Der sechste Sinn: Angst und Furcht überwinden

3. August 2019
Welche Botschaft wollte uns M. Night Shyamalan mit seinem Filmklassiker Der sechste Sinn vermitteln? In unserem heutigen Artikel befassen wir uns genauer mit dem Film, um die tiefere Botschaft dahinter zu ergründen. Sie hat mit tiefsten menschlichen Emotionen zu tun.

Als im Jahr 1999 der Film Der sechste Sinn in die Kinos kam, wurde der zuvor unbekannte indische Filmemacher M. Night Shyamalan weltweit berühmt. Dieser übernatürliche Psychothriller ist nach wie vor einzigartig in seinem Genre. Sowohl die Kritiker als auch das Publikum waren von diesem Film so begeistert, dass er für sechs Oscars nominiert wurde.

Shyamalan überraschte das Publikum mit einer Geschichte, die genauso gut in einem Horrorfilm spielen könnte. Außerdem werden in diesem Film die Angst vor dem Tod und der Schmerz über Verluste thematisiert, was wiederum für Horrorfilme ungewöhnlich ist. Die Geschichte, die dir dieser Film erzählt, wird dich vom ersten Moment an fesseln und in ihren Bann ziehen. Sie endet mit einer sehr berührenden Botschaft.

Der sechste Sinn: besonders bekannt ist das Ende des Filmes

Der sechste Sinn ist besonders bekannt für die sehr überraschende Wendung am Ende der Geschichte. Shyamalan hat während des gesamten Filmes immer wieder Hinweise darauf gegeben. Letztendlich ging es nur darum, am Ende alle zusammenzuführen, um zu einem stimmigen Schluss zu gelangen.

Wenn du mit der Filmografie dieses Regisseurs bereits vertraut bist, dann war das Ende für dich vermutlich nicht wirklich überraschend. Denn er hat auch in anderen Filmen, wie beispielsweise Das Dorf (2004) und Unzerbrechlich (2000), mit dieser Technik experimentiert. Diese Art des Filmendes ist zum Markenzeichen von Shyamalan geworden und überrascht den Zuschauer stets aufs Neue.

Der sechste Sinn ist ein einzigartiger und sehr beliebter Film. Daher wurde er auch unzählige Male parodiert. Ein Beispiel hierfür ist die unvergessliche Textzeile von Cole (Haley Joel Osment): „Ich sehe tote Menschen“. Die Tatsache, dass dieses Zitat so berühmt ist, beweist, dass der Film ein grundlegender Bestandteil unserer populären Kultur geworden ist.

In unserem Artikel wollen wir uns damit aber nicht weiter beschäftigen. Stattdessen werden wir uns eingehender mit der Botschaft des Filmes befassen. Außerdem suchen wir Gründe dafür, warum übernatürliche Filme so beliebt sind.

ACHTUNG: Da dieser Film so bekannt ist, sind wir nicht sicher, ob wir dich auf Spoiler hinweisen müssen. Wenn du ihn aber noch nicht gesehen hast, dann solltest du wissen, dass du im nachfolgenden Artikel viel über den Film erfahren wirst.

Der sechste Sinn: eine sehr wahre Geschichte

Der Film spielt in der Neuzeit. Das wird gleich zu Beginn deutlich, denn er greift aktuelle Themen wie Mobbing und Scheidung auf. Auch wenn wir heute daran gewöhnt sind, über diese Themen offen zu sprechen, waren diese in den 90er Jahren noch weitgehend tabuisiert.

In vielen Ländern war eine Scheidung bis weit ins 20. Jahrhundert nicht legal. Viele Kinder, die in den 90er Jahren aufwuchsen erlebten die Scheidung ihrer Eltern oder hatten Freunde, deren Eltern sich scheiden ließen.

Auch wenn Scheidungen schon recht häufig vorkamen, als der Film erschien, waren die Folgen für die Kinder zu der damaligen Zeit noch nicht ausreichend bekannt. Es gab auch nicht genügend Erfahrungen im Umgang mit den neuen Familienstrukturen, die durch eine Scheidung enstehen.

