Du schuldest niemandem Erklärungen, du musst nur mit dir selbst reinen Tisch machen

4. Januar 2017 en Psychologie 2304 Geteilt

Manchmal sind wir selbst unser strengster Richter. Wir sind gerechtigkeitsliebend, was unseren Verstand anbelangt, durchleuchten und verurteilen ihn unaufhörlich und verlangen Erklärungen. Da wir uns damit nicht zufriedengeben, ziehen wir meistens die Möglichkeit in Betracht, dass uns andere bewerten oder verurteilen, und gehen dadurch das Risiko ein, dass ihre Meinungen und Urteile uns absolut unglücklich machen.

Du solltest nicht in deinem Umfeld nach Erklärungen und Antworten suchen, die nur du dir selbst friedfertig geben kannst. Wer mehr darauf achtet, was andere sagen, was ihm fehlen würde, der ist weit davon entfernt, zu wissen, was er braucht. Es ist doch so, dass ein reines Gewissen und ein belagerter Verstand weder Zeit noch Lust dazu haben, sich in das Leben anderer einzumischen, und selbstsichere Menschen erlauben auch niemandem, das zu tun.

Du solltest mit dir selbst reinen Tisch machen, aber nicht auf eine verurteilende, sondern auf eine offene und ehrliche Art und Weise. Nur wir selbst wissen, wieso wir so gehandelt, entschieden, uns gefreut oder gelitten haben. Das ist etwas Subjektives, Intimes, von dem nur unsere eigene Person etwas weiß.

Unser Leben, unsere eigenen Erklärungen

Manchmal behaupten wir, dass andere in der gleichen Situation genauso wie wir gehandelt hätten, aber in Wahrheit hat diese Aussage weder Hand noch Fuß. Der Vergleich mit dem Rest der Welt bringt rein gar nichts, wenn das, was wir eigentlich suchen, innerer Frieden und nicht die Bestätigung unseres sozialen Umfelds ist.

Was zur emotionalen Entwicklung beiträgt, ist die Suche nach dem Frieden mit uns selbst, nicht nach der Anerkennung anderer, die sich so sehr verändert und so subjektiv wie unsere ist.

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Wir müssen versuchen, dass uns unser Herz bei der schwierigen Aufgabe hilft, die unser Gedächtnis dabei hat, emotional zu verinnerlichen, was wir im Laufe unseres Lebens erlebt haben. Wir müssen vermeiden, die Kohärenz in all dem zu suchen, was wir getan haben, einer Tat einen Stempel aufzudrücken, um herausfinden zu können, ob unsere Taten die Suche nach einem Grund, einem Gefühl, oder einem Wunsch, eine Niederlage, eine Kritik oder Schmerzen zu vermeiden, ans Tageslicht bringen.

Hin und wieder gibt es für unsere Geschichte eine Vielzahl an Interpretationen und Vermutungen, aber es geht immer um ein und dasselbe: Es geht darum, Ängste zu überwinden, der Unterdrückung zu entkommen, gegen den Strom unserer Traumata und Geister zu schwimmen, die Liebe zu suchen und Einsamkeit zu vermeiden.

Wenn das Leben nicht immer kohärent und gerecht ist, verlangen wir Erklärungen. Doch bei allen anderen ist das auch nicht der Fall, daher sind für uns nur unsere eigenen Meinungen wertvoll.

Erklärungen müssen von mir kommen, denn nur so werden sie helfen, etwas zu erklären, das mich stets belastet hat. Meine eigenen Fragen verdienen meine eigenen Antworten.

Reinen Tisch mit sich selbst zu machen, bedeutet nicht, sich zu bestrafen, sondern Frieden mit sich selbst zu schließen

Es gibt etwas, das wir fast alle in uns tragen: die Erinnerung an eine schöne Zeit, die Spur eines Erfolgs, der unmöglich erschien, viele aufregende und bedeutungsvolle Tage. Auch wenn wir viele hoffnungslose und scheinbar sinnlose Tage erleben, haben wir alle schöne Erinnerungen, die uns stolz auf uns selbst machen.

Es ist praktisch unmöglich, dass alles, was ein Mensch erlebt hat, negativ war. Manchmal hast du das Gefühl, dass dein Leben einen Sinn hat, nur weil du einen kleinen Spaziergang am Strand machst und dich dabei frei fühlst. Leidenschaft, die du in der Vergangenheit erlebt hast, ist für dich der beste Beweggrund, dich zu verbessern, zu wachsen und weiterzuentwickeln.

Frieden mit sich selbst zu schließen, bedeutet, etwas im Stillen mit sich auszumachen, ohne dass das andere mitbekommen oder dich hören können. Inneren Frieden zu finden, bedeutet, sich selbst den Kopf zu waschen, ohne dass es uns so sehr verletzt, dass es uns unmöglich wäre, etwas Neues und Gutes in unserem Inneren entstehen zu lassen. Denn wir wissen etwas nicht einfach so, sondern wir lernen es durch unsere Erfahrungen. Denn fliegen zu können, heißt, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und zu wissen, wie du deine Flügel bewegen musst, um in die Luft zu kommen.

Denn niemand weiß, was du willst oder kann erahnen, was du brauchst. Mit sich selbst reinen Tisch zu machen, ist ein Foto von früher anzuschauen und dir dabei zu denken, dass du damals noch nicht wusstest, was du von anderen erwarten solltest, aber du hast dir schon denken können, was du dir für dich selbst wünschst.

Ohne Filter und ohne Enttäuschungen bedeutet inneren Frieden zu finden, zu wissen, dass das, was dir als Kind Angst machte, deine heutigen Werte bestimmt und du deswegen weiterhin kämpfst und  Enttäuschungen hinter dir lässt, komme was wolle.

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Manchmal sind die Enttäuschungen, verursacht dadurch, dass wir nicht ganz ehrlich zu uns selbst waren, der Motor, der uns antreibt, um derjenige sein zu können, der wir schon immer sein wollten: eine mutige Person, die für das, was sie möchte, kämpft; etwas riskiert, ohne Angst davor zu haben, zu verlieren; und die sich bewusst darüber ist, dass das, was sie einsetzt, nicht weniger wert ist, als das, wonach sie strebt.

Wenn dich die Meinungen deiner Mitmenschen nicht definieren, dann sollten sie für dich nicht mehr wert sein als deine eigenen Taten. Es gibt kein bestimmtes Alter, um von null zu beginnen, und auch keine festgeschriebene Anzahl an Niederlagen, die uns daran hindert, weiterzumachen. Es ist nicht wichtig, wie lange du gebraucht hast, wenn du am Ende herausgefunden hast, was du wirklich willst. Versteife dich nicht zu sehr auf die Meinung anderer und konzentriere dich mehr auf das, was dich erfüllt. Dein Leben und das deiner Liebsten werden es dir danken.

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