Haruki Murakami: Biografie eines japanischen Schriftstellers, der die Welt eroberte

25. Mai 2019

Haruki Murakami ist einer von wenigen japanischen Autoren, denen es gelungen ist, die ganze Welt mit seinem einzigartigen Schreibstil zu begeistern. In seinen Büchern werden grundlegende Aspekte wie Einsamkeit, Angst oder Lieblosigkeit zu etwas Surrealem. Das schafft er durch viele verschiedene Symboliken und wunderbare Epiphanien von Träumen. Murakami ist Bestsellerautor und gleichzeitig ewiger Anwärter auf den Nobelpreis.

Wenn man zum ersten Mal in eines seiner Bücher eintaucht, passiert etwas Faszinierendes: Es überkommt einen das Gefühl, dass jede dieser Zeilen für einen selbst geschrieben worden seien. Und das gelingt Murakami, indem er Sehnsucht nach etwas erweckt, das wir irgendwann einmal erleben wollten, es aber nicht taten. Nur wenige Autoren schaffen es auf so einfache Weise, unser unbewusstes Universum zu berühren und uns zu bewegen.

Als Protagonisten wählt Murakami immer einen Beobachter aus. Eine Person, die sich mit dem beschäftigt, was sie umgibt: ein seltsamer Telefonanruf, eine Katze, die sich verlaufen hat, ein Portal zu einer anderen Dimension, in der eine Liebe verschwindet usw. Das Reich der Fantasie interagiert er in den Alltag, ohne jedoch dem magischen Realismus von Gabriel García Márquez zu verfallen, denn in seinen Werken erleben wir die ganze Geschichte wie in einer Traumwelt.

Wie Murakami selbst sagt, sei das Schreiben für ihn eine Art träumen. Tagträume zu pflegen. Auf den Seiten seiner Bücher öffnen sich uns zahlreiche Türen, um zu einer anderen Art von Bewusstsein hinabzusteigen, in eine Welt voller unterirdischer Schächte, in denen Tiere zu Propheten werden, in denen eine Sexualität herrscht, die fast immer als exorzierender Akt wirkt. Murakami ist der David Lynch der Worte, und das hat zur Folge, dass seine Kunst für die einen einzigartig, für die anderen einfach außergewöhnlich ist.

„Ich will nicht, dass sie meine Metaphern oder die Symbolik des Werkes verstehen; ich will, dass sie sich wie bei guten Jazzkonzerten fühlen, wenn die Füße nicht aufhören können, sich unter den Sitzen zum Rhythmus der Musik zu bewegen.“

Haruki Murakami

Haruki Murakami sitzt auf einem Boot am Meer

Biografie von Haruki Murakami, dem jazzliebenden Träumer

Haruki Murakami wurde 1949 in Kyoto, Japan geboren. Einer der Vorteile, die er in seiner Kindheit genoss, war zweifellos die kulturelle Offenheit seiner Eltern. Beide waren Lehrer für Literatur und somit hatte er von klein auf Zugang zu Büchern und Musik aus anderen Ländern. Er wuchs vor allem mit den klassischen nordamerikanischen Romanen der 1950er und 1960er Jahre auf und war schon immer von Jazz fasziniert.

Er studierte Literatur an der Waseda-Universität, war aber als Student nur selten in den Hörsälen anzutreffen. Sein Leben, das fast immer losgelöst von den traditionelleren japanischen Kanons war, richtete sich auf Musik und dieses nächtliche Universum aus, das im Inneren von Bars in Großstädten zu finden ist. Er arbeitete in einem Plattenladen und eröffnete später die Jazz-Bar Peter Cat  in Kokubunji, Tokio.

An der Universität lernte er seine spätere Frau Yoko kennen, mit der er seine Liebe zur Musik teilte und mit der er bis Anfang der 1980er Jahre auch gemeinsam die Bar führte. In diesem Jahrzehnt erschienen zudem die ersten Veröffentlichungen von Murakami. Seinen endgültigen Durchbruch feierte er im Jahr 1986 mit Tokyo Blues. Norwegian Wood Zu diesem Zeitpunkt schlägt er in seinem Leben ein neues Kapitel auf: Er verlässt Japan, um in Europa und den Vereinigten Staaten zu leben.