Im Film ist Dr. Malcolm Crowe (Bruce Willis) die große treibende Kraft hinter der Trennung und Scheidung, da er stets seine Arbeit der Familie vorzieht. Er befürchtet, dass er seine Frau verloren hat, weil er zu viel Zeit auf der Arbeit verbrachte. Allerdings ist seine wirkliche Angst eine ganz andere. Er hat Angst vor dem Tod, doch das bestreitet er, um sich selber zu schützen.

Der sechste Sinn - Mutter

Der sechste Sinn erzählt uns über das alltägliche Leben von Cole und seiner Mutter, nachdem sein Vater die Familie verlassen hat. Wir erfahren mehr über seine Probleme und Nöte und sehen auch, wie all das sein schulisches Leben beeinträchtigt. Coles Mutter versucht, ihrem Sohn zu helfen, als sie bemerkt, dass er große Probleme hat.

Mobbing in der Schule

Cole wird in der Schule gemobbt. Er ist anders als seine Klassenkameraden und wird daher permanent von ihnen verlacht und gehänselt. Wir sehen seine Beziehung zu seinen Klassenkameraden und parallel dazu die Beziehung, die seine Mutter mit den Müttern seiner Mitschüler pflegt. Alles scheint auf familiäre Probleme hinzuweisen.

Mit dem Thema Mobbing wurde zu dieser Zeit anders umgegangen, als wir das heute tun. Heutzutage sind sich sowohl die Schulen als auch die Familien dieses Themas viel bewusster. Es wird offener darüber gesprochen und es gibt auch verschiedene Methoden, wie Mobbing bekämpft werden kann. In Der sechste Sinn ist das Thema Mobbing hingegen noch nicht wirklich im Bewusstsein der Menschen angekommen.

Wenn wir den Film aus unserer heutigen Sicht ansehen, dann erhöht das die Spannung noch zusätzlich und lässt uns gebannt Coles Beziehung mit dem Tod verfolgen. Im Verlauf des Filmes lernen die Charaktere durch Coles besondere Gabe mehr über den wahren Wert des Lebens. Außerdem werden sie daran erinnert, wie wichtig es ist, sich an die Verstorbenen zu erinnern und sie in Liebe gehen zu lassen.

Aufgrund der gekonnt entwickelten Charaktere und des hervorragenden Drehbuches gelingt es Shyamalan, eine Geschichte zu erzählen, in der die Realität mit sehr viel Spannung dargestellt wird.

Übersinnliche Erfahrungen und die Angst vor dem Tod

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod mag beängstigend erscheinen, aber in Wirklichkeit ist er nur die Antwort auf eine bestimmte Sehnsucht. In vielen Religionen beispielsweise ist der Glaube an ein ewiges Leben sehr bedeutsam.

Die Vorstellung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, scheint das Leben einfacher zu machen. Dabei ist es egal, ob du an den Himmel glaubst oder an Wiedergeburt. Außerdem erleichtert der Glaube daran, dass wir irgendwann wieder mit unseren Lieben vereint sein werden, das Abschiednehmen vor dem Tod.

Es gibt zahlreiche Filme und Bücher, die sich mit dem beschäftigen, was nach dem Tod passieren könnte. Viele Menschen haben mehr Angst vor dem Tod als vor dem Leben, weil der Tod etwas Unbekanntes und Mysteriöses ist. Meistens haben wir Angst vor dem Unbekannten.

Andererseits geben uns all die Filme, die uns besonders ängstigen, auch irgendwie Hoffnung. Wenn es böse Mächte gibt, die uns quälen, dann bedeutet das ja auch, dass der Tod nicht das Ende unserer Existenz sein kann.

Horrorfilme wie beispielsweise Der Exorzist lindern unsere Ängste durch die Gegensätze, die sie zeigen. Wenn das Böse existiert, dann gilt das gleichermaßen für das Gute. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt (selbst wenn es Geister und Dämonen sind), dann müssen wir uns vor dem Tod nicht mehr so sehr fürchten.

