Die Neurowissenschaft des Glücks: das Gehirn und die positiven Emotionen

14. März 2019

In den letzten Jahren sind mehrere Studien durchgeführt wurden, die sich auf die sogenannte Neurowissenschaft des Glücks beziehen. In der Tat haben Neurowisssenschaftler und Psychologen erst vor wenigen Jahren damit begonnen, die mit den Komponenten des Glücks in Verbindung stehenden Zustände des Gehirns zu untersuchen und deren Beziehungen zu unserem Wohlbefinden zu betrachten.

Während dieser Jahre hat die Forschung gezeigt, dass unsere Erfahrungen unser Gehirn im Laufe der Zeit verändern und unser gesamtes Nervensystem modulieren. Dies gilt sowohl im angenehmen als auch im unbequemen Sinne.

Derzeit konzentrieren sich die Forscher im Gebiet der Neurowissenschaft des Glücks insbesondere darauf, wie wir diese Plastizität des Gehirns nutzen können, um mehr positive Emotionen zu kultivieren und aufrechtzuerhalten.

Positive Emotionen: der Schlüssel zum psychischen Wohlbefinden

Die Fähigkeit, eine positive Emotion aufrechtzuerhalten, ist eine Schlüsselkomponente des psychologischen Wohlbefindens. Die Vorteile positiver Emotionen wurden bereits gut dokumentiert. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass sie die körperliche Gesundheit verbessern, Vertrauen und Mitgefühl fördern und Symptome von Depressionen lindern. 

Ebenso wurde festgestellt, dass positive Emotionen den Menschen dabei helfen, sich von Stress zu erholen, und dass sie sogar den Folgen negativer Emotionen entgegenwirken können. Dies außer Acht gelassen, fördern positive Emotionen auch bessere soziale Verbindungen.

Jedoch ist die Unfähigkeit, positive Emotionen über einen längeren Zeitraum zu erhalten, ein Kennzeichen von Depressionen und anderen Psychopathologien. Doch im Hinblick darauf konnten wir bis vor Kurzem kaum aktiv werden, denn jene Mechanismen, die die Fähigkeit, positive Emotionen fortzuführen, unterstützen, waren nur unvollständig verstanden. Es ist die Neurowissenschaft des Glücks, die diesbezüglich unseren Horizont erweitert hat.

Frau, die fröhlich ist und lächelt, liegt auf einer Wiese voller Blumen

Eine im Juli des Jahres 2015 im Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie zeigte, dass eine langanhaltende Aktivierung einer bestimmten Region des Gehirns, welche als das ventrale Striatum bezeichnet wird, direkt mit der Aufrechterhaltung positiver Emotionen und Gedanken in Zusammenhang steht.

Die gute Nachricht ist, dass wir die Aktivierung des ventralen Striatums bewusst kontrollieren können. Das bedeutet, dass es in unseren Händen liegt, so viele positive Emotionen wie nur möglich genießen zu können.

Die Neurowissenschaft des Glücks

Laut dieser Studie zeigen Menschen mit einem höheren Aktivitätsniveau im ventralen Striatum im Allgemeinen ein besseres psychisches Wohlbefinden und ein geringeres Level an Kortisol, dem sogenannten Stresshormon. In früheren Untersuchungen hatte das Forschungsteam bereits festgestellt, dass auch der vorübergehende Genuss von Erfahrungen, wie zum Beispiel einem wunderschönen Sonnenuntergang und den damit verbundenen positiven Emotionen, unser Wohlbefinden langfristig verbessern kann.

Aber wie lange? In dieser neuen Studie wollten die Forscher nun herausfinden, wie und warum sich manche Menschen ihre positiven Gefühle länger bewahren können.

Die Identifizierung einer bestimmten Region des Gehirns im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung von positiven Emotionen bringt den großen Vorteil mit sich, dass sie das Sichtbarmachen eines sogenannten Schalters erleichtert, mit dem dieses Areal auf bewusste Art und Weise aktiviert werden kann.

Für diese neue Studie haben die Forscher an ihren Probanden zwei Experimente durchgeführt. Das erste bezog sich auf ihre Reaktion auf Belohnungen, welche durch funktionelle Magnetresonanz gemessen wurde. Und das zweite Experiment bestand aus einer stichprobenartigen Erfassung von Erfahrungen, die der emotionalen Reaktion auf die erhaltene Belohnung folgte. Anhand der Resultate konnte die Dauer der positiven emotionalen Reaktionen in der realen Welt mit erstaunlicher Präzision vorausgesagt werden.

Die Untersuchung dieser Dynamiken kann ein besseres Verständnis der Assoziationen in Bezug auf unser Verhalten, wie sie unser Gehirns vornimmt, ermöglichen, welche wiederum unsere positiven und negativen Emotionen zugrunde liegen. In diesem Zusammenhang sei jedoch darauf hingewiesen, dass es den Autoren zufolge überaus wichtig sei, nicht nur zu berücksichtigen, wie viele Emotionen man erlebt, sondern auch wie lange diese Emotionen bestehen bleiben.

Der genaue Mechanismus, der die Erzeugung von Instanzen im Gehirn und die im Sekunden-, Minuten- und Stundentakt erlebten Emotionen in der realen Welt ermöglicht, bleibt jedoch weiterhin ein Mysterium. Die Autoren meinen hierzu, dass ihre Ergebnisse darauf schließen lassen, dass die Aktivitätsdauer in bestimmten Gehirnkreisläufen, selbst in relativ kurzen, nur Sekunden umfassenden Zeiträumen die Persistenz der positiven Emotionen für Minuten und Stunden vorhersagen kann.

Frau, die unter Palmen lächelt

Die Aktivierung des ventralen Striatums

Die Ergebnisse dieser Studie tragen zu einem besseren Verständnis darum bei, auf welche Art und Weise sich psychische Störungen wie Depressionen organisch manifestieren. Auch können diese Resultate helfen, besser erklären zu, warum manche Menschen ein zynischeres Verhalten an den Tag legen und warum andere das Glas eher als halb voll und nicht als halb leer betrachten.

Laut den Autoren habe das in dieser Studie beobachtete Aktivitätsmuster, insbesondere jenes im ventralen Striatum, eine Vorhersage bezüglich des zu erreichenden Wohlbefindens erlaubt. Ihrer Meinung nach können das Ausleben von Praktiken wie liebender Güte und Mitgefühl für andere, die bestimmte positive Emotionen kultivieren, die Fähigkeit verbessern, diese Emotionen auch zu genießen.

Auf der anderen Seite können, laut den Autoren, die in dieser Studie gezeigten methodologischen Neuerungen angewendet werden, um zu untersuchen, ob einfache Formen der Meditation dauerhafte positive Emotionen in einem realen Kontext erzeugen können und ob sie zu einer fortgesetzten Aktivierung des ventralen Striatums beitragen.

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