Freunde mit gewissen Vorzügen

· 3. Dezember 2018

Im Laufe der Geschichte hat es signifikante Veränderungen in Bezug darauf, was die Menschen für die Schaffung und Aufrechterhaltung einer Beziehung als wichtig erachten, gegeben hat. In der Vergangenheit wurde in der Institution Ehe vor allem Sicherheit gesucht. Zu heiraten war der einzige Weg, welcher als legitim angesehen wurde, um Kindern soziale Akzeptanz und ein anerkennendes Umfeld zu garantieren.

Dann kamen die Romantik und der immer größere Bedarf nach Freiheit bei jungen Paaren. Weit davon entfernt, die Freiheit einzuschränken, öffnete es ihnen Türen, wenn sie einen Ehepartner hatten, weil sie so die Unabhängigkeit von der Familie erlangen und jene romantischen Szenen erleben konnten, die Literatur und Kino immer wieder aufleben lassen.

Und wie sieht es heutzutage aus? Was viele Menschen von ihrem Partner erwarten, sind nicht nur Gefühle. Sie fordern auch befriedigende, einzigartige und intensive Empfindungen. Viele junge Menschen und auch Erwachsene neigen dazu, vor allem ihre eigene Freiheit zu schätzen, die Freuden der Liebkosungen, Küsse und des sexuellen Verhaltens, entdecken zu können.

Weißt du, was ein Freund mit gewissen Vorzügen ist?

Freunde mit gewissen Vorzügen

Freunde mit gewissen Vorzügen könnten als ein Paar definiert werden, das sich kennt, das ein gewisses Interesse aneinander aufrechterhält und bei dem es eine starke Anziehungskraft gibt. In so eine Beziehung wird jedoch nicht mehr investiert als in eine „normale“ Freundschaft.

Die Emotion, die in solchen Beziehungen von Freunden mit gewissen Vorzügen vorherrscht, ist die Anziehungskraft. Dieser Reiz könnte auch als der „chemische“ Aspekt der Liebe definiert werden, den man für eine andere Person empfindet. Solche Freundschaften werden auch als „Freundschaften mit Rechten und ohne Verpflichtungen“ bezeichnet, weil man sich gern hat, aufeinander aufpasst, füreinander sorgt, Liebe macht, aber ungebunden bleiben will.

„Mein Freund mit gewissen Vorzügen ist ein Mann, den ich sehe, wenn wir uns für einen bestimmten Zeitpunkt verabreden. Der gegenseitige Umgang ist zärtlich und liebevoll und wir können sexuelle Intimität genießen, ohne Verpflichtungen einzugehen, die die von Freunden übersteigen. In Wahrheit wollen wir die Verpflichtungen einer formellen Beziehung nicht explizit annehmen.“

Paar, das sich umarmt

Die Anziehungskraft ist für diesen Drang verantwortlich, einen geliebten Menschen zu küssen oder zu umarmen. Dennoch ist diese Intimität meist nicht gefestigt – zumindest nicht in ihrem ganzen Potenzial. Intimität entsteht, wenn wir unsere Gedanken und Gefühle mit dem anderen teilen, was wir mit anderem Personen auf weiteren Ebenen nicht tun.

Auf der anderen Seite ist auch die Bindung nur wenig vertieft. Eine vertiefte Bindung kann man auch als die Entscheidung oder das Versprechen definieren, trotz des Auf und Abs einer Beziehung am Ball zu bleiben.

Anziehung, Intimität und Engagement

Von diesen drei Eigenschaften prägt vor allem die Anziehung Beziehungen zwischen Freunden mit gewissen Vorzügen, ihre Zuneigung und Freundschaft zueinander. Doch in vielen Fällen zeigen sich hier gleichzeitig eine unvollständige Intimität und ein nicht vorhandenes Engagement.

Dieser Umstand tritt vor allem dann auf, wenn es sich um sehr junge Partner bzw. Freunde handelt, deren Beziehungen nur von kurzer Dauer sind. In der Jugend basieren viele unserer Bindungen hauptsächlich auf der körperlichen Anziehungskraft: „Wir gehen gerne miteinander aus und haben Spaß zusammen, tanzen und haben Sex, viel Sex. Wir ziehen einander magisch an.“

In der Zeit, in der diese jungen Menschen erwachsen werden, also im dritten Lebensjahrzehnt, lernen viele von ihnen die inneren Qualitäten ihrer Mitmenschen zu schätzen und beginnen, mehr Verantwortung zu zeigen. Am Ende ihrer Jugend gewinnen die Intimität und das Vertrauen immer mehr an Bedeutung und überholen damit die Leidenschaft.

Erst nach mehreren Beziehungen dieser Art beginnen wir also darüber nachzudenken, eine Bindung einzugehen, die über längere Zeit erhalten bleiben soll. Eine Bindung, die auf Intimität beruht und an der kontinuierlich gearbeitet wird. 

Die Rechte der Freunde mit gewissen Vorzügen

Die Beschaffenheit von Beziehungen zwischen Freunden mit gewissen Vorzügen ermöglicht es, mit Leichtigkeit in eine solche Beziehung einzutreten und diese auch wieder zu verlassen. Dabei soll sich niemand sorgen müssen, den anderen zu verletzen. Doch auch wenn man als Paar keine weiteren Verpflichtungen eingehen will, möchten doch viele eher längerfristige Beziehungen pflegen, in denen Emotionen eben doch einen wichtigen Platz haben.

Freunden mit gewissen Vorzügen pflegen nicht notwendigerweise lockere Beziehungen. Hierbei handelt es sich um Beziehungen zwischen Menschen, die sich auf einer Party oder in einer Disco treffen und dann eine sexuelle Beziehung pflegen, doch dabei keine emotionale Bindung eingehen und sich normalerweise nicht wiedersehen. Die Freundschaft, die zwischen Freunden mit gewissen Vorzügen besteht, ist aber bereits eine emotionale Bindung aneinander. Die Beziehungen der Freunde mit gewissen Vorzügen kann daher zu etwas viel Tieferem und Intimerem führen – oder ganz abrupt durch das Auftreten einer dritten Person enden. Und wegen der bereits genannten emotionalen Bindung kann das ziemlich wehtun.

Paar im Bett

Freunde mit gewissen Vorzügen können gleichermaßen verheiratete als auch alleinstehende Personen sein. In beiden Szenarien wissen die Beteiligten, dass ihre gemeinsame Zukunft ungewiss ist, denn früher oder später könnte alles zu Ende sein.

Wie wir sehen können, besteht das wesentliche Merkmal dieser Form der Beziehung darin, dass es hierbei keinerlei Verpflichtung gibt, etwa hinsichtlich einer gemeinsamen Zukunft oder bezüglich der Exklusivität der Beziehung. Dennoch gibt es eine klare Manifestation von Zuneigung, Verliebtheit und Liebe.