Die Fallen des Egos, die unsere Freiheit und unser persönliches Wachstum vereiteln

· 22. Oktober 2018

Die Fallen des Egos verhindern unser Glück. Weil diese Essenz unseres Seins nie zufriedengestellt wird, uns mit ihren Anforderungen, ihren Ängsten und Tricks betäubt, führt sie uns zu einer wahnsinnigen Anhaftung, bis wir in einer ewigen Komfortzone enden, in der nichts passiert. Wir müssen in der Lage sein, das Ego zu desinfizieren, um es zu jener außergewöhnlichen psychischen Dimension zu machen, die unsere Freiheit begünstigt.

Wenn wir über diese Dimension sprechen, verlieren wir uns oft in Definitionen. Sigmund Freud definierte das Ego als die Entität, die täglich mit sozialen Impulsen und Maßstäben verhandeln müsse. Es sei auch diese Struktur, die durch persönliche Arbeit rationalisiert und ausbalanciert werden könne. Wenn wir nun zu orientalischen oder spirituell geprägten Ansätzen wie denen von Eckhart Tolle Aussage übergehen, ändern sich die Dinge ein wenig. Laut Tolle sei das Ego eine Form des ungesunden Selbstbewusstseins, das durch Egoismus erregt werde. Es sei diese innere Kraft, die wir beherrschen müssen, um sie kontrollieren, erziehen und umleiten zu können.

Wie auch immer, sowohl im freudschen als auch im von östlichen Philosophien nuancierten Ansatz gibt es eine gemeinsame Achse, auf die wir uns stützen können. Sie ist es, die zu uns spricht, um uns die Notwendigkeit zu verdeutlichen, sie zu leiten, ihre Impulse zu modifizieren und diese ungesunde Kruste zu entfernen, um sie zu etwas Leuchtenderem, Nützlichem zu machen, das mit unserem persönlichen Wachstum im Einklang steht.

Das Wissen um die Fallen des Egos ist zweifellos die Schwelle, von der aus wir uns vieler unserer Dynamiken bewusst werden können. Schauen wir sie uns genauer an.

„Dein Ego kann zu einem Hindernis für deine Arbeit werden. Wenn du damit anfängst, an deine Größe zu glauben, ist es der Tod deiner Kreativität.“

Marina Abramovic

Frau, von der Fäden mit Schmetterlingen ausgehen

Die Fallen des Egos

Der Schlüssel zum Wohlergehen, der, der die Selbstverwirklichung und ein authentisches Glücksgefühl begünstigt, liegt im Gleichgewicht. Aus diesem Grund gibt es diejenigen, die zu sagen wagen, dass es nichts Besseres gebe, als dem Ego eine „Diät“ zu verordnen.

Wir sollten mit ihm machen, was wir mit unserem Körper machen. Oftmals verfallen wir selbst in jene ungesunde Ernährung, in der gesättigte Fette und Zucker dominieren. Wir sind dann weit davon entfernt, gesättigt zu sein, und erleben noch mehr Verlangen und Hunger. So ist es auch mit dem Ego. Das Verlangen nach Lob, Anerkennung, Zustimmung oder Macht bereichert ein falsches, immer hungrig erscheinendes Selbstwertgefühl.

Wir müssen Muskeln aufbauen, unseren psychologischen Wert durch Bescheidenheit, Entschlossenheit und psychologische Flexibilität trainieren. Daher ist es unerlässlich, diese in vielen von uns so häufig wiederkehrenden Fallen des Egos zu identifizieren.

1. Ich will immer recht haben

Es gibt solche Leute. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Beweise so stark und solide sind wie ein zehngeschossiges Gebäude. Es gibt diejenigen, die unter irgendwelchen Umständen, Augenblicken oder Zuständen immer die Wahrheit auf ihrer Seite zu wissen glauben. Um dieses prekäre Gleichgewicht zu halten, zögern sie nicht, die verschiedensten (und schädlichsten) Tricks anzuwenden.

Das Ego ist unter diesen Umständen sehr schwer und hilft niemandem. Es ist eine Bärenfalle, die es zu erkennen und abzubauen gilt.

2. Warum handeln andere nicht so, wie ich es mir wünsche und erhoffe?

In gewisser Weise empfinden wir alle das gleiche Gefühl. Die Verzweiflung, wenn wir sehen, dass Menschen, die uns wichtig sind, nicht so handeln oder sich nicht so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten. Unser Verlangen danach, dass sie stets so handeln, wie wir es uns wünschen, ist nicht nur eine weitere der Fallen des Egos, sondern auch eine Quelle des Leidens.

