Einsamkeit in der Quarantäne: hilfreiche Strategien

30 Mai, 2020
Die Quarantäne alleine zu Hause zu verbringen, ist nicht einfach. Deshalb ist es wichtig, verschiedene Strategien zu nutzen, um diese Zeit bestmöglich zu überwinden. Dabei ist es besonders wichtig, sich emotional und geistig fit zu halten.
 

Viele Menschen leben alleine und erfahren deshalb Einsamkeit in der Quarantäne, zu der uns die aktuelle Situation der Corona-Pandemie in vielen Ländern zwingt. Das neue Virus hat unser Leben ganz unerwartet gelähmt, unsere Gewohnheiten und Aktivitäten eingefroren und hält viele von uns zu Hause fest.

Für Familien oder Paare ist diese Situation meist etwas einfacher, denn sie können zu Hause gemeinsame Aktivitäten unternehmen und sich gegenseitig unterstützen und motivieren.

Doch diese Zeit der Ungewissheit alleine zu Hause zu verbringen, ist eine große Herausforderung. Manche Menschen sind in dieser Situation, da sie immer alleine leben, andere zwingt ihre berufliche Situation oder eine Ansteckung mit dem Coronavirus dazu, die Quarantäne getrennt von ihrer Familie zu verbringen.

Einsamkeit in der Quarantäne kann Angst, Stress und die emotionale Belastung fördern. Die Emotionen und die negative Einstellung machen Betroffene in der Isolierung schwach. Doch in dieser Situation können moderne Technologien sehr hilfreich sein, um soziale Kontakte in der Distanz zu pflegen.

 

Videochats, Nachrichten und soziale Netzwerke sind in dieser Zeit sehr hilfreich, um soziale Kontakte zu erhalten. Auch ältere Menschen sind oft mit neuen Technologien vertraut und können über Smartphones kommunizieren.

Doch auch wenn neue Technologien in dieser schwierigen Zeit sehr helfen, müssen wir uns darüber bewusst sein, dass diese nicht ausreichend sind. Die physische Präsenz, die Gesellschaft, die den Stunden des Tages einen Sinn gibt, kann damit nicht ersetzt werden. Doch was können wir in diesem Fall tun, um die Einsamkeit in der Quarantäne zu überwinden?

Einsamkeit in der Quarantäne

Einsamkeit in der Quarantäne: Gewohnheiten (Anker) und Vorsätze (Kerzen)

Über die Einsamkeit in der Quarantäne gibt es nur wenige Studien. Wir haben jedoch Daten über kollektive Ausgangsbeschränkungen, die zum Beispiel aus einer neuen Studie des King’s College London, die in der Fachzeitschrift The Lanzet veröffentlicht wurde, hervorghen. Darin wurden ähnliche Erfahrungen analysiert, wie wir sie derzeit erleben. Doch diese Erfahrungen wurden in verschiedenen Städten Kanadas im Jahre 2003 gesammelt, in denen aufgrund des SARS damals eine Ausgangssperre veranlasst wurde.

 

Es konnte festgestellt werden, dass die Bevölkerung ungefähr ab dem 10. Tag Stress, größere Angst vor einer Ansteckung, Frustration und Langeweile experimentierte. Auch Nervosität aufgrund von Versorgungsmangel und die Angst, den Job zu verlieren wurden größer. Doch diese Studien wurden mit Familien durchgeführt. Wir haben keine Daten über die Auswirkungen auf Menschen, die alleine leben.

Die Folgen könnten ähnlich sein, wie wenn man mehrere Stunden in einem Isolationstank verbringt. Man sieht in dieser Zeit niemanden und hat keinen Kontakt, was ernste Folgen für das Gehirn haben kann. Die Auswirkungen wären mit Sicherheit noch viel schlimmer, wenn wir nicht über moderne Technologien wie Smartphones verfügen würden, um auf diese Weise Gespräche zu führen und den Kontakt zu anderen Menschen aufrechterhalten zu können.

Die Einsamkeit in der Quarantäne kann mit zwei konkreten Elementen erleichtert werden, über die wir nachfolgend sprechen.

