Liebe, wenn du bereit bist, nicht, wenn du einsam bist

· 19. Juni 2017

Liebe ist pures Adrenalin und meidet jeden Versuch, rational zu sein. Wir können sie nicht kontrollieren und wir können nicht entscheiden, wann sie passieren soll. Sie passiert, wenn wir etwas Außergewöhnliches spüren, so erschreckend und gleichzeitig besonders, dass es uns nicht kalt lässt. Wir können also nichts vortäuschen oder verstecken, wenn wir verliebt sind. Wir verlieben uns und jeder Versuch zur Anwendung von Logik ist hoffnungslos.

Die magische Natur der Liebe macht uns unfähig, sie zu erzwingen, wenn wir uns nach ihr sehnen. Der französische Philosoph Sartre hat gesagt, dass wir dazu verurteilt seien, frei zu sein, also entscheiden zu müssen. Dabei vergaß er die Liebe. Sie kommt und kann sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten auftauchen.

Rebound-Beziehungen

Sicherlich hast du schon einmal den schrecklichen Schmerz erfahren, den eine emotionale Trennung auslöst, und deshalb kennst du auch besser als jeder andere die Nachwirkungen eines emotionalen Verlusts. Als Rebound-Beziehungen werden jene Beziehungen bezeichnet, die dann begannen, als eine andere Beziehung in die Brüche ging und die dich verletzt hat.

Was liebst du, wenn du liebst, mein Gott: das schreckliche Licht des Lebens oder das Licht des Todes? Was suchst oder findest du, was ist diese Liebe? Wer ist es?

Aus: “Was liebst du, wenn du liebst?“ von Gonzalo Rojas

Nicht alle Beziehungen, die nach einer Trennung beginnen, sind das Produkt dieses Reboundeffekts, aber sehr oft glauben wir, dass wir so unser Leid verringern können. Allerdings ist das der falsche Weg. Ohne es überhaupt zu bemerken, denken wir, dass dieser neue Mensch unser Unglück vertreiben und die Wunden der alten Beziehung versorgen kann.

Was aber tatsächlich hinter diesem Verhalten steckt ist Einsamkeit und Instabilität. Wir sind so verletzt, dass wir nicht darüber hinwegkommen. Also verstecken wir es lieber, weil das einfacher ist. Mit anderen Worten: Die verlorene Beziehung lässt uns denken, dass wir eine andere brauchen, um uns erfüllt zu fühlen. Wir suchen verzweifelt nach Liebe, um die Vergangenheit auszulöschen und vergessen dabei, dass wir nur wirklich lieben können, wenn wir dafür bereit sind.

Die Angst davor, Single zu sein

Unser Leben mit jemandem zu teilen ist nicht leicht, aber die wahre Liebe erfüllt, wenn sich alles fügt und die Beziehung glücklich verläuft. Es ist allerdings auch nicht leicht, mit sich selbst zu leben, wenn etwas in unserem Inneren nicht in Ordnung ist und Aufmerksamkeit braucht. Bevor wir also versuchen, eine ausgewogene Beziehung aufzubauen, sollten wir erst einmal das Gleichgewicht in uns selbst wiederherstellen. Ansonsten kann die Beziehung nur ein Desaster werden.

Das Erste, was wir tun müssen, ist uns der Angst zu stellen: Viele Menschen lieben ihren Partner nicht. Stattdessen haben sie Angst davor, keinen mehr zu haben. Wenn wir das nicht verstehen, werden wir wahrscheinlich den gleichen Fehler immer und immer wieder, auch mit neuen Partnern, wiederholen.

Die Angst davor, allein zu sein, ist ein Problem, dass immer verbreiteter wird. Außerdem ist es ein Problem, dass es der leidenden Person manchmal nicht ermöglicht, durch die Trauerphase nach einer Trennung zu gehen. Das führt zu emotionaler Abhängigkeit und falschen Vorstellungen von Alleinsein und Freiheit: Allein zu sein heißt weder, „alt und verbittert zu sein“, noch bedeutet mit jemandem zusammen zu sein „fehlende Freiheit“.

Es gibt kein Rezept.
Liebe
ist die Grenze,
die die Seele vom
absolut Materiellen trennt,
eine überaus greifbare Fantasie.

Aus: „Metamor“ von Suso Sudón

Der Reiz des Paares

Wie oben erwähnt, ist der einzige Mensch, der wirklich lieben kann, derjenige, der bereit dafür ist, derjenige, der erkannt hat, dass er nicht in die gleichen Fallen stolpern will und der sich traut, Risiken einzugehen, denn das was er fühlt, ist größer als seine Angst. Das ist der Reiz, sich auf jemandem einzulassen, den du nicht erwartet hast, und wenn du weißt, dass es keine andere Option gibt, als es zu versuchen.

Es gibt andere, die sich so sehr danach sehnen, geliebt zu werden, dass sie ihr Herz von Unwirklichkeit vernebeln lassen. Es gibt jene, die sich selbst nicht lieben und sich wünschen, geliebt zu werden. Es gibt jene, die nur auf ihren Kopf hören, um einen Schritt zu machen und dabei ihre Emotionen vergessen. Liebe ist emotional und kann nicht gemessen werden. Jene, die sich schlussendlich geliebt fühlen, realisieren, dass sie sich keine Mühe machen mussten, um das zu erreichen. Denn es war ihr Moment und das Leben hat damit nur auf sie gewartet.

Es war deine Geschichte,
sie ist meiner begegnet.
So viele Menschen, so viele Menschen da draußen
und wir treffen eines Tages aufeinander.

Aus: „Coincidir“ von Macaco