Wenn permanente Ängste dein Leben bestimmen

9. November 2019
Wenn permanente Ängste deine Gedanken bestimmen, dann bist du kaum noch in der Lage, selbst an den kleinsten Dingen Freude zu empfinden. Du bist vielmehr gefangen in einem Zustand, der von Leiden und einem negativen inneren Monolog beherrscht wird. Du hast das Gefühl, dass du jeden Tag einfach irgendwie überstehen musst.

Wenn Ängste dein tägliches Leben bestimmen, dann wird das nachhaltige Auswirkungen auf dein gesamtes Leben haben. Permanente Ängste sind wie ein ungebetener und unliebsamer Gast, der deine Gastfreundschaft über die Maßen strapaziert. Sie werden sich auch dann weigern, wieder zu gehen, wenn du sie dazu aufforderst. Und bevor du es selber überhaupt bemerkst, wird sich durch sie dein ganzes Leben verändern und deine Gedanken werden zunehmend von ihnen beherrscht.

Sobald das geschieht, wird sich auch deine ganze Persönlichkeit verändern. Nach und nach verlierst du dein Leistungsvermögen und dein Potenzial, du kommst aus dem Gleichgewicht und auch dein allgemeines Wohlbefinden wird dadurch negativ beeinflusst.

Aus psychologischer Sicht neigen wir Menschen dazu, oftmals das „Schöne“ in etwas „Schreckliches“ zu verwandeln. Was genau bedeutet das? Genau genommen sind nicht die Ängste selber dein größter Feind. Letztendlich bist du es selbst. Da du diese Ängste als eine große Bedrohung empfindest, gibst du ihnen die Macht dazu, dir deinen Seelenfrieden zu rauben.

Grundsätzlich sind Ängste etwas durchaus Positives. Wenn du angemessen und kontrolliert mit ihnen umgehen kannst, dann können sie dir dabei helfen, auf mögliche Bedrohungen zu reagieren und dich vor ihnen zu schützen. Sie erhöhen unsere Aufmerksamkeit und unsere Motivation und befähigen uns dazu, unsere Ziele zu erreichen. Wenn du allerdings permanente Ängste entwickelst, dann können sie tatsächlich zu deinem größten Feind werden.

Unsere heutige Gesellschaft und permanente Ängste

Unsere moderne Gesellschaft bildet den perfekten Nährboden dafür, dass sich permanente Ängste manifestieren können. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass unsere Zeit von Unsicherheit und rascher Veränderung geprägt ist. Die Welt ist voll von existenziellen Bedrohungen, die wir nicht kontrollieren oder beeinflussen können. Darüber hinaus fördert unsere Gesellschaft ängstliches Verhalten und belohnt dieses sogar.

Wenn wir permanent beschäftigt sind, einen vollen Terminkalender haben und verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigen, dann ist dies genau das, was heutzutage als „normal“ angesehen wird. Dieser Lebensstil gilt als der, den wir unbedingt anstreben sollten.

Jeder Mensch, der nicht so lebt, wird von der Gesellschaft als faul und verantwortungslos abgestempelt. Wenn wir aber zulassen, dass die permanente Angst davor, dass wir nicht den Erwartungen der anderen entsprechen, unser Leben zunehmend bestimmt, dann wird das letztendlich sehr ernsthafte Konsequenzen für uns haben. Lebst du dein Leben nur noch im Auto-Pilot-Modus, dann lebst du nicht mehr wirklich. Du befindest dich dann nur noch im Überlebensmodus. 

“Im Durchschnitt leiden Schüler heute unter dem gleichen Ausmaß an Ängsten, wie psychiatrische Patienten in den frühen 1950er Jahren.“

-Scott Stossel-

permanente Ängste - Mann

Was passiert, wenn permanente Ängste dein Leben bestimmen?

Robert Edelmann, Professor für klinische und forensische Psychologie an der Universität Roehampton in London, hat in seinem Buch Anxiety: Theory, Research, and Intervention in Clinical and Health Psychology (Angststörungen: Theorie, Studien und Interventionen in der klinischen und Gesundheitspsychologie) einige sehr interessante Aussagen zu diesem Thema getroffen.

Er ist davon überzeugt, dass Ängste an sich keine psychologische Anomalie und definitiv keine Erkrankung sind. Vielmehr sind sie ein ganz normaler Prozess. Probleme entstehen dann, wenn Menschen nicht angemessen mit ihren Ängsten umgehen.

Manche Menschen bauen über Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte Stress, Ängste und Sorgen auf. Unverarbeitete Erfahrungen, permanenter Stress und ein negativer innerer Dialog können diesen Zustand noch weiter verschlimmern und den Druck zusätzlich erhöhen. Diese innere Anspannung kann irgendwann zu einem beinahe unerträglichen Zustand führen.

