Das Paradoxon des Glücks: Was ist es und wie funktioniert es?

· 7. August 2018

„Glück“ ist eines der meistverwendeten Wörter der Welt. In der heutigen Kultur stellt Glück für viele Menschen das ultimative Ziel dar. Aber das war nicht immer so. In früheren Zeiten hatte Sinn des Lebens eher mit Tugend, Nachkommen oder Besitz zu tun. In der Neuzeit nimmt das Paradoxon des Glücks jedoch eine zentrale Rolle ein.

Das Paradoxon des Glücks ist, dass der Mensch glücklich sein will. Wenn er jedoch gefragt wird, was Glück ist, kann er es nur selten definieren. Auch wenn du in dich gehst und dich fragst, warum du glücklich sein willst, fällt es dir vielleicht schwer, eine Antwort zu geben. Man könnte denken, dass die Antwort offensichtlich wäre, aber dem ist offensichtlich nicht so.

„Die großen Dinge des Lebens sind zu tun, zu lieben und zu hoffen.“

Thomas Chalmers

Wenn du einen weiteren Schritt gehen willst, könntest du eine zusätzliche Frage stellen: Wie wird Glück erreicht? Es gibt viele Antworten auf diese Frage, basierend auf den Überzeugungen einer jeden Person. Vielleicht sind berufliche Erfolge und eine glückliche Ehe die häufigsten Antworten. Es ist jedoch schwierig – wenn nicht gar unmöglich -, zu definieren, wie diese zum Glück beitragen oder was derjenige erwartet, der sein Glück findet.

Kurz gesagt, der moderne Mensch sucht das Glück der heutigen Zeit, aber die meisten wissen nicht, was es ist oder warum sie es wollen. Außerdem haben sie kaum eine Ahnung davon, welchen Weg sie gehen müssen, um ihr Glück zu erreichen. Das ist das große Paradoxon des Glücks.

Smiley in einer Schüssel

Das Paradoxon des Glücks und Unzufriedenheit

Dr. Iris B. Mauss, Professorin an der University of Denver (Colorado, USA), hat verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden, wie menschliches Glück funktioniert. Die Ergebnisse ihrer Studien sind beunruhigend, bringen uns dem Paradoxon des Glücks aber näher.

In einer Studie wurde eine Analyse von drei Aspekten durchgeführt:

  • Der Grad der Wichtigkeit, den jeder Mensch dem Glück beigemessen hat.
  • Die äußeren Bedingungen, unter denen die Teilnehmer lebten, ihre soziale und berufliche Stellung, Befriedigung der Grundbedürfnisse, etc.
  • Das Verhältnis zwischen guten äußeren Bedingungen und dem Glücksgefühl

Das Ergebnis war, dass Menschen, die dem Glück einen enormen Wert gaben, sich unzufriedener fühlten, selbst wenn sie hervorragende äußere Bedingungen in ihrem Leben hatten. Auf der anderen Seite fühlten sich diejenigen, die neutraler waren oder dem Streben nach Glück nicht so viel Bedeutung beimaßen, zufriedener. Dies traf zu, auch wenn sich ihre Lebensumstände schwieriger gestalteten. Diese Schlussfolgerungen zeigen die Essenz des Paradoxon des Glücks.

Frau blickt einen Hang hinab auf einen See

Glück und Einsamkeit

Die Forscher führten ein weiteres Experiment durch. In diesem Fall wurde nicht die Zufriedenheit gemessen, sondern die Einsamkeit derjenigen, die dem Glück große Bedeutung beimaßen und derjenigen, die es nicht taten.

Die Ergebnisse bestätigten die der ersten Studie. Menschen, die das Glück intensiv verfolgten, fühlten sich einsamer, während diejenigen, die ihm nicht so viel Bedeutung beimaßen, dieses Gefühl nicht erlebten. Das heißt, sie fühlten sich nicht besonders einsam.

Die erste Schlussfolgerung in dieser Hinsicht ist, dass diejenigen, die eifrig nach Glück suchen, sich zu sehr auf diese Suche konzentrieren. Die Suche nach Erfolg und Erfüllung stört allerdings ihre Bindung zu anderen. Das stärkt das Gefühl der Einsamkeit. Auch hier wird das Paradoxon des Glücks offensichtlich.

Frau im Sonnenuntergang

Die Koordinaten des Glücks

Aus diesen Studien können wir interessante Schlussfolgerungen ziehen. Die erste und vielleicht wichtigste ist, dass Errungenschaften keine Quelle des Glücks sind. Das ist der Grund, warum viele Menschen nur eine kurze Zeit Befriedigung empfinden, nachdem sie etwas erreicht haben, was sie sich so sehr gewünscht hatten, und dann vielleicht ein Unwohlsein verspüren, das sie dazu bringt, sich ein neues Ziel zu setzen und einen endlosen Kreislauf zu schaffen.

Glück ist also ein Prozess, der in uns abläuft. Es ist eine Realität, die nur teilweise mit Leistungen und Erfolgen zu tun hat. Vielleicht suchen wir unermüdlich nach Glück, in dem geheimen Wunsch, die „ewige“ Unzufriedenheit, die uns innewohnt, zu beenden. Wir erkennen nicht, dass das Paradies, das wir suchen, in uns ist.

Andererseits lassen diese Studien den Schluss zu, dass die Idealisierung des Begriffes „Glück“ nur zu Frustration führt. Wer akzeptiert, dass Glück nur ein Teil des Lebens ist, schafft es, sich zufriedener zu fühlen, und erkennt, dass ein dauerhafter Glückszustand nicht das Ziel sein sollte, denn genau diese Forderung macht ihn unmöglich. Das hilft uns, die Realität so zu akzeptieren, wie sie ist, und uns deshalb mehr Zufriedenheit zu erreichen.

Was wir Glück nennen, dieses Gefühl von Freude und Erfüllung, ist etwas, das nur gelegentlich auftritt. Auf jeden Fall wird die Entscheidung, die beste Version unserer selbst zu sein, das Glück zu uns kommen lassen.