Es gibt bestimmte Zeitpunkte im Leben, um Fragen zu stellen und um Antworten zu finden

18, März 2017 en Psychologie 156 Geteilt

Je mehr Zeit wir in diesem ungewissen und manchmal ungestümen, aber immer wundervollen Meer verbringen, das sich Leben nennt, desto bewusster wird uns, dass es bestimmte Zeitpunkte gibt, um Fragen zu stellen, und wiederum andere, um Antworten zu finden. Wahrscheinlich stimmt es tatsächlich, dass alles seine Zeit hat und alles zu einem bestimmten Moment passiert.

Im Buddhismus sagt man, dass wir Menschen manchmal das suchen würden, wofür wir noch nicht bereit wären, es zu finden. Dennoch liegt es in unseren Genen, neugierig zu sein, es gehört einfach zu uns, uns Fragen zu stellen, alles auszureizen und allem und jeder Tatsache, vor der wir zu einem gewissen Moment stehen oder die uns beunruhigt, einen Sinn zu geben.

„Wenn wir glauben, dass wir alle Antworten hätten, verändern sich auf einmal die Fragen.“

Mario Benedetti

Die Fragen, die sich ein Erwachsener in Bezug auf die Mysterien seiner Existenz stelle, seien nicht dieselben, die sich jemand stelle, der in seinen Vierzigern sei und sich in der kreativsten Phase seines Lebens befinde, so die Meinung von Michael F. Steger, Psychologe und Leiter des Labors für die „Studie über Lebensqualität“. Zweifellos bringt jede Lebensphase ihre eigenen Fragen mit sich, aber es sind genau diese Zweifel hinsichtlich des Lebens, die unserem inneren Motor Antrieb geben, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln.

Einen anderen Aspekt, über den wir ebenfalls nachdenken sollten, ist die Frage, wie wir Antworten auf all diese Zweifel bezüglich unserer Existenz finden, die jeder Mensch ab und an hat. Fragen, wie: Ist das alles, was das Leben für mich bereithält oder wartet noch etwas anderes auf mich? Bin ich dazu bereit, etwas Besseres zu machen oder sollte ich mich mit dem zufrieden geben, was ich habe? Ist das die Art von Liebe, die verdiene? Wieso habe ich noch nicht den perfekten Partner gefunden?

Fragen wie diese sind auf jeden Fall die häufigsten, die wir uns stellen, und die unseren Verstand am meisten belagern, die in jedem Herzen zu finden sind, das sich nach dem lieblichen Duft von etwas Authentischerem, etwas Wichtigerem sehnt.

Wir möchten dich dazu einladen, mit uns darüber nachzudenken.

Wir finden auf jede Frage eine Antwort, sobald Ruhe einkehrt

Der spanische Wissenschaftler und Schriftsteller Gregorio Marañón sagte einmal, dass wir alle eines Tages an einer Krankheit leiden, aber die Hektik uns umbringen werde. Wir leben in einer schnelllebigen Gesellschaft und diese wird so sehr von Hektik bestimmt, dass wir sogar Eltern finden, die sich wünschen, dass ihre Kinder bestimmte Phasen ihres Lebens überspringen würden, um sobald wie möglich Fähigkeiten wie Rechtschreibung und Schnittpunktberechnung zu beherrschen.

„Wir haben es so eilig, etwas zu tun, zu schreiben und unserer Stimme in der unendlichen Stille nicht länger zuzuhören, dass wir das einzig wirklich Wichtige vergessen: zu leben.“

Robert Louis Stevenson

Daneben stoßen wir in unserem Alltag mittlerweile auch auf das manisch-hektische Verhalten: Wir sind in Gedanken so sehr bei der Zukunft, dass wir die Gegenwart nicht leben, sondern wir leben im Morgen, der noch nicht einmal begonnen hat, weil uns unser Hier zu sehr vereinnahmt. Hektik ist bereits zu einem Lebensstil und sogar schon zu einem Statussymbol geworden. Wenn wir innehalten, dann nur, weil wir keine Ideen haben, nicht produktiv oder effizient sind. Aber in Wahrheit werden wir durch diese Gegenwarts-verneinende Einstellung nur immer unzufriedener mit unserem Leben und wir stellen uns noch viel mehr Fragen, als dass wir Antworten finden.