Dystopische Universen, Übersetzungen und ein Nobelpreis, den er nie bekam

1995 beschloss Haruki Murakami, vorübergehend nach Japan zurückzukehren. Den Entschluss dafür fasste er nach zwei einschneidenden Erlebnissen: dem Erdbeben in Kobe und dem Anschlag der religiösen Gruppe AUM Shinrikyo unter Einsatz von Saringas. Beide Katastrophen dienten später als Inspiration für seine bekannten Werke Untergrundkrieg: Der Anschlag von Tokyo  (1997) und Nach dem Beben  (2000).

Später kamen Werke wie Sputnik Sweetheart  (1999) hinzu, in dem er die Natur der Zuneigung untersucht und gleichzeitig die Geschichte vom Verschwinden von Sumire, einem jungen Schriftsteller, erzählt. Romane wie Kafka am Strand  (2002), Afterdark  (2004) oder 1Q84  (2009), sind ebenfalls Beispiele für seinen Ideenreichtum, der durch jene dystopischen Universen führt, die den Leser mitreißen.

Haruki Murakami vor einem großen Regal mit Schallplatten

Die von ihm verwendete Symbolik, seine Reflexionen und dieser Surrealismus packen und verwirren uns zugleich. Nur wenigen Autoren ist es gelungen, einen so besonderen Schreibstil zu kreieren, der viele Millionen Leser begeistern kann. Darüber hinaus ist Haruki Murakami einer der wenigen japanischen Bestsellerautoren. Jahr für Jahr wird erwartet, dass ihm der Nobelpreis verliehen wird, doch bisher ist das nicht eingetreten.

Bemerkenswert ist auch seine Tätigkeit als Übersetzer. Er übersetzt Werke von Schriftstellern, die er als seine Lehrer betrachtet, aus dem Japanischen ins Englische, darunter Raymond Carver, F. Scott Fitzgerald und John Irving. Er ist außerdem ein großer Katzenliebhaber und fasziniert von Sport, nimmt an Marathons und Triathlons teil.

Haruki Murakamis Schreibstil

Murakami ist kürzlich mit Die Ermordung des Commendatore in das Reich der Fiktion zurückgekehrt. Dieser riesige Roman, der in zwei Bänden erschienen ist, bringt uns erneut alltäglichen Themen näher, die auch in seinen früheren Werken präsent waren: Liebe, Einsamkeit, Arbeit usw. Wieder einmal stoßen wir auf seinen gewohnten Schreibstil, auf alternative Universen, rätselhafte Gestalten und einen fruchtbaren Nährboden für große Gefühle.

Die Buchhändler lieben ihn. Niemand sei wie Murakami, betonen sie. In seinem Herkunftsland sieht man ihn jedoch als einen Außenseiter an, der in der US-amerikanischen Kultur so stark geworden ist, dass er dort als „Pop-Autor“ betrachtet wird. In Osten und Westen fesselt er uns weiterhin mit seinen Werken. Der Grund dafür ist, dass man geradezu andächtig seine Werke verschlingt, weil seine Bücher zu lesen, wie Churchill sagen würde, ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium sei. Auf der einen Seite wundern wir uns, auf der anderen Seite sind wir fasziniert.

Haruki Murakami schaut nachdenklich nach oben

Bis heute wurden seine Bücher in 42 Sprachen übersetzt. Murakami feierte sogar Bestsellererfolge in Südkorea und China. Die Fähigkeit, das Empirische mit der Traumwelt zu vermischen, diese originellen Ideen, Geschichten mit übernatürlichen Elementen zu spicken, begeistert Millionen von Lesern in aller Welt. Denn trotz der Fremdartigkeit seiner Symbolik identifizieren wir uns alle mit diesen Bildern, mit jenen Realitäten, die von Zuneigung, Angst und Einsamkeit genährt werden.

Wir wissen nicht, ob ihm jemals der Nobelpreis verliehen wird. Murakami hat es jedoch geschafft, mit seinem Schreibstil, mit seiner Einzigartigkeit die Welt zu erobern. Damit hat er mehr als verdient, was das Ziel eines jeden Schriftstellers ist: die Bewunderung seiner Leser.

  • Mussari, Mark (2011). Haruki Murakami. Marshall Cavendish.
  • Sotelo Navalpotro, Justo (2013). Los mundos de Haruki Murakami. Izana Editores