Die neolithische Revolution

· 16. April 2019

Menschen entwickeln sich mit der Zeit weiter. Jede Generation macht Fortschritte und überholt damit die vorherige. Jede neue Erfindung führt in eine bessere Welt. Aber stimmt das wirklich? Wir sind uns alle der aktuellen und vergangenen Krisen bewusst und könnten lange darüber diskutieren, ob der Mensch aus seiner Geschichte lernt. Das soll heute aber nicht Thema sein. Stattdessen schauen wir auf jene Entwicklungen, die während der Jungsteinzeit, also der letzten Episode der Steinzeit, ihren Lauf nahmen.

Der neolithische Abschnitt erstreckt sich von 7000 v. Chr. bis etwa 4000 v. Chr. In dieser Zeit entstanden Landwirtschaft und Viehwirtschaft. Wenn wir diese Phase der Menschheitsgeschichte in der Schule kennenlernen, bekommen wir den Eindruck, dass dies eine großartige Entwicklung gewesen sei, die das Schicksal der Menschheit verändert habe. Wir glauben auch, dass es ein Fortschritt gewesen wäre, den alle akzeptierten. Aber dem war nicht so. Nicht jeder nahm diese Veränderung an. Viele Menschen wehrten sich gegen diese Neuerung und nahmen sich erst wesentlich später der von der Landwirtschaft und Viehhaltung geprägten Lebensweise an – für den Moment wollten sie lieber Jäger und Sammler bleiben.

Domestiziertes Vieh

Der neolithische Abschnitt

Das Neolithikum ist eine weniger bekannten Perioden der Menschheitsgeschichte, obwohl sie durchaus entscheidend war. Denn in der Jungsteinzeit entstanden die Grundlagen der Zivilisation. Dazu gehören unter anderem Vieh- und Landwirtschaft, damit Eigentum und Krieg, Schrift und Gewaltenteilung. Man könnte jedoch auch sagen, dass die Probleme der Menschheit in dieser Periode angefangen haben.

Während dieser Periode begann die Menschheit, ihre Umwelt zu verändern und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Infolgedessen begann die Bevölkerung, exponentiell zu wachsen, und es entwickelte sich das Konzept von Besitz.

Was wir über die neolithische Periode in der Schule lernen

Der Essayist Yuval Noah Harari erklärt, die neolithische Periode sei der größte Betrug in der Geschichte: „Anstatt eine neue Ära des einfachen Lebens einzuläuten, hat die Agrarrevolution den Landwirten generell ein schwierigeres und weniger befriedigendes Leben beschert als jenes der Jäger und Sammler.“   Das Leben als Jäger und Sammler war also besser? Vor dieser Revolution, so glauben Anthropologen, hatten die Menschen weniger Stress hatten. Ihre Nahrung war proteinreich und hochwertig und sie führten keinen Krieg. Die Nähe zu den Tieren führte weiterhin dazu, dass Zoonoseerreger leichtes Spiel hatten.

In Schulen wird den Schülern gelehrt, dass die neolithische Revolution dem Menschen die Überwindung des Hungers ermöglichte, weil sie nun gelernt hatten, Pflanzen und Tiere zu domestizieren und Städte zu bauen. Dies ist jedoch falsch. Viele landwirtschaftliche Gesellschaften gaben diesen Fortschritt bewusst auf und kehrten zum Jäger-Sammler-Lebensstil zurück. Derartige Wechsel fanden in der Folge des Öfteren statt, wobei Naturkatastrophen und Krankheiten wie die Pest diese Zyklen begünstigten. 5000 Jahre lang schwankten sie je nach Umgebungsbedingungen zwischen den beiden Gesellschaftsformen.

Salzgewinnung in Vietnam

Was uns die neolithische Revolution hinterlassen hat

Die neolithische Revolution vermittelt eine klare Botschaft: Eine gut regulierte und transformierte Umwelt kann viele Menschen ernähren. Aber der Mensch hat Grenzen überschritten, die dieses Gleichgewicht bedrohen. Einige Beispiele sind die irrationale Ausbeutung der Umwelt, die Anhäufung von Saatgut, soziale Ungleichheiten und die Überlegenheit der Stärkeren gegenüber den Schwächsten. Die Menschen haben es nie wieder geschafft, in Harmonie zu leben, seit sie sich weigern, das, was sie haben und anhäufen, miteinander zu teilen.

Die Idee einer einzigen neolithischen Revolution im Nahen Osten wird inzwischen übrigens abgelehnt. Stattdessen glauben die Wissenschaftler, dass es mehrere mehr oder weniger gleichzeitig ablaufende Revolutionen gegeben habe. Sie brachten Weizen im Nahen Osten, Reis in China und Mais in Amerika. Sie alle bilden die landwirtschaftliche Revolution, die dank der Migration der ersten Bauern schließlich auch Europa erreichte.

Die neolithische Revolution verursachte ein nie zuvor gesehenes Bevölkerungswachstum. Dies führte zu Völkerwanderungen sowie zur Migration von Ideen und Materialien. Obwohl wir nicht viel über diese steinzeitliche Periode wissen, sind wir uns sicher, dass sie alles verändert hat.