Die tibetischen Mönche, die die Wissenschaftler überraschten

05 November, 2020
Die tibetischen Mönche sind ein wiederkehrendes Thema in Spielfilmen. Manchmal werden ihnen auch übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Rätselhafterweise haben einige wissenschaftliche Studien tatsächlich Fähigkeiten bei ihnen entdeckt, die über die normalen Parameter hinausgehen.

Herbert Benson war ein Kardiologe und gefeierter Professor für Medizin an der Harvard University. Er verbrachte in den 1960er Jahren viel Zeit damit, östliche Kulturen zu studieren. Genau zu jener Zeit war dies für manche Menschen ein besorgniserregendes Thema. Daher wartete Benson auch bis nach Mitternacht, bevor er die 36 tibetischen Mönche in sein Laboratorium einschleuste.

Benson wollte selber herausfinden, wie viel Mythos und Wahrheit sich hinter den Geschichten verbargen, die die Menschen über die tibetischen Mönche erzählten. Bruce Lee war zu jener Zeit im Fernsehen allgegenwärtig. Darüber hinaus wurden transzendentale Meditierende als Menschen mit übermenschlichen Fähigkeiten angesehen. Allerdings war Benson ein Wissenschaftler. Daher glaubte er nichts, was sich nicht auch wissenschaftlich belegen ließ.

Was er in jener Nacht entdeckte, veränderte sein Leben nachhaltig. Tatsächlich hat er drei Jahre später ein Buch geschrieben, das zu einem Bestseller wurde: Die Entspannungsreaktion (Originaltitel: The Relaxation Response). Aber das war noch nicht alles, denn daraus entstand eine alternative Art der Medizin. Eine, die besagt, dass der Glaube heilen kann, da der Placebo-Effekt eine hohe therapeutische Kraft hat.

Die tibetischen Mönche - genießen den Ausblick

Was Benson über die tibetischen Mönche herausfand

Was Herbert Benson und sein Team herausfanden, war, dass die tibetischen Mönche in der Tat über Fähigkeiten verfügen, die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprachen.

Zum Beispiel konnte eine Gruppe dieser Mönche, die mit der Tummo-Technik meditierten, die Temperatur in ihren Händen um bis zu 8.3 °C erhöhen. Bisher gibt es keine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen, aber die Harvard Gazette hat dieses und die folgenden Experimente überprüft.

Darüber hinaus können die tibetischen Mönche ihre Körpertemperatur so stark erhöhen, dass sie mit ihrem Körper nasse Laken trocknen können. Aber das war noch nicht alles. Benson fand auch heraus, dass erfahrene Meditierende, die die Sikkim-Technik anwenden, ihren Stoffwechsel um bis zu 64 % verlangsamen können.

Einige theoretische Ansätze

Der Artikel “Ciencia y Meditación” (auf Deutsch: “Wissenschaft und Meditation”) von Professorin Ana María Krohn von der Antonio Nariño Universität besagt, dass es bisher mehr als 500 Studien über die physiologischen, psychologischen und soziologischen Auswirkungen der von den Traditionen der tibetischen Mönche inspirierten transzendentalen Meditation gibt.

Darüber hinaus erwähnt sie, dass die erste Studie darüber in den 1970er Jahren in der Fachzeitschrift Science publiziert wurde. Darin gibt der Autor an, dass sie einen anderen Bewusstseinszustand bei den Mönchen feststellen konnten.

Die Wissenschaft spricht über Träume, tiefe Träume und waches Bewusstsein. Doch offensichtlich gab es bei den Mönchen einen vierten Zustand, der aus einer Kombination von Ruhe und Achtsamkeit bestand.

Im Jahr 1971 schrieb Daniel Goleman, der Begründer des Konzeptes der multiplen Intelligenz, einen Artikel mit dem Titel “Unstressing” (auf Deutsch: Stressfrei oder Stress abbauen). Darin postulierte er die Existenz eines fünften Bewusstseinszustandes. Einer, in dem es nicht nur gleichzeitig Ruhe und Achtsamkeit, sondern auch noch Handlung gibt.

Die tibetischen Mönche - meditierender Mönch

Swami Rama

Die Frage der überlegenen Fähigkeiten tibetischer Mönche und anderer transzendenter Meditierender gehört zu den Themen, die sich immer an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion befinden. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich sowohl verifizierte Informationen als auch Mythen und Legenden finden lassen. Allerdings ist die Unterscheidung nicht immer ganz einfach.

Ein Beispiel dafür ist der Fall von Swami Rama. Er ist der Autor von Mein Leben mit den Meistern des Himalayas: Erfahrungen eines modernen Weisen und Yogi. Darin beschreibt er, dass tibetische Yogis und Mönche für mehrere Stunden still bleiben und schweben können.

Allerdings gibt es keine Beweise dafür, dass dies tatsächlich stimmt. Aber die Menninger-Stiftung hat einige Studien an ihm durchgeführt.

Die Ärzte Elmer und Alyce Green studierten seine “Kräfte”. Ihre Ergebnisse zeigten, dass Rama in seinen wachen Momenten die gleichen Gehirnwellen wie im Schlaf erzeugen konnte. Außerdem beobachteten sie, dass er bewusst für 17 Sekunden das Pumpen seines Herzens gestoppt hatte, ohne dass es aufhörte zu schlagen.

Obwohl die Medien dieses Phänomen zu jener Zeit publizierten, verfolgten sie dieses Thema dann nicht mehr weiter. Aber die Resultate der Studien wurden in Beyond Biofeedback (deutscher Titel: Biofeedback, eine neue Möglichkeit zu heilen) von Elmer und Alyce Green veröffentlicht.

Vielleicht ist all das nicht mehr als ein ziemlich raffinierter und genialer Betrug. Oder vielleicht ist der Geist einfach unglaublich wunderbar und Menschen beginnen eben erst, ihn zu entdecken.

Giuffra, L. (2009). El Monje y el Psiquiatra: Una conversación entre Tenzin Gyatso, el 14o. Dalai Lama, y Aaron Beck, fundador de la Terapia Cognitiva. Revista de Neuro-Psiquiatría, 72(1-4), 75-81.