich ein Therapeut mit Menschen zusammenschließt, mit denen sein Patient nicht zusammenarbeitet. Es ist riskant und kontraproduktiv, so explizit zu sein. In der Tat ist es besser, die Dinge anzunehmen und zu versuchen, zu verstehen, was der Patient sagt. So sollte der Therapeut sich mit seinen Emotionen beschäftigen, anstatt ihm mitzuteilen, dass er Unrecht hat.

Fazit

Schließlich sollten Therapeuten bestimmte Ausdrücke vermeiden, die ihre Patienten in die Defensive treiben, wie zum Beispiel:

Der Therapeut sollte sich auf die Schwierigkeiten konzentrieren, die der Patient mit sich bringt, anstatt auf die Korrektur seiner Werte. Denn dies macht eine Therapie weniger anstrengend. Die Pflege der therapeutischen Allianz ist ein wichtiges Ziel,damit Emotionen wie die Begeisterung, die Ignoranz oder das Ego den Patienten nicht abschrecken.

  • Coberlla, S. y Botella, L. (2004). Investigación en psicoterapia. Procesos, resultados y factores comunes. Madrid: Visión Net.
  • Pipes, R. y Davenport, D. (2004). Introducción a la Psicoterapia. El saber clínico compartido. Bilbao: Desclée de Brower.