Liebe ohne Idealisierung: 5 Schlüssel zum Erfolg

Wenn du nicht lieben kannst, ohne zu idealisieren, wirst du am Ende wahrscheinlich dich selbst und andere verletzen. Finde heraus, warum es dazu kommt und was du in dieser Situation tun kannst.
Liebe ohne Idealisierung: 5 Schlüssel zum Erfolg

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 25. April 2022

Liebe ohne Idealisierung scheint einfach zu sein, doch manche Menschen schaffen das nicht. Vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein, haben sie ein unrealistisches und übertriebenes Bild von den Menschen, mit denen sie ihr Leben teilen. Es geht nicht so sehr um die Person selbst oder darum, ob sie wirklich außergewöhnliche Qualitäten besitzt, sondern um die Art der gegenseitigen Bindung.

Das Verliebtsein fördert besonders in der Anfangsphase die Idealisierung. Die Flut von Neurotransmittern, die das Gehirn überschwemmen, bewirkt, dass die verliebte Person die die Fehler und Mängel der geliebten Person ignoriert, um, ihre Tugenden und ihre Gesellschaft intensiv zu genießen.

In jeder gesunden Beziehung kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem der Schleier fällt und die Realität zum Vorschein kommt. Andernfalls kommt es oft zu Leid. Die ständige Idealisierung kann der Person selbst und auch ihrem Partner oder ihrer Partnerin schaden.

Liebe ohne Idealisierung

Die Idealisierung ist kein natürlicher und der Liebe innewohnender Prozess, es sind zwei sehr unterschiedliche Gefühle, aber wir neigen aufgrund kultureller Muster und innerer Prozesse dazu, sie zusammen zu erleben. Die Mythen der romantischen Liebe verleiten uns zu der Annahme, dass Beziehungen auf unkontrollierter Intensität, emotionaler Abhängigkeit und Aufopferung beruhen. Außerdem können bestimmte Eigenschaften diese Tendenz zusätzlich stärken.

Zum Beispiel ist die Idealisierung sehr verbreitet bei Menschen, die eine starre, dichotome Denkweise haben, die “alles oder nichts” sehen: Es gibt nur Menschen, die sie lieben oder hassen, jedoch keine Schattierungen. So muss jede Situation in eines der beiden Extreme gedeutet werden und kann in einer Beziehung zu schädlicher Ambivalenz oder zu einer unrealistischen Idealisierung führen.

Wer hingegen unter einem geringen Selbstwertgefühl leidet, entwickelt eher dieses übersteigerte Bild von seinem Partner. Diese Personen wählen oft Partner mit völlig entgegengesetzten Eigenschaften, die das widerspiegeln, was sie bewundern, jedoch an sich selbst vermissen. So lassen sie sich von diesen Eigenschaften “blenden” und übersehen alle menschlichen Schwächen des anderen.

Außerdem verlieben sich diesen Menschen in der Regel in Narzissten oder Personen mit einem übertriebenen Selbstbild, die ihre Fehler selten zugeben. Diese Haltung fördert die Idealisierung.

Idealisierung in der Beziehung

Liebe ohne Idealisierung ist möglich

Wenn du deine Partner oder deine Partnerin idealisierst, kannst du stark darunter leiden, da du inakzeptables Verhalten akzeptierst und tolerierst, dich selbst im Namen der Liebe aufopferst und dich weigerst, die Realität zu sehen, an der du vielleicht arbeiten solltest.

Darüber hinaus kannst du auch der geliebten Person schaden, da du dir nicht erlaubst, sie so zu sehen (und sie deshalb zu lieben), wie sie ist. Was kannst du tun, um ohne Idealisierung lieben zu lernen?

1. Erkenne das Muster und triff eine Entscheidung

Der erste Schritt besteht darin, dir bewusst zu machen, dass du deinen Partner möglicherweise idealisierst. Das ist nicht leicht zu erkennen, denn du glaubst, dass es in der Liebe genau darum geht. Wenn du es schaffst, dieses Muster bei dir selbst zu erkennen, musst du es verändern.

Es ist nicht einfach und es kann am Anfang weh tun, das unrealistische und perfekte Bild, das du von der geliebten Person hast, zu verlieren und die Augen für ihre Fehler zu öffnen. Diese neue Art der Liebe und Bindung mag sich zunächst mangelhaft anfühlen (weil sie weniger intensiv und gebunden ist), aber sie ist viel gesünder. Beginne also mit der Entscheidung, dich zu ändern.

