Paare im Sommer – Ein Test für die Beziehung

· 6. Juli 2018

Sommerferien sind immer ein Prüfung, für jedes Paar. Das liegt daran, dass wir unter dem Jahr nur einige Stunden und vielleicht am Wochenende zusammen sind, in den Ferien aber 24 Stunden am Tag. Sommerferien erfordern deshalb eine gewisse Anpassung. Je nach den Eigenschaften des Paares und der psychologischen Flexibilität beider Partner werden die Ferien gut oder schlecht laufen.

Wir erklären nun, warum der Urlaub Paare so sehr belastet, was die Hauptkonflikte sind, die Paare im Sommer durchmachen, und wie du deine Beziehung verbessern kannst, indem du ein paar einfachen Strategien folgst.

Beeinflussen Ferien ein Paar mehr als andere Beziehungen?

Ja! Die Antwort ist definitiv ja. Paarbeziehungen haben bestimmte Eigenschaften, die sie von anderen zwischenmenschlichen Beziehungen unterscheiden. Diese anderen finden wir zum Beispiel in der Familie. Wenn es um Beziehungen zu Familienmitgliedern geht, sehen wir unsere Verhältnis zu diesen Menschen als bedingungslos an  – egal was passiert, sie sind Familie. Andererseits ist eine Paarbeziehung bedingt – wir bleiben zusammen oder nicht, je nachdem, wie es läuft.

Paar am Strand

Aus all diesen Gründen ist es üblich, dass Menschen mit ihren Familienmitgliedern mehr Geduld haben als mit ihrem Partner. Denn uns ist bewusst, dass wir unseren Partner gewählt haben, während unsere Familie eine Gruppe von Menschen ist, bei denen wir keine Wahl hatten. Im Allgemeinen sind wir toleranter gegenüber Familienmitgliedern als gegenüber unseren Partnern, von denen wir mehr verlangen.

Wie wirken sich Ferien auf ein Paar aus?

Sommer- und Urlaubszeit gehen mit einigen wesentlichen Änderungen in unserer Routine einher. Während der längsten Zeit des Jahres hast du Zeitpläne, Routinen, Aufgaben, und die Paarbeziehung läuft im Hintergrund. Ihr arbeitet also eher wie ein Team als wie ein Paar im romantischen Sinne.

Sobald der Sommer kommt, wird das Paar zur ersten Priorität, da ihr die meiste Zeit zusammen verbringen könnt. Du widmest dieser Beziehung nun mehr Zeit und Aufmerksamkeit, was bedeutet, dass du Momente der Reibung viel bewusster erlebst. Und wenn du diese nicht richtig verarbeitest, kann es zu Konflikten oder Problemen kommen.

Problem Nr. 1: „Mein Partner nervt“

Dieses Problem tritt auf, weil du es gewohnt bist, dich mehr um dich und deine Verpflichtungen zu sorgen. Nun wirst du „gezwungen“, einen Teil deiner persönlichen Zeit und deines Raumes an deinen Partner abzugeben. Um es anders auszudrücken, du verbringst sonst nicht viel Zeit mit deinem Partner, aber während der Sommerferien bist du in einer Situation, in der du viel Zeit mit deinem Partner verbringen „musst“. Dieser „Zwang“ macht das Ganze nicht gerade angenehmer.

Auch Menschen, die viel Zeit miteinander verbringen und im Laufe des Jahres gut zusammenarbeiten, haben ihre eigenen Gewohnheiten und Interessen. Du kannst während des Jahres alle deine individuellen Bedürfnisse befriedigen, aber in den Sommerferien musst du dich auch um seine Interessen und Bedürfnisse kümmern. Es ist normal, dass du dich dabei unwohl fühlst. Aber du musst deine Reaktion reflektieren, damit du deinen Partner nicht wie jemanden behandelst, der dich „ärgert“, weil er dich nicht Dinge tun lässt, die du „immer tust“.

„Wenn die Zufriedenheit oder die Sicherheit einer anderen Person für einen so wichtig wird wie die eigene Zufriedenheit oder Sicherheit, nennt sich das Liebe.“

Harry S. Sullivan

Paar streitet im Schlafzimmer

Problem Nr. 2: „Wir nutzen unsere Urlaubszeit nicht, wir tun nichts“

Es gibt Paare, die sich ärgern, weil sie das Gefühl haben, ihre Urlaubszeit nicht sinnvoll zu nutzen. Sie bleiben entweder zu Hause, fahren jedes Jahr in dieselbe Stadt, um die Familie zu sehen, oder machen eine Reise, die am Ende einfach nur enttäuschend verläuft. In diesen Fällen tritt der Konflikt auf, weil beide Partner darauf warten, dass die andere Person den Urlaub plant oder die Initiative ergreift und Aktivitäten, Spaziergänge oder Kurztrips vorschlägt.

Was manchmal passiert, ist, dass einer von beiden die Rolle des Reiseführers übernimmt, während die andere Person „gehorcht und sich nicht einmischt“. Das könnte daran liegen, dass einer der Partner Schwierigkeiten hat, seine Ideen einzubringen. Also übernimmt der andere die gesamte Planung. Daraus entstehen Konflikte, wenn derjenige, der „vorschlägt und leitet“, es müde wird, der Verantwortliche zu sein. Was dann passiert, ist, dass die ganze Verantwortung für die Nutzung der Urlaubszeit auf denjenigen fällt, der nicht weiß, wie man plant, weil er es nie tun musste.

