Entspannen ohne schlechtes Gewissen

Nimm dir Zeit, um dich zu entspannen und auszuruhen. Du musst nicht immer produktiv sein und solltest keine Schuldgefühle haben.
Entspannen ohne schlechtes Gewissen
Sophie Aurélie Elpel

Geprüft und freigegeben von Sophie Aurélie Elpel.

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 28. Juli 2022

Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie eine Pause einlegen oder sich Zeit zum Entspannen nehmen. Vielleicht kennst du dieses Gefühl ja auch: Es liegt viel Arbeit auf dem Tisch und da bleibt kaum Raum für Ruhe. Deshalb erlaubst du dir auch keine Erholung, sonst wären Schuldgefühle die Folge, genauso wie der Gedanke, die eigene Zeit zu verschwenden. Doch Entspannung ist notwendig – und geht auch ohne Druck.

Warum du ein schlechtes Gewissen hast

Schuld ist eine sozial konstruierte Emotion, sie hängt von der Kultur und den verinnerlichten Werten ab. Das bedeutet, dass deine Schuldgefühle und dein schlechtes Gewissen zu einem großen Teil von deinem sozialen Umfeld geprägt werden. Wenn dein Verhalten der Norm widerspricht, fühlst du dich schuldig. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn es sich um eine Regel handelt, die deinem Glaubenssystem entspricht.

Religion, Gesetze oder Traditionen können diese Normen festlegen. Wenn du also ein schlechtes Gewissen hast, sobald du dir mal freinimmst, liegt es wahrscheinlich daran, dass du unbewusst von unserer hektischen und schnelllebigen Gesellschaft zu mehr Leistung in kürzerer Zeit gedrängt wirst.

Frau hat schlechtes Gewissen
Unsere moderne Gesellschaft erwartet Produktivität und Erfolg von uns, deshalb fühlen sich viele schuldig, wenn sie einfach mal nichts tun.

Das Problem der Produktivität

In unserer Kultur werden Begriffe wie Wettbewerb, Produktivität und Erfolg hervorgehoben und aus einer finanziellen Perspektive heraus definiert. Es geht darum, die Leistungsfähigkeit in Gewinn umzuwandeln, denn der Erfolg misst sich am Einkommen. Freizeit, Muße und Ruhe werden hingegen negativ bewertet. Die Gesellschaft lässt uns glauben, dass wir die freie Zeit, die uns verbleibt, mit produktiven Tätigkeiten füllen müssen. Und wenn du das nicht tust, hast du ein schlechtes Gewissen, weil du glaubst, dass dir Chancen entgehen, die andere wiederum nutzen.

Geht es nicht um Profit , dann um persönliches Wachstum

Diesen Effekt gibt es nicht nur bei der Arbeit. Vielleicht ist nicht finanzieller Erfolg dein Ziel, dafür aber persönliches Wachstum. Auch dafür musst du Energie in Aktivitäten investieren, die dir eben jene Selbstentwicklung ermöglichen. Damit kannst du dich durchaus ebenfalls unter Druck setzen. Denn sobald du glaubst, deine Freizeit mit Werten füllen zu müssen, werden gesunde Aktivitäten, wie beispielswesie Sport, mit sichtbaren Ergebnissen verknüpft – und damit auch mit Leistung. Die sportlichen Aktivitäten haben dann einen athletischen Körper zum Ziel, es geht nicht einfach nur um Spaß, weil dies reiner Zeitverlust wäre.

Auch beim Lesen kann es kompetetiv werden: Regelmäßiges Lesen wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Psyche aus, doch oft dienen Bücher nicht nur einem unterhaltsamen Zeitvertreib, sie müssen auch die Anforderung erfüllen, lehrreich und produktiv zu sein. Selbsthilfebücher, die eine Botschaft vermitteln, werden als besonders hilfreich und nützlich betrachtet. Lesen, weil es Spaß macht, entspannend oder aufregend ist, interpretieren viele dagegen als Zeitverschwendung, auch wenn das keinesfalls der Wahrheit entspricht.

Wir wollen alles messen und konzentrieren uns auf Ergebnisse

In unserer modernen Gesellschaft sind Ergebnisse grundlegend, weil sie bewertet werden können. Wir investieren in unsere Freizeit, um anderen etwas beweisen zu können: Sport für eine bessere Figur, Yoga für mehr Beweglichkeit oder herausfordernde Aktivitäten, um Selfies in sozialen Netzwerken zu teilen. Die Liste ist lang und vielfältig und all diese Dinge sind grundsätzlich auch absolut in Ordnung. Ein Problem entsteht dann, wenn du produktiv bist, nur um gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen – und dabei den Spaß verlierst.

Was viele vergessen: Nichtstun ist auch okay. Ruhe ist vor allem auch sehr produktiv. Sie bringt dir Wohlbefinden, hilft deinem Körper, richtig zu funktionieren und verbessert deine Stimmung. Natürlich kannst du wähhrendessen keine Fotos für soziale Medien machen und auch nicht damit prahlen. Dafür aber glücklich sein. Vor allem, da Entspannung ohne schlechtes Gewissen genauso wichtig für Körper und Geist ist wie die produktive Weiterentwicklung des Selbst.

Frau entspannt sich ohne schlechtes Gewissen
Entspannung verbessert die körperliche und geistige Gesundheit.

Lerne Entspannung ohne schlechtes Gewissen

Denk zukünftig daran, dass Schuldgefühle entstehen, wenn du das Gefühl hast, eine Regel zu brechen. Dabei ist es völlig in Ordnung, auch mal nichts zu tun und nicht immer produktiv dabei zu sein. Deshalb: Lerne unbedingt, dich auch ohne schlechtes Gewissen zu entspannen.

Erkenne, dass es gut und notwendig ist, Zeit in dich selbst zu investieren, und dass du nicht ständig die Erwartungen anderer erfüllen musst – und auch nicht kannst. Deine Pflicht ist es, dein Wohlbefinden zu fördern und dazu gehört auch das süße Nichtstun.

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