Wenn wir unseren Fokus stets nur auf die Zukunft richten, dann verdonnert uns das dazu, Seelen zu sein, die ziellos, ohne die Gegenwart bewusst und wahrhaft wahrzunehmen, umherirren. Aufgrund dessen, dass wir das Hier und Jetzt gar nicht sehen, werden wir auch niemals Antworten hinsichtlich unserer wichtigsten Bedürfnisse finden. Wir leben somit Jahr für Jahr mit dieser Ungewissheit und werden von Frustgefühlen heimgesucht. Der Verstand – und das dürfen wir nicht vergessen – braucht Ruhe, um sich mit seinen Wurzeln, mit der Umgebung, unseren Gefühlen etc. zu verbinden.

Denn genau dort finden wir die besten Antworten, in diesem Meer voller Gelassenheit, das einen entspannten Verstand auszeichnet; dieser Verstand, der versteht, dass die wahre Begabung manchmal darin liegt, zu wissen, wann man loslassen und abschalten muss. Wenn du etwas dieses Jahr noch nicht erreicht hast, dann setze es dir einfach für das kommende Jahr als Ziel.

Der Sinn des Lebens ist Ansichtssache

Der österreichische Neurologe Viktor Frankl sprach einst davon, wie wichtig es sei, dass wir Menschen ein zielgerichtetes Bewusstsein entwickeln. Das heißt, dass die einfache Tatsache, ein Ziel zu haben und dafür zu kämpfen, an etwas wahrhaft zu glauben, es uns bereits ermöglicht, zu freieren, verantwortungsvolleren und der uns umgebenden Realität bewussteren Wesen zu werden. Sich ein Ziel im Leben zu setzen, bedeutet, einen Sinn im Leben zu finden, und dass ist gleichzeitig mehr wert als irgendeine Antwort.

„Weise ist nicht derjenige, der die besten Antworten hat, sondern derjenige, der die besten Fragen stellt.“

Claude Lévi-Strauss

Dennoch sagen uns Soziologen, dass wir Menschen von dem, was uns umgibt, beeinflusst werden würden. Unsere Familie, Erziehung, die wir genossen haben, und das psycho-soziale Umfeld beeinflussen hin und wieder dieses zielgerichtete Bewusstsein. Das sollten wir im Hinterkopf behalten. Denn zu verstehen, welches das Fenster ist, durch das wir das Leben sehen und verstehen, hilft uns, uns selbst besser kennenzulernen und die besten Antworten auf unsere Fragen zu finden.

Im Folgenden findest du eine Reihe von Ansätzen, die dir dabei helfen können, einige Bereiche deines Lebens zu hinterfragen, um Antworten auf Fragen zu finden, die wir uns alle in gewissen Momenten stellen:

  • Hedonimsus: Leben bedeutet vor allem, zu genießen und unsere Existenz auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren.
  • Materialismus: Das größte Ziel im Leben ist es, so viele Sachen wie möglich zu besitzen.
  • Altruismus: In diesem Fall ist es zweifellos unser größtes Bedürfnis, uns für andere aufzuopfern.
  • Sensationismus: Hierbei geht es darum, sein Leben danach zu leben, so viele Dinge wie möglich zu erleben, ganz gleich worum es sich handelt.
  • Psychologismus: Wir richten unsere persönliche Verwirklichung nach der Bedürfnispyramide von Maslow aus.
  • Theismus: Wir konzentrieren uns auf eine Existenz, der ein religiöser Glaube und Spiritualität zu Grunde liegt, wodurch wir das Leben und unsere eigene Existenz hinsichtlich eines Ziels sehen.
  • Liebe: Im Leben geht es zuallererst darum, zu lieben und geliebt zu werden.
  • Rationalismus: Unser Ziel ist es, die unterschiedlichsten Kenntnisse zu erlangen.
  • Militarismus: Im Leben geht es ums Überleben, manchmal gegen einen oder gegen andere.

Diese Liste soll nur als kleine Orientierung dienen. Es liegt an uns selbst, diesen individuellen und besonderen Sinn im Leben zu finden, der uns ausmacht, uns leitet, um uns selbst die besten Antworten zu liefern, wenn wir mit Hinsicht auf diese Ziele all unsere psychischen Ressourcen und Motivationen mobilisieren.

Und was ist dein Ziel im Leben?

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Joel Robinsone