Doch diese extreme innere Anspannung findet nicht immer ein Ventil, um sich nach außen zu entladen. Stattdessen sammelt sie sich weiter in deinem Inneren an. Diese enorme Energie durchdringt jede Faser deines Körpers und verändert allmählich dein ganzes Wesen. Wenn das geschieht, dann hat die permanente Angst die Kontrolle über dein Leben übernommen.

Du verlierst dein Selbstvertrauen und sabotierst dich selber

Permanente Ängste können dich in einen vollkommen anderen Menschen verwandeln. Durch sie wirst du möglicherweise gegen deine eigenen Prinzipien und Erwartungen verstoßen. Im Laufe der Zeit werden sie dein Denken so stark beeinflussen, dass du immer negativere Gedanken bekommst und damit beginnst, dich selber zu sabotieren. Diese von Angst beherrschte innere Stimme wird dich an jedem Gedanken, den du hast, zweifeln lassen.

Deine Ziele, Wünsche und Zukunftspläne werden ebenfalls von dieser heimtückischen Angst sabotiert. Daher kann es passieren, dass du bei jedem Versuch, deine Pläne zu verwirklichen, immer wieder scheitern wirst. Ganz egal, wie sehr du dich auch anstrengst und bemühst, deine Selbstzweifel werden überwiegen und du wirst deine Bemühungen stets vorzeitig wieder beenden.

Deine Beziehungen werden darunter leiden

Wenn permanente Ängste deine Gedanken und dein Leben beherrschen, dann werden auch deine Beziehungen zunehmend darunter leiden. Da dein Gehirn permanent mit negativen Gedanken beschäftigt ist, wirst du dein Umfeld zunehmend vernachlässigen, ohne, dass du das selber überhaupt bemerkst.

Wenn du dich selbst nicht wohl fühlst, ängstlich bist und unter Stress leidest, dann ist es für dich sehr schwer, die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen und darauf angemessen zu reagieren.

Durch das permanente Gefühlschaos, in dem du dich befindest, wird es dir zunehmend schwerer fallen, enge Bindungen mit anderen zu pflegen und optimistisch und entschlossen zu leben.

Dadurch kann es zu Spannungen in deiner Familie kommen. Auch dein soziales Leben wird dadurch beeinträchtigt werden, denn es ist nicht einfach, ein Freund zu sein und neue Freundschaften zu schließen, wenn dein ganzes Leben von Ängsten bestimmt wird.

permanente Ängste - Frau auf einer Bank

Wenn permanente Ängste dein Leben bestimmen, verlierst du zunehmend das Interesse an allem

Wenn permanente Ängste dein Leben bestimmen, dann wirst du zunehmend träger und teilnahmsloser werden. Du gehst zur Arbeit und danach gehst du wieder nach Hause. Du führst Gespräche, in denen du sprichst, antwortest und zuhörst. Außerdem tust du vielleicht sogar weiterhin die Dinge, die dir früher Spaß gemacht haben und gibst vor, dass sie dir immer noch Freude bereiten. Vielleicht scheint es für andere Menschen sogar, als wärst du glücklich. Doch, wenn du nach Hause kommst, dann fühlst du nur eine große innere Leere.

Angststörungen überfluten dein Gehirn und deinen Körper mit Noradrenalin und Cortisol. Durch diese Hormone wirst du in einen Zustand versetzt, in dem du rund um die Uhr wachsam bist. Du befindest dich permanent im Überlebensmodus. Dadurch wird es praktisch unmöglich, dass du dich entspannen oder etwas genießen kannst. Dein von Ängsten beherrschtes Gehirn lässt es nicht zu, dass Serotonin und Endorphine ausgeschüttet werden können.

Dies führt schließlich dazu, dass du dir selber fremd wirst. Es gibt nichts, was dir wirklich Freude bereiten könnte und alles im Leben fühlt sich sinnlos an. Alles, was du noch tun kannst, ist, durch diese existentielle Leere zu gehen. Und genau das darfst du auf keinen Fall zulassen! Lasse es nicht zu, dass dich deine Ängste vollkommen kontrollieren, denn dieser Zustand wird dich psychisch und physisch erschöpfen und schwächen.

Daher solltest du nicht zögern, dir umgehend Hilfe zu suchen. Allerdings gibt es keine einfache und schnelle Behandlung für Angststörungen. Die einzige Möglichkeit, wie du diese Ängste besiegen kannst, besteht darin, dass du geeignete Strategien und mentale Techniken erlernst. Der Weg wird nicht einfach sein, aber er lohnt sich auf jeden Fall!

  • Hofmann SG, Dibartolo PM (2010). Introduction: Toward an Understanding of Social Anxiety Disorder. Social Anxiety.
  • Stephan WG, Stephan CW (1985). Intergroup Anxiety. Journal of Social Issues.