Die traurigen Elefanten: eine wahre Geschichte

30. Juni 2019
Die Protagonisten in der Geschichte der traurigen Elefanten sind Lawrence Anthony, ein afrikanischer Naturschützer, und eine Gruppe rebellischer Elefanten, mit denen er lebte und sprach, als wären sie Menschen.

Die Geschichte der traurigen Elefanten ist eine jener wahren Begebenheiten, die unser Vorstellungsvermögen herausfordern. Insbesondere das Ende dieser Geschichte ist auch heute noch unerklärlich. Lies weiter, um mehr darüber zu erfahren.

Alles beginnt mit einem Mann namens Lawrence Anthony, der 1950 in Südafrika geboren wurde. Er war der Sohn eines wohlhabenden schottischen Bergmanns, der sein Heimatland verließ, nachdem er sich in Afrika verliebt hatte. Lawrence erbte von seinem Vater sowohl das Bergbaugeschäft als auch die Liebe zur Natur.

Lawrence Anthony wurde Biologe und dann Naturschützer. Schließlich stellte er fest, dass er eine besondere Schwäche für Elefanten hatte, eine der am stärksten gefährdeten Arten der Welt. Deshalb widmete all seine Arbeit dem Schutz dieser hochintelligenten Tiere. So beginnt die Geschichte der traurigen Elefanten.

„Unsere perfekten Begleiter haben nie weniger als vier Füße.“

Kolette

Zwei traurige Elefanten.

Die traurigen Elefanten

Bevor wir mit der Geschichte von Lawrence Anthony fortfahren, möchten wir diesen wunderbaren Tieren ein paar Worte widmen. Elefanten sind durch ihre Auftritte in Zirkusshows berühmt geworden, doch sie zeichnen sich durch außergewöhnliche Fähigkeiten aus, die noch immer wenig bekannt sind.

Tatsache ist jedoch, dass ihre evolutionäre Intelligenz mit der von Schimpansen und Delfinen vergleichbar ist. Von allen Landtieren bestitzt der Elefant das größte Gehirn. Er glänzt nicht nur durch ein beeindruckendes Gedächtnis, sondern auch durch ein hochentwickeltes Sozialverhalten. 

Sie gehören zu den wenigen Tierarten, die um ihre Toten trauern. Elefanten drücken ihren Kummer durch kleine Bestattungsrituale aus, wenn ein Artgenosse stirbt. Der Elefant muss dabei nich einmal aus der eigenen Gruppe kommen. Wenn sie eine Leiche oder Knochen von anderen Elefanten finden, bleiben sie immer eine Weile dort. Was auch immer passiert ist, sie umgeben den Ort des Geschehens mit einer Art Gedenkfeier.

Die traurigen Elefanten in Gefahr

Kehren wir jetzt zu Lawrence Anthony zurück. Sein Name wurde im Jahr 1999 berühmt. In einem kleinen Dorf namens Zuzulanda unterbreitete die Regierung einen ungewöhnlichen Vorschlag. Sie wollten jemandem, der sich um eine Herde Elefanten kümmern würde.

Es gab jedoch ein Problem. Die Gruppe der Elefanten war nicht zahm, vielmehr handelte es sich um recht wilde Tiere. Sie zerstörten Dinge, liefen weg und verhielten sich alles andere als sozial.

Lawrence Anthony entschied sich, diese Herausforderung anzunehmen. Also adoptierte er die Elefantenherde und zog mit ihnen in das von ihm errichtete Elefantenreservat. Der Name des Reservats lautet Thula Thula, was „Frieden und Ruhe“ bedeutet.

Eines Tages bemerkte er, dass Nana, die Matriarchin des Rudels, eine der rebellischsten Elefanten war. Sie hatte Narben von Misshandlungen und lief davon, wann immer sie eine Fluchtgelegenheit hatte.  Also beschloss Lawrence, jede Nacht mit dem Rudel zu verbringen. Dabei waren auch sein Assistent David und sein Hund. Ein Zaun umgab das Land.

Jeden Morgen stellte sich Nana mit den anderen Elefanten an den Zaun. Ihre Absicht war es, den Zaun niederzureißen. Die Geschichte erzählt jedoch, dass Lawrence mit den traurigen Elefanten über die Gefahren gesprochen hatte, die außerhalb des Reservats zu fürchten waren.

Zuerst war es Nana, die eine gewisse Neugier gegenüber diesen Mann entwickelte. Später wurde aus dieser Neugierde und dem Interesse so etwas wie Liebe. So hörten die Tiere eines Tages auf, eine Herde rebellischer Elefanten zu sein, und freundeten sich mit ihrem Hüter an.

Eine Elefantenfamilie

Die traurigen Elefanten verabschieden sich

Lawrence gelang es, diese angeblich wilden Elefanten zu zähmen. Später nahm er sich auch noch anderer Elefanten an. Zum Beispiel rettete er während des Irak-Krieges mehrere Elefanten aus dem Zoo von Bagdad. Ebenso rettete er während des Kongo-Krieges weitere Elefanten. Später schrieb er mehrere Bücher über seine Erfahrungen. Ihn interessierte vor allem die Art und Weise, wie Elefanten kommunizieren.

Am 2. März 2012 starb Lawrence Anthony an einem Herzinfarkt. So kam es zu dem erstaunlichsten Ereignis in der Geschichte der traurigen Elefanten: Wie sich herausstellte, kamen die geretteten wilden Elefanten zwei Tage nach seinem Tod zu seinem Haus. Das Leittier führte beide Herden an. Insgesamt gingen somit 31 Elefanten mehr als 20 Kilometer dorthin, wo Lawrence gelebt hatte.

Sie gingen alle in einer Reihe, umringten das Haus und blieben zwei Tage dort, ohne zu essen oder zu trinken. Vielleicht war dies ihre Art, ihre Trauer auszudrücken, sich von ihrem großen Freund zu verabschieden. Am dritten Tag reisten sie mit derselben Feierlichkeit ab, mit der sie angekommen waren.

Niemand kann erklären, wie sie von Lawrence Anthonys Tod erfahren haben.

  • Marina, J. A. (1994). Teoría de la inteligencia creadora. Barcelona: Anagrama.