Trotz gebrochenen Herzens weiterhin an die wahre Liebe glauben

· 26. Juli 2016

Die Liebe ist keine Glaubensfrage und auch keine Religion. Sie ist eine emotionale und wundervolle Erfahrung, die uns meist unverhofft trifft. Niemand kann Liebe erzwingen oder aufhören zu lieben, wenn er beispielsweise spürt, dass dieses Gefühl nicht erwidert wird. Und vielleicht ist genau dieses kleine Gefühl der fehlenden Kontrolle die Geburtsstunde eines wahrhaftigen Problems – das Problem, dass wir trotz allem an die wahre Liebe glauben.

Wenn wir lieben, werden wir auf einmal zu sehr zerbrechlichen Personen: Alles, was der geliebte Mensch macht, sagt oder ungesagt lässt, trifft uns härter als es zuvor der Fall war. Erfahrung erleben wir intensiver und somit nehmen wir sowohl Glücksgefühle als auch Leid stärker wahr.

Daher flüchten viele nach einem emotionalen Bruch, um Herzschmerz zu vermeiden, was ja auch verständlich ist. Am liebsten geht man möglichen Schmerzen einfach aus dem Weg, das ist ein ganz klassisches Verhalten. Aber ist das auch wirklich angebracht? Ist es besser, einer neuen Liebe aus dem Weg zu gehen, um nicht wieder leiden zu müssen? Und wie können wir nach solchen Erfahrungen überhaupt noch an die wahre Liebe glauben?

Liebe kann wehtun, aber sie kann auch Schmerzen heilen.

Wenn die Liebe schmerzt und uns enttäuscht

Viele sind der Meinung, dass „lieben“ „leiden“ bedeute. Sie denken, dass dieses Gefühl nur eine Gemütsbewegung und folglich irrational sei. Doch zu lieben und zu fühlen ist keine Sache des Denkens. Wir müssen dieses ja beinahe verrückte Gefühl der Zuneigung dennoch richtig einordnen, es rational betrachten und so gut es geht die Kontrolle darüber bewahren. Denn Liebe allein reicht nicht immer aus, um eine harmonische Partnerschaft aufzubauen. Sie ist nicht der einzige Grundpfeiler einer funktionierenden Beziehung.

Es sollte ein Gleichgewicht zwischen Leidenschaft und Rationalität bestehen, weil wir uns andernfalls irgendwann selbst verlieren. Verpflichtung, Kommunikation, Zuneigung, Respekt, Mitgefühl und persönliches Wachstum sollten zweifellos die Grundlage einer Beziehung sein, was auch im Alltag zum Ausdruck kommen sollte. Wenn auch nur einer dieser Bausteine entfernt wird, gerät die Beziehung ins Wanken und Schmerz und Enttäuschung machen sich breit.

Jeder muss im Laufe des Lebens lernen, dass das Vertrauen in andere manchmal erschüttert wird. Als Kinder vertrauen wir ganz selbstverständlich unseren Mitmenschen. Doch je älter wir werden, je mehr lehrt uns die Erfahrung, dass Menschen nicht perfekt sind, Fehler machen und dass sie uns gewollt oder ungewollt Schaden zufügen können.

Auf eine gewisse Weise sind wir alle verletzlich und müssen mit Schmerzen umgehen. Auch wir selbst können andere verletzen. Das sollten wir uns stets vor Augen führen. Experten raten immer, vor allem eins zu beachten: Auch in der Liebe müssen wir realistisch bleiben.

Du darfst dich nicht von deinem Wunschdenken täuschen lassen, das dir sagt, dass deine derzeitige Beziehung immer perfekt sein werde. Denke daran, dass eine Beziehung ein langwieriger Prozess ist, in dem es darum geht, Kompromisse zu schließen, zu verhandeln, zuweilen den eigenen Standpunkt durchzusetzen, aber manchmal auch zurückzustecken. Sie ist ein alltäglicher Prozess, in dem sich beide Partner in Gegenseitigkeit und Bereitschaft üben müssen. Es geht dabei darum, vom „ich wegzukommen und ein wir zu erschaffen.

