Drei große moralische Dilemmata

18 August, 2020
Moralische Dilemmata sind nicht nur eine philosophische Angelegenheit. Tatsächlich können sie nämlich auch im täglichen Leben und für die großen Ereignisse der Menschheit angewendet werden. Lass uns im Folgenden mehr darüber erfahren.
 

Moralische Dilemmata sind paradoxe Situationen, in denen ein Widerspruch der Werte besteht. In diesen Szenarien verursachen die Handlungen eines Individuums immer Schaden. Was wir dabei bewerten sollten, ist, welche Option weniger Schaden verursacht und/oder welche der Alternativen eine größere ethische Kohärenz aufweist.

Eines der bekanntesten moralischen Dilemmata ist das Zug-Dilemma. In dieser prekären Lage fährt ein Zug mit voller Geschwindigkeit. Während der Fahrt merkst du, der Zugführer, dass fünf Personen an die Schienen gebunden sind. Du hast jedoch die Möglichkeit, einen Knopf zu drücken, um die Route des Zuges auf ein Nebengleis abzuändern. Der Haken dabei ist, dass eine weitere Person an die Schienen des Nebengleises gebunden ist.

In diesem Fall hängt das Dilemma davon ab, was zu tun ist. Die Debatte dreht sich darum, ob es moralisch besser ist, den Zug seinen Kurs laufen zu lassen und fünf Menschen zu töten oder absichtlich zu entscheiden, die Einzelperson zu töten, die auf dem Nebengleis angebunden ist.  Wenn die Dinge ihren normalen Lauf nehmen würden, würde diese Person nicht sterben. Doch wer auch immer sich dazu entscheiden würde, den Knopf zu drücken, würde den Tod dieser Person verursachen.

Drei große moralische Dilemmata

Aus dieser hypothetischen Situation ist eine weitere Reihe moralischer Dilemmata hervorgegangen. Die bekanntesten sind der Mann auf der Brücke, die Schleife und der Mann im Garten. Lass uns im Folgenden sehen, worum es bei dem jeweiligen Dilemma geht.

 
Ein Dilemma ist eine prekäre Situation in der die Handlungen eines Individuums immer Schaden anrichten.

1. Der Mann auf der Brücke

„Der Mann auf der Brücke“ ist eines der moralischen Dilemmata, die sich aus dem Zug-Dilemma ergeben haben. Die Situation ist dem Ursprungsdilemma ziemlich ähnlich. Es gibt einen Zug, der auf fünf Personen zusteuert, die an die Gleise gebunden sind. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, ein Gewicht vor den Zug zu werfen und ihn auf diese Weise anzuhalten, bevor er die angebundenen Personen erreicht.

Die einzige Möglichkeit ist jedoch die, dass sich ein fettleibiger Mann auf einer Brücke über den Gleisen befindet. Wenn er vor den Zug geworfen würde, könnte er ihn stoppen und verhindern, dass die anderen fünf Menschen ihr Leben verlieren. Was ist die beste Vorgehensweise? Der Unterschied besteht in diesem Fall darin, dass du eine aktive Aufgabe ausführen musst, die das Leben einer Person absichtlich beendet.

Die utilitäre Ethik zeigt, dass der entscheidende Faktor die Anzahl der Opfer ist. Dies bedeutet, dass es sich lohnt, ein Leben zu opfern, um fünf Leben zu retten. Die humanistische Ethik weist jedoch auf etwas anderes hin. Der Mann an der Straße macht von seinen Rechten uneingeschränkt Gebrauch. Eines davon ist das Recht zu leben und daher nicht als Mittel zur Rettung anderer zu dienen.

 

2. Die Schleife, eines der größten moralischen Dilemmata

Innerhalbe des Rahmens moralischer Dilemmata ähnelt „Die Schleife“ dem ursprünglichen moralischen Dilemma. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass die Nebenstrecke, an der eine Person gefesselt ist, eine Schleife ist. Und diese führt stets zum Ausgangspunkt, dem Hauptgleis mit fünf gefesselten Personen, zurück.

In diesem Fall kannst du wieder einen Knopf drücken und den Zug so steuern, dass er auf die Schleife ausweicht. Dort ist ein starker, muskulärer Mann gefesselt, der den Zug anhalten könnte, bevor dieser die anderen fünf Opfer erreicht. Was würdest du tun?

Das klassische Zug-Dilemma besagt, dass es nur zwei Wege gibt: den einen oder den anderen. Im Fall der Schleife gibt es eine kleine Änderung, die eine überlegte Entscheidung beinhaltet. Grundsätzlich würde ein Mann bewusst als Hindernis eingesetzt, um fünf Menschen zu retten.

In diesem Fall kannst du wieder einen Knopf drücken und den Zug so steuern, dass er auf die Schleife ausweicht.

3. Der Mann im Garten

Das dritte moralische Dilemma, das wir in diesem Artikel erwähnen werden, ist „Der Mann im Garten“. In diesem Fall ist die Situation die gleiche wie im Original. Die einzige Möglichkeit, den Zug umzuleiten, besteht darin, ihn zu entgleisen. Infolgedessen würde der Zug einen Steilhang hinunterrollen und dann in einen Garten fallen, in dem sich ein Mann in seiner Hängematte ausruht.

 

Das heißt, wenn du dich dazu entscheidest, die Entgleisung zu aktivieren, ist die Person, die am Ende sterben würde, eine Person, die nichts mit der Situation zu tun hat und die am Ende das Opfer einer vollständig externen Entscheidung wäre.

Moralische Dilemmata: Fazit

Der Haken an all diesen moralischen Dilemmata ist der Widerspruch. Du tust entweder einer größeren Anzahl von Menschen etwas Gutes oder ergreifst Maßnahmen, die gegen wesentliche Rechte verstoßen.

Eine Studie, die von Guy Kahane von der Universität Oxford in Großbritannien durchgeführt wurde, ergab, dass Menschen, die kein Problem damit haben, jemanden einen schweren Schaden zuzufügen, um andere Menschen zu retten, unsozial sind. Darüber hinaus kamen sie auch zu dem Schluss, dass diese Menschen, im Umgang mit anderen, weniger vorsichtig sind und es ihnen wenig oder gar nichts ausmacht, wenn sie anderen Schaden zufügen.

 

Xibeca, G. (1995). Los dilemas morales. Un método para la educación en valores. Orientación, tutoría y psicopedagogía, 91.