Donald Redelmeier über den Einfluss des Mondes

20 Juni, 2020
Einige Daten, die Donald Redelmeier in seinen Studien erhoben hat, unterstützen die Annahme, dass sich bei Vollmond mehr Verkehrsunfälle ereignen. Auch die Psychiater Wehr und Avery haben Hinweise auf einen weiteren Einfluss gefunden, den der Mond haben könnte.
 

Die wissenschaftliche Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlichte einige Studien von Donald Redelmeier über die Auswirkungen des Mondes. Gemäß dieser Studien erhöht sich bei Vollmond die Anzahl tödlicher Verkehrsunfälle. Zu diesem Ergebnis kam der Wissenschaftler, nachdem er eine Reihe von Daten aus verschiedenen Ländern erhoben und analysiert hatte.

Die Studien von Donald Redelmeier erschienen in der Weihnachtsausgabe der besagten Fachzeitschrift. Diese Ausgaben erscheinen einmal jährlich und berichten über lustige, bemerkenswerte und überraschende Forschungen, die stets auf wissenschaftlichen Fakten basieren.

Die Menschen kennen den Zauber des Mondes schon seit sehr langer Zeit. Auch heute noch inspiriert er Dichter, Liebende und Wissenschaftler gleichermaßen. Der Mond scheint in der Nacht wie eine Oase in der Mitte eines großen Mysteriums. Aber hat er wirklich einen derartigen Einfluss auf Menschen, dass dieser zu tödlichen Unfällen führt? Die Studien von Daniel Redelmeier scheinen genau das zu beweisen.

 

“Es gibt Nächte, in denen die Wölfe schweigen und nur der Mond heult.“

-George Carlin-

Donald Redelmeier - Vollmond hinter Wolken

Die Studien von Donald Redelmeier

Die Studien von Donald Redelmeier haben eine statistische Grundlage. Der Wissenschaftler, der Forscher an der Universität von Toronto ist, hat gemeinsam mit seinem Kollegen Eldar Shafir, einem Forscher der Princeton Universität, eine besondere Untersuchung durchgeführt. Die beiden analysierten Verkehrsunfälle, die sich zwischen 1975 und 2014 in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Großbritannien und Australien ereigneten.

Sie suchten nach Mustern und selbstverständlich fanden sie diese auch. Allerdings fanden sie nicht diejenigen, die sie erwartet hatten. Aufgrund ihrer Analysen fanden sie heraus, dass die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle, und demzufolge auch die Zahl der verletzten und verstorbenen Menschen, in Vollmondnächten zuzunehmen schien.

 

Ihren Daten zufolge gab es während ihres Untersuchungszeitraumes 988 Nächte, in denen es keinen Vollmond gab. In dieser Zeit ereigneten sich 8.535 Verkehrsunfälle mit durchschnittlich 8,64 Todesfällen pro Nacht.

Im gleichen Zeitraum ereigneten sich in den 494 Vollmondnächten 4.494 Verkehrsunfälle mit durchschnittlich 9,1 Todesfällen pro Nacht. Darüber hinaus stieg dieser Durchschnitt während der sogenannten „Supermonde“ sogar auf 10,6 Todesfälle pro Nacht an.

Die Forscher schrieben diese erhöhten Zahlen dem „Zauber des Mondes“ zu. Tatsächlich fanden sie heraus, dass viele Fahrer von der Schönheit des Mondes so verzaubert waren und sich ablenken ließen. Und dies wiederum führte zu mehr Unfällen.

Donald Redelmeier: Der Einfluss des Mondes

Donald Redelmeiers Studien sind eine anekdotische Möglichkeit, die Frage zu beantworten, die sich Menschen seit Tausenden von Jahren stellen. Welchen Einfluss hat der Mond auf unser Verhalten? Die Legende vom „Werwolf“ ist eine fantasievolle Art, diese Frage zu beantworten: die animalischsten Instinkte eines Menschen kommen beim Vollmond zum Vorschein.

 

Dennoch gibt es nach wie vor viele Menschen, die jenseits dieser Fantasie den Einfluss des Mondes auf das Verhalten der Tiere postulieren. Darüber hinaus war auch Aristoteles davon überzeugt, dass Anfälle von Wahnsinn und Epilepsie in direktem Zusammenhang mit den Mondphasen auftraten. Auch Plinius der Ältere, ein römischer Naturforscher, unterstützte diese Hypothese vollumfänglich.

Der englische Begriff „lunatic“ (auf Deutsch: Irrer, Wahnsinniger), der sich vom lateinischen Wort luna (Mond) ableitet, gehört zum allgemeinen Wortschatz und beschreibt abrupte Verhaltensänderungen, insbesondere in Vollmondnächten. Darüber hinaus gibt es diesbezüglich zahlreiche wissenschaftliche Studien. Allerdings sind die meisten dieser Studien nicht vollkommen konsistent, bis auf eine.

Donald Redelmeier - Vollmond am Horizont
 

Eine interessante Untersuchung

Der Psychiater David Avery aus Großbritannien hatte einen ganz besonderen Patienten. Er hatte eine bipolare Störung. Darüber hinaus war er sehr methodisch und hatte eine Leidenschaft für wissenschaftliche Forschungen. Daher dokumentierte er seine extremen Stimmungsschwankungen sehr akribisch. Als Harvey dann die Aufzeichnungen seines Patienten studierte, bemerkte er, dass dessen Schlafschwankungen mit den wechselnden Mondphasen einhergingen.

Allerdings erschien dem Psychiater diese Schlussfolgerung irgendwie absurd und daher befasste er sich nicht weiter mit dieser Thematik. Dann veröffentlichte ein weiterer bekannter Psychiater, Thomas Wehr, einen Artikel, in dem er feststellte, dass 17 Patienten mit einer bipolaren Störung eine sehr auffällige Regelmäßigkeit ihrer Stimmungsschwankungen aufwiesen. Außerdem fielen ihre Stimmungsschwankungen mit den Mondzyklen zusammen. Diese Studie basierte auf Beobachtungen, die er über mehrere Jahre gemacht hatte.

 

Daraufhin trafen sich diese beiden Psychiater und begannen, gemeinsam an dem Thema zu arbeiten. Nach einer Weile präsentierten sie ihre Schlussfolgerungen in verschiedenen Foren. In der Tat sind ihre Ergebnisse aus empirischer Sicht richtig. Es besteht tatsächlich eine Koinzidenz. Allerdings argumentieren andere Wissenschaftler, dass es noch weitere Faktoren gibt, die dieses Phänomen beeinflussen und dass diese bisher noch nicht identifiziert wurden.

Darüber hinaus lehnt es ein Großteil der wissenschaftlichen Gemeinschaft ab, ernsthaft den Zusammenhang zwischen dem Mond und dem Verhalten in Erwägung zu ziehen, da es keine physischen Grundlagen gibt, die dies belegen könnten. Außerdem sind Wehrs und Averys Daten nicht replizierbar. Daher sind definitiv noch weitere Studien erforderlich, um neue und gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen.

 

Avella-García, C. B. (2010). Evidencia sistemática vs. creencias o conocimiento popular: el caso de la Luna y la patología psiquiátrica. Revista Colombiana de Psiquiatría, 39(2), 415-423.