Eine Partnerschaft ergänzt uns, aber sie macht uns nicht zu dem, was wir sind

· 28. Juli 2016

Aristoteles hat einmal von „einer Seele in zwei Körpern“  gesprochen, und an diesem Konzept scheint sich unsere Vorstellung von einer Partnerschaft bis heute zu orientieren. Was wir jedoch in der Regel vergessen, ist, dass der Philosoph uns auch Folgendes mit auf den Weg gegeben hat: „Der mächtigste Mensch ist Herr seiner selbst.“

Ich bin mir bewusst, dass beide Aussagen aus dem Kontext gegriffen sind und ich weiß auch nicht, ob sie wirklich von Aristoteles stammen, aber sie dienen mir dazu, das Thema dieses Artikels einzuleiten: Die Liebe in einer Partnerschaft kann sehr bereichernd sein, aber es hilft, zu wissen, dass wir auch ohne Beziehung glücklich werden können.

Eine Partnerschaft ist nicht notwendig, kann aber unsere Entwicklung fördern

„Ich will nicht, dass du mich brauchst, ich möchte, dass du bis zur Unendlichkeit auf mich zählst und dass das Jenseits dein Haus mit meinem verbindet.“

Elvira Sastre

Versetzen wir uns in folgende Situation: Wir sind auf eine sehr wichtige Veranstaltung eingeladen, wo man von uns verlangt, dass wir uns auf eine bestimmte Weise kleiden, weshalb wir angestrengt darüber nachdenken, welche die richtigen Accessoires sind, um bei dieser eleganten Pflichtübung nicht negativ aufzufallen. In dem Moment, in dem an Selbstsicherheit gewinnen, weil wir uns entschieden haben, welche Accessoires uns am besten stehen, verstärken diese unsere positive Ausstrahlung.

Pärchen in glücklicher Umarmung

In unseren Beziehungen passiert etwas sehr Ähnliches: Auch hier wird das verstärkt, was wir unter der Kleidung, in uns tragen. Accessoires, in diesem Fall also ein Partner, sind nicht unverzichtbar, aber wenn wir uns für sie entscheiden, dann bringen sie in uns etwas zum Vorschein, das wir sonst nicht hätten.

Eine Partnerschaft ist ein Plus an Erlebnissen, an Unterstützung und Weisheit. Teilen kann uns zu einem besseren Menschen machen, und wir können sogar dann etwas aus ihr lernen, wenn die Beziehung nicht gut ausgeht.

„Lass mich dich umarmen, jetzt, wo deine Haut noch nicht mit den Lügen der Welt beschrieben ist und deine Lippen nichts als der Sitz der Schönheit sind.
Weil ich nur sein wollte, gut und wahrhaftig, und du kannst mich werden lassen, lass mich dich umarmen.“

Juan Antonio González Iglesias

Eine Partnerschaft geprägt von Unabhängigkeit und persönlichem Freiraum

Einen Partner haben ist immer dann ein großes Glück, wenn beide Beteiligten ihre emotionale Unabhängigkeit bewahren und gegenseitig ihre Freiräume respektieren, da wir uns nur so verwirklichen und wachsen können. Das heißt, es gilt, in der Partnerschaft zwei Leben zu führen, das gemeinsame und das eigene, und beide fordern unsere Aufmerksamkeit.

In dem Moment, in dem wir bemerken, dass wir in unserer Einsamkeit glücklich sind und dass wir niemanden brauchen, um zufrieden zu sein, werden wir die Bedeutung dieser Idee verstehen. Oft ist es sogar so, dass, je näher uns jemand sein will, desto mehr fliehen wir vor ihm, weil wir uns beengt und auch ein bisschen bedroht fühlen.

Freundinnen trinken Kaffee

In anderen Worten, die Liebe ist nicht rational, aber sie bedarf eines klaren Kopfes, wenn wir möchten, dass eine Partnerschaft von Dauer ist. Mit jemandem zusammen sein wollen bedeutet, zu verstehen, dass diese Person eines Tages gehen kann und wir dennoch, verletzt, aber vollständig, weitermachen und (zumindest vorerst) ohne Beziehung glücklich werden können.

Liebe ist eine Entscheidung, keine Sucht

Authentische Liebe ist weder eine Sucht noch eine Form der Besessenheit, auch wenn die ersten Monate einer Partnerschaft vielleicht so erscheinen mögen: Wir bewegen uns im Nebel, nehmen Zeit und Raum nicht mehr wie früher war, und wir haben mehr als genug Gründe, unser Leben mit der anderen Person teilen zu wollen.

Sicher ist, dass Besessenheit nicht gesund ist und zu toxischen Beziehungen führen kann, in denen wir uns selbst nicht mehr wertschätzen, in denen wir in einer falschen Welt leben, entfernt von der Realität. Wenn wir uns also entscheiden, eine Partnerschaft einzugehen, dann sollten wir dies tun, weil wir uns dafür bereit fühlen, uns in den anderen zu verlieben und gleichzeitig unsere Eigenliebe zu pflegen.

Letztendlich sind es wir selbst, die entscheiden, etwas zu beginnen oder zu beenden, weil wir niemandem gehören und auch uns niemand gehört, selbst wenn man uns das hat manchmal glauben lassen.

„Eine Sache kann ich schwören:
Ich, der sich in deine Flügel verliebt hat,
werde sie dir niemals stutzen wollen.“

Carlos Miguel Cortés