Die Sturheit der Liebe – wenn die Teile auch mit Gewalt nicht zusammenpassen

9. Juli 2017 en Emotionen 360 Geteilt

Ich mag es nicht, etwas gar nicht erst zu versuchen oder beim ersten Anzeichen von Widerstand gleich aufzugeben. Ich lehne es ab, die Dinge von vornherein achselzuckend so hinzunehmen, wie sie sind. Es mag schwierig sein, aber ich werde mich wirklich darum bemühen, dass alles funktioniert. Vielleicht liege ich falsch. Vielleicht bin ich verwirrt und was ich als einen Versuch betrachte, alles zum Besten zu lösen, ist einfach nur die Sturheit der Liebe.

Liebe bedeutet Anstrengung und Aufopferung. Liebe ist nicht leicht, sie fordert Verzicht. Wie oft haben wir diese Art von Äußerungen schon gehört? Worte, die banal erscheinen, die aber fest in unserem Denken verankert sind. Plötzlich kämpfen wir für etwas, das unmöglich ist. Das bekommen wir beigebracht. Zu kämpfen, Krieg zu führen, bloß nicht nichtstuend die Arme zu verschränken. Aber diese Umstände sind uns nicht bewusst, weil wir befürchten, uns schlecht zu fühlen, weil wir uns nicht bemüht haben.  Und außerdem kann die andere Person nur so sehen, wie verliebt wir sind.

Doch die Sturheit der Liebe findet niemals ein gutes Ende.

Die Sturheit der Liebe verursacht große Katastrophen

Es gibt viele Paare, die nicht wissen, warum sie eines Tages aufwachen und sich plötzlich anders fühlen. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch flattern nicht mehr. Es ist genug Zeit vergangen, um mit den Idealen zu brechen und Hoffnungen sinken zu lassen. Jetzt sehen wir die Realität und fühlen uns entmutigt.

Manchen Menschen wird das erst dann bewusst, wenn schon viele Jahre vergangen sind. Wenn sie eine Familie mit Kindern haben. Eine glücklich Familie? Nach außen schien es immer so, aber in uns weist alles darauf hin, dass dem nicht so ist. Plötzlich kommen die Unterschiede stärker zum Vorschein. Ihr seid euch nicht ähnlich, aber das muss nichts Negatives sein. Was hatte es damit auf sich, dass sich Gegensätze anziehen?

Das war nur ein Spruch, der uns in die Katastrophe führt, dazu, an Lügen zu glauben, die mit der Wahrheit nichts zu tun haben. Die Tatsache, dass ihr zu unterschiedlich seid, treibt euch auseinander, statt euch näher zusammenzubringen. Wenn ihr zusammenlebt, schlechte Erfahrungen macht und euch in stressigen Situationen befindet, verwirrt euch das alles und auch wenn der Druck manchmal nachzulassen scheint, kommt doch wieder der Moment, in dem die Beziehung unerträglich scheint.

Manchmal kann die Vergangenheit Grund genug sein, nicht aufzugeben: „Wir haben doch nicht all diese guten und schlechten Zeiten miteinander erlebt, nur um jetzt das Handtuch zu werfen.“  Daran halten wir uns fest, um nicht zu verlieren, was wir einmal gewonnen haben. Um uns nicht wie ein Versager zu fühlen, um unserem Partner zu zeigen, dass wir ihn lieben und weiter mit ihm in die Zukunft blicken wollen. Wir weigern uns, zu akzeptieren, dass die Beziehung ihrem Ende zugeht. Aber zu versuchen, sie zu stärken und am Leben zu erhalten, egal wie, macht die Sache nur noch schlimmer.

Die jüngsten im Haus werden eher unangenehme Erfahrungen machen. Streits, Vorwürfe und viele weitere Momente, die aus der Sturheit resultieren, die nichts weiter als die schreckliche Angst davor darstellt, das Ende der Beziehung zu akzeptieren. Es ist vorbei und du bestreitest das. Aber die Teile passen nicht mehr zusammen und die Angst vor dem, was sich außerhalb jener Komfortzone befindet, in der du so viele Jahre gelebt hast, lähmt dich und drängt dich in einen Zustand der Trägheit.

Nicht zu kämpfen ist das Gleiche wie nicht zu wollen

Wir liegen falsch, wenn wir denken, dass es bedeute, dass uns die andere Person nichts mehr wert sei, wenn wir den Kampf aufgeben und die Situation so hinnehmen, wie sie ist. Das Gegenteil ist der Fall. Es zeugt von Reife, davon, dass man weiß, wann das Ende gekommen ist, und nicht um den heißen Brei herumreden möchte.

Jetzt wisst ihr, dass eure Teile nicht zusammenpassen, dass das vielleicht schon seit einiger Zeit so ist oder sogar schon immer so war. Die guten Absichten, die ihr zu Beginn hattet, verbargen eine Situation, die mit der Zeit ihr wahres Gesicht gezeigt hat. Ihr seid nicht kompatibel und das ist eben so.

Ihr könnt euch in einer abgestumpften Beziehung ertränken, in der ihr euch gegenseitig verletzt, ohne es zu wollen, weil die Umstände für alle unangenehm sind. Ihr werdet das Glück, nach dem ihr auf der Suche seid, nicht finden, und nach und nach wird euch diese Sinnlosigkeit verbittern.

Was passiert mit einem Puzzle, wenn dieses Stück nicht passt? So sehr wir auch versuchen, es mit Gewalt hineinzupressen, wir werden es nur verbiegen, knicken und seltsam aussehen lassen. Das wird auch mit deinem Partner passieren. Sorgen, Druck und Unbehagen werden dann die passendste Beschreibung für eure Beziehung sein.

In der Sturheit der Liebe wird es immer Verletzte geben. Die fehlende Akzeptanz der Realität führt zu einem wahrhaftig schmerzhaften Misserfolg. Das Ende der Beziehung dagegen ist nicht notwendigerweise ein Misserfolg.

Habe keine Angst davor, dass alles schiefläuft. Die Dinge entwickeln sich nicht immer so, wie wir es möchten, und manchmal verändern sie sich dann, wenn wir es am wenigsten erwarten. So ist eben das Leben und auch Beziehungen sind so. Unvorhersehbar und veränderlich, aber wir können eine Menge aus ihnen lernen. Lass diese Sturheit der Liebe beiseite und akzeptiere, dass nicht immer alles so sein kann, wie du es dir wünschst. Aber denke vor allem niemals, dass das heißt, dass dir die Person niemals etwas bedeutet hätte.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von David Hockney, Timothy Clark, Gordon Johnson

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