Erich Fromm über das, was die Menschheit braucht

12 August, 2020
Die Menschheit braucht eine große Portion Demut und Liebe. In einer oberflächlichen Gesellschaft wie unserer ist Egoismus der Feind, den es zu besiegen gilt, um mehr Freude, Harmonie und Respekt zu erlangen. Diese und weitere Forderungen formulierte Erich Fromm in seinen Veröffentlichungen.

Nach Ansicht von Erich Fromm muss sich die Menschheit verändern. Besonders bemerkenswert ist, dass dieser Mann auch Siegmund Freud herausforderte. Er formulierte das Konzept der Freiheit neu und arbeitete unermüdlich daran, den Beweis dafür zu erbringen, was wir in unseren heutigen Gesellschaften sehen können: Die Menschheit verliert ihre Freude.

In seinem Buch Haben oder Sein? entwickelte Erich Fromm viele zeitlose und transformative Ideen. Er erkannte etwas sehr Interessantes. Menschen gehen davon aus, dass die, die nichts haben, nicht existieren. Allerdings sollte die Menschheit eigentlich immer über solchen irdischen Ideen stehen. Der Weg, um dein Leben zu bereichern und dich selber als Mensch zu verwirklichen, besteht darin, menschlich zu werden.

Es ist bereits mehr als 30 Jahre her, seit die Welt Erich Fromm verloren hat. Dennoch leben seine Gedanken, Ideen und sein Vermächtnis bis heute weiter. Die Menschheit braucht eine Veränderung. Die Menschheit muss in der Lage sein, an echter Freiheit zu arbeiten, in der Menschen sich nicht mehr anhand ihrer materiellen Besitztümer vergleichen, sondern damit beginnen, das zu schätzen, was und wer sie sind.

“Die wichtigste Voraussetzung, um Liebe zu finden, besteht darin, den eigenen Narzissmus zu überwinden. Die narzisstische Orientierung ist eine, in der man nur das als real empfindet, was im eigenen Inneren existiert. Die Phänomene der Außenwelt haben keine eigene Realität, sondern werden nur aus der Perspektive betrachtet, ob sie einem selber nützlich oder schädlich sind.”

– Erich Fromm –

Erich Fromm - Narziss am Wasser

Was die Menschheit nach Ansicht von Erich Fromm braucht

Nach Ansicht von Erich Fromm braucht die Menschheit verschiedene Dinge. Um seinen Ansatz und seine Perspektive zu verstehen, solltest du bedenken, dass sich seine Philosophie auf einen beinahe radikalen Humanismus konzentrierte. Was genau bedeutet das? Dieser Psychologe versuchte, den Menschen ihre Freiheit zurückzugeben.

Jeder Mensch hat Schwierigkeiten und Probleme. Die aktuelle industrielle, gesellschaftliche und politische Struktur bringt die Menschen in ihre eigenen Gefängnisse. Daher ist es auch so schwierig, sich aus ihnen zu befreien. Die Menschen verlieren ihre Fähigkeit, selber zu entscheiden und zu denken. Und manche werden auch ihren freien Willen verlieren.

Du kannst deine Freiheit auf vielfältige Weise einschränken. Wenn du beispielsweise Konflikt und Gewalt einer friedlichen Lösung vorziehst. Oder wenn du deine Instinkte über deine Emotionen und deine Vernunft herrschen lässt. Und vor allem, wenn du dir selber die Liebe versagst, die du verdienst.

In seinem Buch Anatomie der menschlichen Destruktivität drückt Fromm seine Sorgen über den momentanen Zustand der Menschheit aus. Er glaubt, dass es notwendig ist, neue mentale Strukturen, neue mögliche Rahmenbedingungen für authentische Reflexion und Veränderung zu schaffen.

Aber warum sollte die Menschheit denn nun in ihr Wohlbefinden und ihre Freiheit investieren?

Erich Fromm - zwei Frauen sprechen über eine andere Frau

Mehr Spontanität

In Die Furcht vor der Freiheit (1944) wies Fromm auf etwas sehr Interessantes und Inspirierendes hin. Ihm zufolge legen die Menschen zu viel Wert auf rationales Denken. Menschen sind jedoch eine perfekte Kombination aus Emotionen und Vernunft, zwischen Gefühlen und Selbstkontrolle.

Daher solltest du auch spontaner sein, wenn du deine wahre Persönlichkeit ausdrücken möchtest. Dadurch kannst du dich dann auch befreien. Lasse deiner wahren Natur und Essenz freien Lauf und befreie dich von den Konventionen der Gesellschaft.

“Kreativität erfordert den Mut, Sicherheiten loszulassen.

– Erich Fromm –

Mehr Solidarität

In seinem Buch Haben oder Sein? teilt Fromm einige Ideen, die seiner Meinung nach der Schlüssel dafür sind, um die Menschheit am Leben zu erhalten. Er hat nicht nur den Zweiten Weltkrieg erlebt, sondern auch den Kalten Krieg und das Wettrüsten, das die Welt in Angst und Schrecken versetzte. Obwohl wir heute in einer anderen Zeit leben, bleibt die Essenz dennoch dieselbe. Seine Vorschläge in Haben oder Sein? sind heute noch gleichermaßen gültig und inspirierend.

  • Mehr gegenseitige Unterstützung. Liebe und respektiere das Leben in all seinen Facetten.
  • Freude besteht auch im Geben und nicht nur im Nehmen. Erfreue dich am Teilen und nicht nur daran, Dinge zu besitzen und zu horten.
  • Sei nicht gierig oder betrügerisch.
Erich Fromm - Frau blickt auf eine Taschenuhr

Erich Fromm sagt: Die Menschheit muss den bösartigen Narzissmus überwinden

Erich Fromm sagt, dass die Menschheit den eigenen Narzissmus überwinden muss. Dies ist ein immer wiederkehrendes Thema in seiner Arbeit. Es ist sogar so wichtig, dass er dafür einen eigenen Fachbegriff geschaffen hat, den du dir merken solltest: malignen (oder bösartigen) Narzissmus. Für Fromm liegt die Wurzel allen Übels in dem permanenten Streben nach Selbstbefriedigung und dem Streicheln des eigenen Egos.

Die Menschen müssen Bescheidenheit, gegenseitigen Respekt und auch sich selber schätzen, aber auf gesündere, liebevollere und harmonischere Art und Weise. Narzissmus ist das schlimmste aller Übel, etwas, das du um jeden Preis vermeiden solltest. Du darfst Ignoranz und Unterwürfigkeit nicht weiter bewahren.

Kurz gesagt, Erich Fromms Werk ist auch heute noch sehr relevant und valide. Wenn du dich mit seinen Arbeiten beschäftigst, ist dies eine wunderbare Gelegenheit, über das Leben nachzudenken und über alle Dinge, an der die Menschheit dringend arbeiten muss.

  • Fromm, Erich (1992) Del tener al ser. Barcelona. Paidos.
  • Fromm, Erich. (2007) El humanismo como utopía real,  la fe en el hombre. Buenos Aires. Paidos.
  • Fromm, Erich. (2002) Anatomía de la destructividad humana. Buenos Aires. Paidos.