Der sechste Sinn gibt uns auch Hoffnung

Auch Der sechste Sinn spielt mit diesen Ängsten, gleichzeitig gibt er uns auch Hoffnung. Denn nicht alle Geister, denen Cole begegnet, sind beängstigend und böse. Er trifft auch seine Großmutter, die wir allerdings im Film nicht sehen können.

Im Film stellt sich Cole seinen Ängsten und erkennt dabei, dass seine Aufgabe im Leben darin besteht, anderen mit seiner Gabe zu helfen. Daher hilft er den Geistern dabei, Frieden zu finden und weiter ihren Weg zu gehen. Aufgrund der Art und Weise, auf die Shyamalan in seinem Film Ängste, Schmerzen und Hoffnung erforscht, kannst du deutlich die spirituellen Einflüsse des Hinduismus erkennen.

Die Geschichte spielt mit unseren Emotionen. Dabei nutzt sie Schmerzen und Anspannung, um uns mit unseren tiefsten Gefühlen in Kontakt zu bringen. Jeder hat Angst vor dem Tod, genau wie wir alle Angst davor haben, geliebte Menschen zu verlieren.

Wir alle haben irgendwelche Ängste. Unser Leben ist ein Weg voller Hindernisse, denen wir uns immer wieder stellen und sie dann überwinden müssen. Genauso ergeht es auch den Charakteren in Der sechste Sinn.

Die Geschichte entwickelt sich langsam, es ist kein temporeicher oder schneller Film. Die einzige Ausnahme bilden die gruseligen Szenen, mit denen der gesamte Film immer wieder angereichert ist. Interessanterweise sind diese spannungsgeladenen Szenen dann aber letztendlich nie so gruselig, wie sie zunächst den Anschein erwecken. Das ist typisch für diese Art von Filmen.

Der sechste Sinn - Cole

Der sechste Sinn: jenseits der Spannung

Die Spannung ist von Anfang an spürbar. Die Übel des zeitgenössischen Lebens beherrschen die Charaktere.

Der Film thematisiert Selbstmord, Verlust, Schuldzuweisungen, Missbrauch und Ängste. Aber neben all der Spannung, die erzeugt wird, ist Der sechste Sinn auch eine Geschichte über Freundschaft und Liebe. Außerdem erinnert sie uns daran, dass wir die Lieben, die wir verloren haben, nicht vergessen sollten. Gleichzeitig ermutigt sie uns dazu, zu akzeptieren, dass sie gegangen sind und wir sie daher auch loslassen sollten.

Cole und sein Psychologe helfen sich gegenseitig. Dadurch gewinnen sie beide wertvolle Erkenntnisse und werden enge Freunde. Dr. Crowe kann schließlich seinen Tod akzeptieren und Cole findet dadurch zurück ins Leben.

Das Ende des Films ist wirklich sehr überraschend. Gleichzeitig macht es aber auch Mut, dass beide Charaktere eine gute Zukunft haben werden, obwohl sie sich in unterschiedlichen Welten befinden. Die beiden Hauptdarsteller in Der sechste Sinn überwinden ihre seelischen Schmerzen und Hindernisse dadurch, dass sie über ihre Probleme sprechen. Außerdem versöhnen sie sich letztlich mit ihren Lieben und auch mit sich selbst.

Wenn du den Film zum ersten Mal siehst, dann wirst du vermutlich völlig von der unglaublichen Spannung überwältigt sein. Viele befremdliche und unheimliche Dinge widerfahren dem kleinen Cole. Wenn du den Film dann ein weiteres Mal ansiehst und ein wenig Abstand dazu hast, dann wirst du ihn sicherlich mit anderen Augen sehen können.

Selbst wenn du das Ende bereits kennst, ist Der sechste Sinn dennoch ein wirklich einzigartiger Film. Shyamalan hat einen übernatürlichen Psychothriller geschaffen, der gleichzeitig auch ein wunderschöner Film ist.