Beide Partner übertragen der anderen Person die volle Verantwortung für die Nutzung der Urlaubszeit. Aber weil niemand die Kontrolle übernimmt – beide aus ihren jeweils eigenen Gründen -, wird ihr Urlaub zu einer Zeit der Verbitterung. Dann kommt der Moment, in dem sie sich angreifen, weil sie nicht an den einen oder anderen Ort gefahren sind, weil der andere es nicht erwähnt oder vorgeschlagen hatte. Oder vielleicht hatte es einer sogar angesprochen, aber keiner hat etwas unternommen, um es tatsächlich zu tun.

Problem Nr. 3: „Plötzlich bemerke ich all die schlechten Seiten an ihm“

Es ist normal für dich, Einstellungen und Verhaltensweisen in deinem Partner zu sehen, die du nicht magst. Es ist auch normal, bestimmte Erwartungen zu haben, wie dein Partner sein sollte. Und je mehr Zeit du mit jemandem verbringst, desto häufiger ärgern dich all die „Fehler“, die du in ihm siehst. Wenn du also mehr Zeit mit deinem Partner verbringst, bekommst du das Gefühl, dass alles, was dich ärgert, noch ärgerlicher wird. Und so lässt es dich, anstatt Toleranz und Akzeptanz zu fördern, anfälliger werden.

Zum Beispiel kann es dich ärgern, dass dein Partner morgens lange braucht, um aufzustehen. Wenn das im Urlaub passiert, wirst du eine stärkere Abneigung dagegen verspüren. Das liegt daran, dass diese Gewohnheit bedeutet, dass ihr morgens nichts unternehmt, zu spät an Orte kommt, die ihr sehen möchtet, oder dass ihr das Gefühl habt, der Partner würde bremsen und ihr könntet euren Urlaub deshalb nicht voll ausnutzen.

Hier entsteht der eigentliche Konflikt: wenn du den Eigenarten des Partners mehr Gewicht gibst, als denjenigen, die du magst. Wir alle werden anspruchsvoller, wenn wir im Urlaub sind, weil er etwas ist, auf das wir das ganze Jahr warten, etwas, in das wir Zeit und Geld investieren. Deshalb zeigen wir hier viel weniger Toleranz gegenüber Frustration. Wir wollen, dass alles perfekt läuft.

Ist eine Krise unvermeidbar, wenn du mit deinem Partner in den Urlaub fährst?

Auf keinen Fall. Es stimmt, dass der Sommer viele Paare auf eine Probe stellt. Aber die Beziehung muss noch gesund und stabil sein. So könnte ein Paar streiten, während es im Urlaub ist, weil es mehr Zeit zusammen verbringt, aber das muss nicht bedeuten, dass es eine Beziehungskrise durchläuft.

Paar Rücken an Rücken mit verschränkten Armen

Der beste Weg, eine Krise im Sommer zu vermeiden, ist, an dir selbst zu arbeiten. Also werden wir dir jetzt ein paar praktische Ideen geben, um deine Beziehung zu verbessern und sie reifen zu lassen.

3 Ideen, um Konflikte mit dem Partner diesen Sommer zu vermeiden

1. Bemühe dich, auf das zu achten, was du an deinem Partner magst, und lass es ihn wissen.

Es ist sehr wichtig für dich, dass du deine fünf Sinne schärfst, um das aufzunehmen, was dir am meisten an deinem Partner gefällt. Als Menschen haben wir eine Tendenz, das Negativen aufzunehmen und ihm mehr Gewicht zu geben als dem Positiven. Und du musst aktiv gegen diese Tendenz kämpfen, um die Bindung zwischen dir und deinem Partner zu nähren.

„Folge deinem Herzen, aber nimm dein Gehirn mit.“

Alfred Adler

Es ist extrem wichtig, deinen Partner über das zu informieren, das du so sehr an ihm magst. Es ist ja auch sehr angenehm für dich, wenn er dir sagt, was er an dir mag. Wenn er dir sagt, dass du gut aussiehst, gibt dir das einen riesigen Schub an positiver Energie, der deine besten Seiten noch mehr zum Glänzen bringt.

2. Praktiziere gute Kommunikation durch aktives Zuhören, Einfühlungsvermögen und Blickkontakt.

Kommunikation ist der Schlüsselfaktor, wenn es darum geht, Meinungsverschiedenheiten mit dem Partner zu bewältigen. Und sie ist ein Weg für dich, starke und authentische Beziehungen aufzubauen. Damit deine Kommunikation effektiv ist, musst du aktiv zuhören, einfühlsam sein und Augenkontakt halten. Sorge dafür, dass die andere Person weiß, dass du alle deine Sinne auf sie gerichtet hast.

Paar schaut sich in die Augen

3. Plant eure Ferien und findet eine Zeit, in der jeder von euch für eine Weile „frei“ sein kann.

Im Urlaub zu sein muss nicht bedeuten, die ganze Zeit zusammen zu sein. Es ist sehr gesund und positiv für ein Paar, einige Momente zu haben, in denen jeder seine eigene Luft einatmen kann, ohne sich um den anderen zu sorgen. Zu wissen, wie du allein sein kannst, ist das beste Rezept für Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, das du in deine Beziehung projizieren kannst. Gönne dir Momente der Intimität und Einsamkeit. Das wird dir helfen, dich mit deinen Emotionen und persönlichen Bedürfnissen zu verbinden.

Zu guter Letzt solltest du bedenken, dass eine Beziehung ein Teil deines Lebens ist, den du stets pflegen und kultivieren musst. Der Sommer wird deine Beziehung auf die Probe stellen. Aber wenn du eine solide Beziehung führst und es mehr Positives als Negatives gibt, muss ein Streit nicht bedeuten, dass die Beziehung schlecht läuft, oder zu einer Trennung führen.