Ideal ist es da nicht, uns selbst zu konditionieren, uns auf das Sein zu beschränken und sein zu lassen. Denn die Akzeptanz dessen, dass andere nach ihren Prinzipien und Wünschen handeln, ist ein Akt des Respekts und auch des persönlichen Wachstums.

Junge trägt Vogelhaus auf dem Rücken

3. Das ständige Gefühl von Mangel

Wenn ich ein größeres Haus hätte, wäre ich glücklich. Könnte ich noch ein wenig mehr sparen, könnte ich das Handy kaufen, das gerade auf den Markt gekommen ist. Wenn ich einen liebevollen Partner hätte, dann wäre mein Leben perfekt …  Bei genauerem Hinsehen durchsetzt das Gefühl von Mangel weiten Teile unserer Gesellschaft.

Wir haben nie das Gefühl, dass wir vollkommen und zufrieden seien. Uns mangelt es immer an etwas, wir sehnen uns immer nach jenem Detail, das uns, wenn wir es erlangen, unermessliches Glück bieten würde. Wenn wir dieses Ziel jedoch erreichen, verliert die Zufriedenheit bald an Intensität und wir setzen unsere Hoffnungen auf etwas Anderes, auf eine andere Dimension, auf eine andere Person.

4. Das Bedürfnis nach Zustimmung

Wir alle müssen uns akzeptiert fühlen. Schließlich bewegen wir uns in einem sozialen Umfeld, in dem das Zusammenleben immer reibungsloser und aussagekräftiger wird, wenn es auf Akzeptanz beruht. Wie wir eingangs bereits erwähnt haben, liegt der Schlüssel dafür im Gleichgewicht. Das Gefühl, akzeptiert zu werden, ist gut, die Obsessivität, immer die Zustimmung anderer zu erhalten, ist ungesund und legt unserer Freiheit und persönlichen Erfüllung Ketten an.

Manchmal müssen das Ego und sein Bedürfnis nach Anerkennung auf eine Kur gehen, müssen flexibel genug werden, um Entscheidungen ohne Erlaubnis von irgendjemandem treffen zu können.

„Die Egozentrik ist die Quelle allen Elends.“

Thomas Carlyle

5. Ich fühle mich anderen gegenüber minderwertig (oder überlegen)

Die Fallen des Egos entstehen nicht nur durch Missbrauch. Durch die Egomanie derjenigen, die mehr glauben, die mehr brauchen oder mehr wollen als alle anderen. Diese Fallstricke unseres persönlichen Wachstums werden ebenfalls aus  Gefühlen des Mangels geformt.

Sich weniger wert als andere zu fühlen, alle Anstrengung als eitel wahrzunehmen, wenn der Rest uns in fast allem übertrifft, führt zu Leid. Denn magersüchtige Egos machen auch den Verstand krank, schränken uns ein und verwandeln uns in verschwommene Schatten.

Es ist also nie zu viel, uns daran zu erinnern, dass die persönliche Integrität auch dieses Ego voraussetzt, das in der Lage ist, uns selbst zu schützen, ohne jedoch in Exzesse zu verfallen. Von einem zentrierten, starken Selbstwertgefühl, das weiß, wie es sich selbst zu validieren und gleichzeitig den Respekt vor anderen zu üben vermag, können wir in alle Richtungen aufbrechen.

Frau schaut in einen zerbrochenen Spiegel als Symbol für die Fallen des Egos

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Fallen des Egos jene Schwachstellen sind, in denen wir oft große Teile unserer Würde und unseres Selbstwertgefühls zurücklassen. Es ist dieser kleine Mann, der in uns wohnt und uns gern mit falschen Bedürfnissen vergiftet, mit dem ständigen Gerücht, dass ich das will, dass mir das fehlt, dass ich das nicht ertrage, dass ich das hasse …

Lasst uns lernen, diese lästige Stimme leise zu halten. Lasst es uns schaffen, ihre Tricks von Tag zu Tag ein wenig besser zu identifizieren, um ihre Dynamik neu einstellen und sie zu unseren Gunsten einsetzen zu können. Das Ego sollte nie ein Hindernis sein. Es sollte dieser bescheidene, weise und zentrierte Verbündete sein, der uns hilft, jeden Tag ein wenig mehr zu wachsen.