Gegenwartsflucht: Wenn die Nostalgie die Gegenwart verdrängt

12. Dezember 2016 en Filme 46 Geteilt

Der Film „Midnight in Paris“ von Woody Allen erklärt mithilfe des Lebens des Hauptdarstellers die Nostalgie als Gegenwartsflucht.

Der Name dieser Täuschung ist das sogenannte Goldene-Zeitalter-Syndrom.

Dabei geht es um die falsche Vorstellung, dass ein anderes Zeitalter schöner ist als das, das wir gerade leben. Normalerweise haben Menschen, denen es schwer fällt, sich der Gegenwart zu stellen, diese irrtümliche romantische Vorstellung.

Midnight in Paris ist eine romantische Filmkomödie, die uns das Leben als etwas zeigt, das nicht so magisch wie unsere Träume ist, aber wo wir dennoch Herr über unsere eigenen Entscheidungen sein können.

Die Realität des Hauptdarstellers in seiner Gegenwart ist nicht gerade schön, er wird von seiner Freundin und von ihrer Familie nicht wertgeschätzt.

Er fühlt sich allein, doch in seiner Vergangenheit vermittelte er seinen Mitmenschen ein vollkommen anderes Bild von sich: fröhlich, von allen respektiert, mit vielen Freunden und einer neuen Liebe, die in ihm den Wunsch auslöst, dort zu bleiben, wo er gerade ist und an der Nostalgie festzuhalten.

Sein Wunsch, in einem vergangenen Zeitalter zu bleiben, ist eine besondere Art, seine Gegenwart abzulehnen.

Eine Gegenwart voller Verpflichtungen, die weit davon entfernt sind, ihn zu erfüllen, sondern ihn langweilen.

Da er ängstlich ist und sich nicht selbst behaupten kann, stellt er sich nicht dieser Gegenwart, sondern flieht in eine Vergangenheit, wo er all das findet, was er momentan nicht hat.

Doch am Ende holt ihn die Realität wieder ein und er muss eine schwierige Entscheidung treffen.

„Die Nostalgie ist eine romantische Art und Weise, traurig zu sein.“

Mario Quintana

Das Goldene-Zeitalter-Syndrom

Das Goldene-Zeitalter-Syndrom ist eine Art Gegenwartsflucht, ein Syndrom welches von Woody Allen auf der Kinoleinwand veranschaulicht dargestellt wird.

Eine abgeschwächte Version dieser Gegenwartsflucht findet statt, wenn wir melancholisch sind, wenn wir der Meinung sind, dass eine vergangene Zeit besser war als diejenige, die wir jetzt erleben.

Alles dreht sich um diese Zeit: Gedanken, Sehnsüchte, Verhaltensweisen, die versuchen, diese Zeit wiederherzustellen.

Wenn uns Erinnerungen aus unserer Kindheit oder vergangene Momente in den Kopf schießen, die für uns schöner als momentane Augenblicke sind und wir glauben, dass es immer einen Rückschritt bedeutet, wenn sich etwas ändert, dann sind wir in gewisser Weise auch vom Goldenen-Zeitalter-Syndrom betroffen.

Diese Gegenwartsflucht ist automatisch dafür verantwortlich, dass wir an der Vergangenheit festhalten und folglich niemals mit dem zufrieden sein werden, was wir haben.

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Auch in Liebesbeziehungen begegnen wir häufig diesem Phänomen.

Das ist der Fall wenn wir denken, dass eine frühere Beziehung unverbesserlich ist und dass keine zukünftige Beziehung besser sein kann als diese.

Diese Denkweise führt uns unvermeidbar zu der Suche nach dem, was wir mit einer vollkomm anderen Person hatten, was uns diese Vergleiche anstellen lässt und so schätzen wir nicht, was wir in der Gegenwart haben.

„Sogar die Vergangenheit kann man ändern, Historiker führen uns das ständig vor Augen.“

Jean Paul Sartre

Die Nostalgie als Gegenwartsflucht

Die Nostalgie wird als ein „Hinterhertrauern“ von etwas definiert, das man hatte oder erlebte und jetzt nicht mehr hat oder sich verändert hat.

Studien zeigen, dass uns die Nostalgie mitfühlender und sozialer werden lässt.

Wenn wir nostalgisch werden, denken wir an eine Vergangenheit zurück, die sich aus vielen verschiedenen Erinnerungen zusammensetzt, wobei all die negativen Gefühle herausgefiltert werden.

Der Neurologe und Psychiater Alan R. Hirsch sagt, dass die Nostalgie es begünstigen könne, Negatives leichter zu vergessen, da wir uns auf die positiven Aspekte von Erinnerungen konzentrieren würden.

Aus diesem Grund erinnern wir uns an die schönen Zeiten unserer Kindheit, an unsere Freunde, an die Schulpause, an Spielzeuge, und vergessen unschöne Momente, schlechte Noten, Bestrafungen und langweilige Unterrichtsstunden.

Das sind zweifellos wunderschöne Erfahrungen und Beweise dafür, dass unser Leben einen Sinn hat, der uns größtenteils geprägt hat.

So könnte man sagen, dass es unser Gedächtnis ist, das uns sagt, wer wir sind, ohne dass dabei verloren geht, wer wir einst waren.

Wenn wir diesen Entwicklungsprozess verstehen, können wir bedenkenlos gedanklich in die Vergangenheit zurück reisen ohne vor der Gegenwart zu fliehen.

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Es gibt keine schlimmere Nostalgie als die, die sich nach etwas sehnt, was niemals existierte.

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