Entthronungstrauma: Wenn das Erstgeborene nach der Geburt eines Geschwisters leidet

Manche Kinder leiden sehr, wenn sie plötzlich nach der Geburt eines Geschwisterchens nicht mehr im Mittelpunkt stehen.
Entthronungstrauma: Wenn das Erstgeborene nach der Geburt eines Geschwisters leidet

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2022

Der Begriff Entthronungstrauma bringt zum Ausdruck, dass das erstgeborene Kind nach der Geburt eines Geschwisters leidet. Zwar haben immer mehr Familien nur noch Einzelkinder, doch wenn zwei oder mehr Kinder vorhanden sind, ist das Entthronungstrauma immer wieder zu beobachten.

Das älteste Kind ist eine Zeit lang allein und steht im Mittelpunkt, es fühlt sich deplatziert, wenn es eine Schwester oder einen Bruder bekommt. Das zweite Kind ist hingegen von Anfang an daran gewöhnt ein Geschwister zu haben und weiß nicht, was es bedeutet, allein das Herz von Mutter und Vater zu belegen.

“Das Kind ist ein aufmerksamer Zeuge für die Moral der Erwachsenen oder das Fehlen einer solchen.”

Robert Coles

Kind mit Entthronungstrauma
Wenn ein kleines Geschwister kommt, wird er von dem älteren Geschwisterkind als Eindringling angesehen.

Entthronungstrauma: Wenn der kleine “Eindringling” im Mittelpunkt steht

Das Entthronungstrauma führt zu prototypischen Verhaltensweisen und Reaktionen des älteren Kindes. Es betrachtet sein Geschwisterchen als Eindringling. In den meisten Fällen dauert es jedoch nicht lange, bis es sich daran gewöhnt, nicht mehr allein zu sein. Manche Kinder akzeptieren diese Situation jedoch nicht und leiden so sehr daran, dass es sogar zu gesundheitlichen Problemen kommen kann.

Charakteristisch für das Entthronungssyndrom ist, dass das Erstgeborene ständig versucht, die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich zu ziehen. Es äußert durch sein Verhalten auch den Wunsch, den “Eindringling” anzugreifen oder loszuwerden, obwohl es offensichtlich versucht, sich um das Geschwisterchen zu kümmern. Wenn Eltern nicht wissen, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen, können sie dem betroffenen Kind großen Schaden zufügen.

Die Symptome

Kleine Kinder sind sich nicht über ihr Verhalten bewusst, sie vermissen jedoch die Aufmerksamkeit, die sie jetzt mit dem Geschwisterchen teilen müssen. Dies kann sich wie folgt äußern:

  • Erhöhte Aggressivität
  • Extreme Passivität
  • Schlechte schulische Leistungen
  • Introvertiertheit
  • Unaufmerksamkeit
  • Wenig Beteiligung am Spiel
  • Veränderungen des Appetits
  • Schlafstörungen
  • Häufige Wutausbrüche
  • Daumenlutschen oder Verhalten wie kleine Babys

Auch körperliche Symptome oder sogar gesundheitliche Probleme sind möglich. Manchmal treten Verdauungsprobleme, Infektionen oder Kopfschmerzen auf. Das Kind kann auch Allergien wie Dermatitis oder Asthma entwickeln. In manchen Fällen können Fieber oder sogar Krampfanfälle entstehen.

Mädchen mit Entthronungstrauma
Das Entthronungstrauma kann Kinder sowohl körperlich als auch psychisch beeinträchtigen.

Was tun?

Das Entthronungstrauma kann bis ins Erwachsenenalter Folgen haben, wenn die Eltern nicht richtig damit umgehen. Erwachsene können noch immer das Gefühl der Verlassenheit spüren und glauben, dass sie keinen Platz in der Welt haben. Es gibt auch eine Tendenz zur Eifersucht und einen scheinbar unerklärlichen Zustand der Trauer.

Am besten ist es, das Erstgeborene bereits vor der Geburt des Geschwisterchens vorzubereiten. Es muss lernen, die Aufmerksamkeit der Eltern zu teilen. Die Eltern beziehen das Kind am besten bei den Vorbereitungen auf das neue Baby mit ein, beim Kauf der Kleidung und anderer Dinge, die das neue Baby benötigt. Es muss verstehen, dass die Mutter ins Krankenhaus geht und sie dann mit einem neuen Geschwisterchen nach Hause kommen wird.

Außerdem muss das Kind fühlen, dass es weiterhin einen wichtigen Platz im Leben seiner Eltern einnimmt. Die Ankunft des Bruders oder der Schwester soll ein freudiges Familienereignis sein und keine drastische Veränderung für das Erstgeborene bedeuten. Wenn Schwierigkeiten auftreten, mit denen die Eltern schwer umgehen können, ist psychologische Hilfe empfehlenswert.

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  • Cañizares, A. R., Robles, R. D., & Garnés, M. C. G. (2015). Los celos ante la llegada de un nuevo hermano. Riesgos. In Congreso Internacional Infancia en Contextos de Riesgo (pp. 2286-2289).