Wenn das Wir nicht Bestandteil der Partnerschaft ist, wenn du bemerkst, dass manche dieser Aspekte nicht gegeben sind, dann bleibe realistisch und vermeide, dass sich der Schmerz länger als nötig hinzieht.

Paar steht im Wald und schaut auf ein Geschenk, das übergeben wird.

Erneut darauf vertrauen, die wahre Liebe zu finden

Ja, das ist tatsächlich möglich. Es kann gut sein, dass du jetzt denkst, dass es besser sei, niemandem mehr zu vertrauen. In der Vergangenheit sind deine Beziehungen in die Brüche gegangen und du hast zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, um erneut aufs Pferd zu steigen.

Vielleicht bist du der Meinung, dass die tägliche Einsamkeit sinnvoller sei, als die Unsicherheit und die Angst davor, wieder verletzt zu werden. Wenn du das wirklich glaubst, versuche die folgenden Punkte objektiv zu betrachten. Es kann ja nicht schaden, sich einen Moment lang über sie Gedanken zu machen…

  • Um wieder jemandem Vertrauen schenken zu können, musst du erst dir selbst vertrauen. Hast du das Gefühl, dass du es nicht verdienst, glücklich zu sein, Schönes zu erleben und deine Erfahrungen jeden Tag mit einer anderen Person zu teilen? Dann muss dein erster Schritt sein, dafür zu sorgen, dass du dich wieder erfüllt, zufrieden und wohl in deiner Haut fühlst: „Ich gefalle mir wie ich bin, mir gefällt dieses Gesicht, das ich jeden Tag im Spiegel sehe und ich bin zufrieden mit dem Leben, das ich führe.“  Diese Einstellung stärkt unser Selbstwertgefühl.
    Und ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein machen uns stärker gegenüber Schmerz. Wenn wir wissen, was wir wollen, können wir auch sofort diese Anzeichen bei einer anderen Person erkennen, die uns verraten, dass sie nicht zu uns passt und dass sie uns schadet. Dann können wir uns selbst versichern: „Ich liebe mich selbst und werde jemand anderen auswählen, um ihn zu lieben, um gemeinsam mit ihm zu wachsen. Dabei werde ich aber stets mein inneres Gleichgewicht bewahren.“
  • Schenke deinen Bedürfnissen Beachtung. Nur du selbst weißt, wo du dich gerade auf deinem Lebensweg befindest. Nur du kennst deine Vergangenheit und weißt, wie du verletzt wurdest. Und wie wir alle wissen, braucht jede Wunde ihre Zeit, um zu heilen. Deshalb ist es unabdingbar, dass du auf dich selbst hörst und deine Bedürfnisse in jedem Moment erkennst. Es kann gut sein, dass du es bevorzugst, allein zu bleiben, dich an deinen Freunden und deiner Familie zu erfreuen. Dann nimm dir Zeit für dich. Unsere Eigenliebe und die Verbindung zu all dem, was uns umgibt, wiederherzustellen, ist unglaublich wichtig. Nach und nach beginnst du dann, nicht mehr so sehr deine Wunden und Narben für dich sprechen zu lassen und dein Herz und deinen Verstand zu öffnen.

Das Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen zurück. Aber genau jetzt ist der richtige Moment gekommen, Ängste zurückzulassen, um das Unbekannte willkommen zu heißen.

Im Leben muss man manchmal etwas riskieren, jeden Moment in vollen Zügen auskosten und sich darüber bewusst sein, dass man erneut Enttäuschungen einstecken müssen wird. Aber vielleicht lohnt es sich ja. Vielleicht fühlst du dich irgendwann schuldig, wenn du es nicht versuchst.

Ist es also möglich, der Liebe noch eine Chance zu geben? Ich bin der Meinung: ja. Es hängt einzig und allein von dir ab.