David Hume: Biografie und Werk

· 16. März 2019

Die Philosophie ist jene Disziplin, die seit der Antike danach strebt, die Geheimnisse zu lüften, die unser Leben, unsere Welt und die Gründe unserer Existenz umgeben. Bevor wir die Wissenschaften kannten, hatte die Menschheit bereits versucht, diese komplexen Fragen zu beantworten. Zuerst entstanden Mythen, Ideen über die Schöpfung, und dann, mit der Geburt der Philosophie, nahmen mehr oder weniger objektive Überlegungen ihren Lauf.

Die erste Philosophie suchte nach einem Grund für unsere Existenz und die Natur der Welt; sie versuchte, eine Antwort auf das zu geben, was der Ursprung ist. Der Lauf der Zeit und die Fortschritte in den unterschiedlichsten Bereichen führten die Philosophie zu verschiedenen Zweigen und später zu verschiedenen Disziplinen. Die Philosophie ist damit auch der Vorläufer der Psychologie.

In diesem Sinne war David Hume einer der großen Philosophen, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Dieser Autor betonte die Bedeutung von Lernen, Gewohnheiten und dem Mangel an angeborenem Urwissen. Offensichtlich erreichte diese Haltung großen Einfluss und selbst ein Jahrhundert später, als die Psychologie bereits mehr oder weniger konsolidiert und differenziert war, hatte sie ihn nicht verloren.

Um die Philosophie von Hume zu verstehen, ist es wichtig, ihre Fundamente zu kennen. So entstanden in der Renaissance zwei gegensätzliche philosophische Strömungen, die mit dem Wissen verbunden waren. Die eine war der Rationalismus, eine Theorie, die verteidigte, dass der Mensch mit bestimmten als universell geltenden Wahrheiten geboren werde, aus denen die Realität interpretiert werde. Am anderen Ende des Spektrums stand die zweite Strömung: die der Empirie. Der Empirismus beschreibt, dass wir nur durch Erfahrung lernen, da wir kein Wissen besitzen, das als angeboren gelte.

Zu diesem Zeitpunkt war einer der größten Vertreter des Empirismus zweifellos David Hume. In diesem Artikel wollen wir die Schlüssel zu seinem Denken, seinem Leben und seiner Arbeit aufarbeiten.

Zahnräder im Kopf

David Hume: sein Leben

David Hume wurde 1711 in Edinburgh (Schottland, Vereinigtes Königreich) geboren. Er stammte aus einer reichen Familie; sein Vater war Anwalt, aber er starb, als Hume noch ein Kind war. Aus diesem Grund wurde auch von ihm erwartet, dass er Jura studierte und in die Fußstapfen seines Vaters trat. Hume studierte am Edinburgh College und erhielt Unterricht von Schülern Isaac Newtons.

Später ging er in die Edinburgh University, um auf Wunsch seiner Familie Jura zu studieren. Allerdings gab er dieses Studium auf, weil es ihm nicht gefiel. Später zog er nach Bristol (England, Vereinigtes Königreich) und versuchte dort, sich im Handel durchzusetzen. Aber nach einer Krise äußerte er seine „unüberwindliche Abneigung gegen alles außer Philosophie und Wissen im Allgemeinen“.

Jahre später reiste er nach Frankreich, wo er zwischen 1735 und 1737 lebte, zuerst in Reims und dann in der heutigen Sarthe, früher bekannt als La Flèche. An diesen Orten schrieb er Ein Traktat über die menschliche Natur das er bei seiner Rückkehr nach England veröffentlichte und in dem bereits der Keim für seine spätere Philosophie steckte. Die Veröffentlichung war jedoch ein Misserfolg, was seine Rückkehr nach Schottland begründete.

Während seines neuerlichen Aufenthalts in Edinburgh veröffentlichte er 1742 den ersten Teil seines Werkes Essays Moral and Political  (zu Deutsch: Moralische und politische Essays,  nicht auf Deutsch verfügbar),  mit dem er, im Gegensatz zu seinem Erstlingswerk, einen beachtlichen Erfolg erzielte. Später bekleidete er verschiedene Positionen: Er war Lehrer des Marquis von Annandale, Sekretär des Generals St. Clair und Bibliothekar der Edinburgh Bar Association.

1763 trat er mithilfe von Lord Hertford in die Botschaft in Paris ein. In dieser Stadt knüpfte er Beziehungen zu Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, Denis Diderot und Jean-Jacques Rousseau. Sein Aufenthalt in der französischen Hauptstadt dauerte bis 1769, als er beschloss, endgültig nach Edinburgh zurückzukehren, um sich bis zu seinem Tod 1776 dem Schreiben zu widmen.

