Eine Trennung ist kein Misserfolg

· 7. Juli 2017

Vielleicht hat dein Partner vor Kurzem mit dir Schluss gemacht, nach endlosem Zweifeln, wiederholten Neuanfängen und einer Anhäufung trauriger Momente, die schier unüberwindbar schienen. Eine Trennung stellt meist einen Moment gemischter Gefühle dar, und zwar nicht deshalb, weil immer noch mehr oder weniger Liebe für den anderen gefühlt wird, sondern weil wir einen Lebensabschnitt abschließen, wie wir es schon viele Male getan haben. Leider ist eines dieser Gefühle das von Versagen und Misserfolg.

Es ist deshalb durchaus normal, dass wir eine Mischung aus Nostalgie für das verspüren, was wir verloren haben, und eine gewisse Freude darüber, dass wir angesichts einer Situation, die uns nicht gutgetan hat, mutig waren und gehandelt haben. Dies können also wahrhaft Momente der Verwirrung sein, in denen wir einen Schritt vorwärts und zwei zurück machen, dann zwei weitere vorwärts, bis wir es schließlich schaffen, uns von dem zu befreien, was uns in der Vergangenheit hält.

Eine Trennung ist außerdem meist gleichbedeutend mit einem Verlust an Stabilität, denn egal wie unzuverlässig unser Partner auch war, so haben wir für unsere Vorhaben doch immer auf ihn gezählt. Vorhaben, die vielleicht mit dem Ende der Beziehung begraben werden, sie vielleicht aber auch überstehen, obwohl wir sie nun mit anderen Personen oder allein angehen müssen.

Das Gefühl von Misserfolg nach einer Trennung

Eines der häufigsten Gefühle, dass Partner kurz nach der Trennung verspüren, ist das des Misserfolges. Sie hatten sich die Liebe in guten wie in schlechten Zeiten, bis das der Tod sie scheidet, geschworen, und plötzlich finden sie sich in einer Leere wieder, in der diese Worte nur noch wie ein Echo widerhallen. Dies ist das Echo von Angst und Wut.

Wenn ein Paar zusammenkommt, investieren beide Partner zunächst enorm viel in die Beziehung, damit ihre Verbindung schnell wachsen und stark werden kann. Die Basis dafür sind Hoffnung, Zuneigung und der Wunsch, Zeit miteinander zu verbringen. Es gibt kaum andere Situationen im Leben, in denen uns gemeinsam verbrachte Zeit so kurz vorkommt.

Mit der Zeit wird die Partnerschaft stabiler und beide Seiten beginnen, an den Fäden zu ziehen, aus der diese gestrickt ist, sodass die ersten Spannungen entstehen. Niemand schafft es, langfristig in der ersten, oben beschriebenen Phase zu verweilen, weil das eine Zeit ist, in der das Fundament, auf dem wir unser Leben aufbauen, völlig neu angelegt wird. Nur der Partner zählt, Freunde und persönliche Vorhaben rücken auf hintere Plätze in der Liste der Prioritäten und sobald sich die Beziehung normalisiert, geben wir ihnen wieder mehr Bedeutung.

Auch wenn in dieser zweiten Phase alles nicht mehr so verrückt erscheint wie zu Anfang, ist immer noch Vieles neu. Die Herausforderung liegt nicht mehr so sehr darin, anzubieten und zu geben, was der geliebte Partner begehrt, sondern darin, etwas Gemeinsames aufzubauen. Dies führt zu einer gegenseitigen Abhängigkeit, die eine spätere Trennung kompliziert. Es kann dabei um ein Haus oder einen Kredit gehen, um Familienmitglieder, den geplanten Sommerurlaub oder die Hochzeit, auf die ihr gemeinsam eingeladen wart.

Diese Verbindungen zu brechen ist genau das, was das Gefühl von Misserfolg hervorruft. Es erinnert uns daran, dass wir Teil eines Projektes sind, das sich in Luft aufgelöst hat. Dieses Gefühl von Misserfolg sorgt beispielsweise dafür, dass viele Paare damit warten, anderen zu erzählen, dass sie sich getrennt haben.

Dieses Gefühl von Misserfolg kann durchaus mit einem Verlust unseres Selbstwertgefühles einhergehen, vor allem dann, wenn es nicht wir sind, die die Entscheidung zur Trennung getroffen haben. Wir fühlen uns vielleicht, als wären wir nicht gut genug, um vom anderen weiterhin als Partner akzeptiert zu werden, und übertragen diesen Gedanken auf andere Bereiche, in denen wir beurteilt werden, wie beispielsweise auf unsere Arbeit oder das soziale Umfeld.

Wenn wir unsere Beziehung anders betrachten, wird es kein Gefühl von Misserfolg geben

Das Gefühl von Misserfolg erscheint also logisch, wenn wir die Beziehung aus dieser historisch gewachsenen Perspektive betrachten, die von Generationen gewählt wurde, zu deren Zeiten Trennungen gesellschaftlich verurteilt, wenn nicht sogar verachtet, wurden. Es ist teilweise auch durch unseren Lebensstil bedingt, denn viele unserer Handlungen sind durch Zukunftspläne motiviert. Pläne für eine Zukunft, die aber niemand garantieren kann.

Es ist seltsam, denn wenn erst einmal eine gewisse Zeit vergangen ist und wir die Trauer überwunden haben, erinnern wir uns oft mehr an die guten Zeiten in einer Beziehung als an die schlechten. Wir sind dann in der Lage, ihr eine Bedeutung zu geben, was uns in Zeiten der Trennung helfen könnte, aber nicht möglich ist. Die Idee ist, dass eine Beziehung danach beurteilt wird, was sie dir in diesem Moment gibt, nicht danach, was sie in der Zukunft für dich bedeuten könnte.

Sie ist es wert, erhalten zu werden, wegen der Spaziergänge, die ihr gemeinsam macht, der Mahlzeiten, die ihr voller Liebe zubereitet, den blödsinnigsten Überraschungen, der Nervosität, die du vor dem Kennenlernen deiner Schwiegereltern verspürt hast. Du hast wahrscheinlich eine Menge riskiert, um voranzukommen, aber frage dich, ob du von der Beziehung nicht auch viel zurückbekommen hast. Vielleicht hat man dir nie eine Überraschung bereitet, aber dir ist das gar nicht aufgefallen, weil du welche vorbereitet hast. Vielleicht hat man sich nie die Mühe gemacht, dich von der Arbeit abzuholen – aber hat es dir nicht Freude bereitet, dies für den Partner zu tun?

Indem wir eine Beziehung durch dieses Prisma betrachten, können wir das Gefühl von Misserfolg im Falle einer Trennung verhindern, uns aber auch durch etwas, das wir kontrollieren können, motivieren und stimulieren. Dieses Etwas ist nichts anderes als die Freude daran, dass der anderen Person in unserer Jacke warm ist, während wir vor Kälte zittern. Dieses Etwas ist einfach nur das, was wir tun und was in unseren Händen liegt, genau wie nach vorn zu blicken, wenn die Beziehung zu Ende geht.