2. Öffne dich, um die Realität zu sehen und zu hören

Um ohne Idealisierung zu lieben, musst du deine Augen und Ohren, aber vor allem deinen Geist öffnen. Du kannst damit beginnen, dir die Meinungen deiner engsten Vertrauten über deinen Partner und deine Beziehung anzuhören. Wenn du offen bist, können sie dir wertvolle Informationen liefern, die du vielleicht nicht sehen wolltest.

Andererseits solltest du damit beginnen, dich an den Fakten zu orientieren: Wie verhält sich die geliebte Person, wie spricht sie mit dir, wie behandelt sie dich?

Es ist wichtig, nicht in die Sehnsucht nach einer Vergangenheit zu verfallen, die es nicht mehr gibt (z. B. der Beginn der Beziehung), und sich nicht an das Potenzial zu klammern, das du in der anderen Person zu sehen glaubst, jedoch in Wahrheit nicht existiert. Du musst die Gegenwart analysieren.

3. Sei flexibel in deinem Denken

Um die Realität akzeptieren zu können, ist es notwendig, flexibel zu denken. Wenn du in der Lage bist, die Fehler oder verbesserungswürdigen Bereiche in der anderen Person zu sehen, bedeutet das nicht, dass du aufhörst, sie zu lieben oder dass die Beziehung zu Ende geht.

Denke daran, dass es nicht um alles oder nichts geht. Ein Fehler macht eine Person nicht weniger liebenswert, niemand ist perfekt. Das Ziel ist, die andere Person so zu sehen und zu akzeptieren, wie sie wirklich ist, und nicht als eine vergrößerte Projektion dessen, was du sehen willst.

4. Arbeite an deinem Selbstwertgefühl

Wie bereits erwähnt, hängt das Selbstwertgefühl eng mit dem Bild zusammen, das du von anderen hast, und mit der Art und Weise, wie du mit ihnen umgehst. Um mit der Idealisierung aufzuhören, musst du damit beginnen, die Qualitäten, Tugenden und Errungenschaften in dir selbst zu sehen. Du musst erkennen, dass sie sich zwar von denen anderer unterscheiden, aber dass sie genauso wertvoll sind.

Genauso kannst du das, was du an deinem Partner idealisierst, als Inspiration nehmen (um daran zu arbeiten) und nicht als ein Wunder, das nicht in deiner Hand liegt. Kein Mensch ist perfekt. Wenn du jemanden auf ein Podest stellst, bringst du dich selbst in eine traurige Position der Unterlegenheit.

Idealisierung in der Liebe

5. Rekonstruiere deinen Diskurs über die Liebe

Schließlich solltest du deine Überzeugungen über die Liebe überprüfen und sie realistisch und flexibel gestalten.  Glaubst du, dass die Liebe alles kann, alles aushält und alles wert ist? Denkst du, dass es nur eine richtige Person gibt und dass es deine Pflicht ist, alle ihre Verhaltensweisen zu tolerieren, weil sie so ist, wie sie ist? Glabust du, dass in einer Beziehung kein Platz für konstruktive Kritik an deinem Partner ist?

In diesen Fällen solltest du versuchen, deinen Diskurs über die Liebe anhand gesunder und realer Bezüge zu rekonstruieren. Eine Beziehung ist der Zusammenschluss zweier Menschen, die sich gut kennen, sich gegenseitig akzeptieren und einander helfen, sich zu verbessern und zu wachsen. Wenn du die geliebte Person idealisierst, kannst du diese Ziele nicht erreichen.

Liebe ohne Idealisierung ist wahre Liebe

Idealisierung kann (unbewusst) in jeder Beziehung erfolgen, nicht nur in einer Paarbeziehung. Die Eltern, die du bewunderst, der Freund, den du für so erfolgreich hältst, oder die charismatische Kollegin… sie alle haben Fehler und Tugenden, wie du selbst auch.

Wenn du diese Wahrheit erkennst, erlaubst du dir, die wahre Version dieser Menschen zu lieben, und du öffnest dich dafür, auch dich selbst zu lieben und anzuerkennen. Erinnere dich daran, dass hinter der Idealisierung ein Gefühl des inneren Mangels steht, beginne damit, daran zu arbeiten.

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