Gedanken von David Hume

„Die Schönheit der Dinge existiert im Geist derer, die sie betrachten.“

David Hume

Um David Humes Denken kennenzulernen, wollen wir uns zunächst seiner Arbeit widmen und versuchen, die empirische Theorie zu definieren, die er immer verteidigt hat. Der Empirismus basiert auf einer Reihe von Prinzipien:

Es gibt kein angeborenes Wissen

Der Mensch wird nicht mit Gedankengängen und Vorkenntnissen geboren, die vorgeben, wie wir die Realität interpretieren sollen. Für den empirischen Strom ist alles, was wir über die Realität wissen, die Frucht gelebter Erfahrungen.

Erfahrungen können innerlich oder äußerlich sein, d. h. sie können aus der Reflexion und Kenntnis des Innenlebens oder im Gegenteil aus den Empfindungen und Wahrnehmungen, die die Welt liefert, stammen. Für Empiriker gibt es nichts vor der Erfahrung und alle Kenntnis entstammt der Interaktion mit der Welt; der Geist ist wie eine Tabula rasa, ein leeres Blatt Papier, auf dem das nach und nach erworbene Wissen geschrieben wird.

Diese Ideen, die in Hume sehr präsent waren, folgen denen anderer empirischer Autoren wie John Locke. Sie unterscheiden sich jedoch in den Grenzen der Erfahrung. Während Locke glaubte, dass das Wissen über Realitäten jenseits der Sensibilität zugänglich sei, wies Hume darauf hin, dass unter Berücksichtigung der Natur der Erfahrung das Wissen auf unsere Wahrnehmungen reduziert würde.

Es gibt zwei Arten von Wissen

Nach Hume gebe es zwei Arten von Wissen: einerseits Eindrücke, d. h. Gedanken, die aus Erfahrungen entstehen, die wir durch die Sinne leben; andererseits finden wir Ideen, die abstrakt und mehrdeutig sind, weil sie nicht durch körperliche Empfindungen entstehen.

Mit den Augen nehmen wir unsere Umwelt wahr

Alles entstammt jedoch der Wahrnehmung. Eindrücke sind die unmittelbare Erkenntnisfolge der Wahrnehmung. Ideen werden aus Eindrücken abgeleitet und sind deshalb komplexer. Hume spricht auch von dem Konzept der Fantasie, die in der Lage ist, Ideen zu modifizieren.

Es gibt zwei Arten von differenzierten Aussagen

Hume beschrieb zum einen mehr oder weniger wahrscheinliche Aussagen, die sich aus einem Ereignis ergeben, das in einem bestimmten Raum und einer bestimmten Zeit eintreten kann oder auch nicht. Sie sind nur schwer nachzuweisen bzw. zu widerlegen. Zum Beispiel die Aussage: „An irgendeinem Tag könnte die Sonne nicht aufgehen.“   Jeden Tag geht die Sonne auf und wir wissen es, weil wir diese Kenntnis durch Wahrnehmung erworben haben. Andererseits spricht er von demonstrativen Aussagen, die aufgrund ihrer logischen Struktur problemlos belegt werden können, z. B.: 4 + 4 = 8.

Und beide sind diejenigen, die unsere Gewohnheiten aufbauen lassen, diejenigen, die unsere Lebensweise bestimmen werden, auch wenn sie nicht genau die gleichen sind wie die Realität. Diese Grundprinzipien finden wir in seinen Hauptwerken wieder: Ein Traktat über die menschliche NaturEine Untersuchung über den menschlichen Verstand  und Essays Moral and Political.

Zahnräder aus dem Kopf

David Hume und Psychologie

Kurz gesagt, David Hume ist nach wie vor einer der wichtigsten Autoren des Empirismus. Ein Autor, dessen Beitrag zur Philosophie grundlegend war, um diese Strömung zu festigen und zu perfektionieren. Die Theorie des Wissens ist einer der Bereiche der Philosophie, die am meisten mit der Psychologie verbunden sind. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Autor wie Hume die Psychologie derart stark beeinflusst hat.

Für Hume, wie für die aktuelle Psychologie, werden wir nicht mit Gedanken und Emotionen geboren, sondern sie werden im Rahmen der Erfahrungen erworben und entwickelt, die jeder Mensch lebt. Diese Hypothese schließt jede Art von Innatismus aus und stärkt die Idee des menschlichen Lernens. Hume ist zweifellos ein Autor, der uns einlädt, über unsere Wahrnehmungen und unsere Art, die Welt zu verstehen, nachzudenken.

  • Hume, D. (2004). Investigación sobre el entendimiento humano(Vol. 216). Ediciones AKAL.
  • Hume, D. (2000). Tratado de la naturaleza humana. El Cid Editor.
  • Hume, D., & Mellizo, C. (1985). Mi vida. Cartas de un caballero a su amigo de Edimburgo: Cartas de un caballero a su amigo de Edimburgo (1745). Alianza Editorial Sa.