Anker, um mich an die unmittelbare Realität zu klammern

 

Wenn ein Mensch Stunden, Tage und Wochen alleine verbringt, kann sich daraus ein ganz konkretes Problem ergeben: die Dissoziation. Dieser Ausdruck bezeichnet eine sehr häufige Gehirnstörung, die durch Angst und Nervosität entsteht. Man hat dabei das Gefühl, dass die Dinge, die man gerade erlebt, nicht wirklich sind.

Betroffene fühlen die Verbindung zu ihrem Körper nicht mehr. Sie schauen in den Spiegel und experimentieren Apathie, die Trennung von der Person, die sich darin widerspiegelt. Die Wirklichkeit wird langsamer und nichts macht mehr Sinn. 

Dieses Phänomen umfasst ein breites Spektrum, das heißt, dass manche daran leicht, andere jedoch sehr schwer leiden. Der Geist benötigt deshalb Anker, die ihn auf dem Boden der Wirklichkeit halten, damit er sich nicht losreißen und abschweifen kann. Es heißt jetzt, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

  • In dieser Situation sind Gewohnheiten sehr wichtig. Du musst dich an einen Zeitplan halten und darin verschiedene Arbeiten, Aufgaben und Verantwortungen einplanen. Auch Freizeit und Hobbies sowie physische Bewegung sind wichtig.
 
  • Man muss sich beschäftigen, um stark zu bleiben. Um die Einsamkeit in der Quarantäne besser bewältigen zu können, ist es wichtig, jeden Tag bestimmten Beschäftigungen nachzugehen, um die Zeit zu füllen. Du kannst zum Beispiel einen Online-Kurs absolvieren.
  • Zu den Aktivitäten, die uns verankern und auf den gegenwärtigen Augenblick konzentrieren lassen, gehören auch Gespräche mit der Familie und mit nahe stehenden Menschen. Anrufe oder Videochats eignen sich ausgezeichnet, um sich gemeinsam an glückliche Momente zu erinnern, sich Anekdoten zu erzählen und positive Emotionen zu fördern. Dein Geist wird dadurch gestärkt und erhält eine Menge an Serotonin, das es dir ermöglicht, dich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.
Einsamkeit in der Quarantäne: hilfreiche Strategien
 

Kerzen, um zukünftige Ziele und Illusionen aufrecht zu erhalten

Um die Einsamkeit in der Quarantäne besser zu bewältigen, benötigen wir mehr als nur Gewohnheiten. Unser Gehirn braucht etwas, das weit über mitfühlende Nachrichten, Gespräche mit geliebten Personen und Computerbildschirme hinausgeht.

Wenn Betroffene ein Telefongespräch beenden oder das Smartphone zur Seite legen, haben viele ein enormes Leeregefühl. Der Geist leidet, die Emotionen können außer Kontrolle geraten.

In diesen Augenblicken musst du dich an deine Lebensziele erinnern, an Dinge, die du in der Zukunft erreichen möchtest. Die Corona-Krise wird vorübergehen. Die Anzahl der Infektionen wird abnehmen und die Situation wird allmählich einfacher werden.

Wir werden unsere Türen öffnen und die Welt erneut in Bewegung bringen. Unsere Träume warten weiterhin darauf, realisiert zu werden. Unsere Ziele geben uns die dafür nötige Unterstützung, wie Motivation, Hoffnung und Vertrauen.

Du musst diese mentalen Kerzen anzünden und ihr Licht betrachten. Hebe deinen Kopf und betrachte den Horizont, nicht nur das kalte Glas deines Fensters. Vergiss deine Ziele und Träume nicht. Wir machen jetzt eine Pause, doch bald werden wir wieder zum Alltag zurückkehren und unsere Ziele verwirklichen können. Alles geht vorbei.

 

In der Zeit der Quarantäne sollten wir vor allem die ganz besonders verletzliche Risikogruppe nicht vernachlässigen: ältere Menschen brauchen jetzt unsere Hilfe!

 
  • Brooks, Samantha. Webster, Rebecca. The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30460-8