Was genau ist die Stressreaktion?

15. März 2019

Jeder von uns hat schon einmal Stress erlebt. Stress beeinflusst verschiedene Aspekte deines Alltags und kann dich auf ganz unterschiedliche Art und Weise beeinflussen. Aber weißt du auch, was die Stressreaktion deines Körpers eigentlich ist?

Stress manifestiert sich, wenn es in verschiedenen Organsystemen nach längerer oder schlecht regulierter Reaktion zur Ermüdung kommt. Wir beziehen uns hier auf die allostatische Belastung. Dies ist der Preis, den der Körper bezahlt, wenn er sich an widrige Umstände anpassen muss.

Um zu verhindern, dass dieser Preis allzu sehr in die Höhe schnellt, werden in Stresssituationen adaptive Prozesse eingeleitet. Diese zielen darauf ab, das Gleichgewicht, auch Homöostase genannt, wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten.

Der Körper versucht immer, aus einem solchen Ungleichgewicht in einen stabilen Zustand zurückzukehren. Wie genau macht der Körper das? Genau, über die Stressreaktion! Schauen wir uns die nun im Detail an.

Eine gestresste Person, die über verschiedene Möglichkeiten nachdenkt

Die Stressreaktion

Wenn der Körper Stress erkennt, setzt er eine Reihe physiologischer und metabolischer Reaktionen in Gang, um sich an die neue Situation anzupassen. Diese Reaktionen sind ganz normal und sind mitunter sogar gewollt, zum Beispiel dann, wenn du trainierst. Sie erleichtern dir zudem die Beurteilung von neuen Situationen. In Stresssituationen helfen sie dir, wachsamer und aufmerksamer zu sein, und ermöglichen es dir somit, schneller bessere Entscheidungen zu treffen.

Das erste System, das durch Stress aktiviert wird, ist das autonome Nervensystem. Dabei übernimmt der Hypothalamus die Integration sensorischer und emotionaler Informationen und stimuliert den paraventrikulären Kern, der wiederum die präganglionären Neurone des Rückenmarks aktiviert. Diese Neuronen aktivieren die sympathischen Nerven, die in bestimmten Organen die Konzentration an Noradrenalin erhöhen.

Auswirkungen einer verstärkten Freisetzung von Noradrenalin während der Stressreaktion

  • Erhöhter Puls
  • Vasodilatation der Koronararterien
  • Erweiterung der Bronchien
  • Schnelles Atmen
  • Hepatische Glykogenolyse
  • Hyperglykämie
  • Periphere Vasokonstriktion

Wenn der Sympathikus aktiviert wird, schließt das die Nebennieren mit ein. Diese wiederum tragen zu einer erhöhten Freisetzung von Adrenalin bei, zusätzlich zu der von Noradrenalin. Beide Botenstoffe aktivieren auch nicht-innervierte Strukturen, die sie über den Blutkreislauf erreichen.

Adrenalin und Noradrenalin verstärken sich gegenseitig in ihren Effekten.

Strukturformel Adrenalin

Auswirkungen eines erhöhten Adrenalinspiegels

  • Erhöhter Puls
  • Muskuläre und kardiale Vasodilatation
  • Dilatation der Atemwege, was die Luftzirkulation erleichtert
  • Erhöhtes Schwitzen, um überschüssige Hitze loszuwerden
  • Hepatische Glykogenolyse
  • Hemmung der Insulinfreisetzung und vermehrte Sekretion von Glukagon im Pankreas, um Hyperglykämie zu erreichen
  • Hemmung nicht-vitaler physiologischer Prozesse (Verdauung, Wachstum und Fortpflanzung)

Als Reaktion auf das Noradrenalin setzen die Speicheldrüsen auch ein Enzym namens α-Amylase frei. Dieses Enzym hilft bei der Verdauung von Kohlenhydraten und beseitigt Bakterien im Mund.

An der Startlinie, dank Adrenalin und Noradrenalin zu Höchstleistungen bereit

Die Achse zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Nebennieren

Wenn der Hypothalamus den paraventrikulären Kern aktiviert, setzen bestimmte Neuronen in diesem Kern das Neurohormon CRF in das System frei, das den Hypothalamus mit dem Hypophysenvorderlappen verbindet. Dies wiederum stimuliert die Freisetzung von ACTH in den Blutkreislauf.

ACTH aktiviert die Bildung von Glukokortikoiden wie Kortisol. Dies ist ein Steroidhormon, das in den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten eingreift. Es stimuliert die Glukosesynthese und bewirkt, dass die Zellen ihren Glukoseverbrauch moderat reduzieren, was die Blutzuckerwerte erhöht.

Glukokortikoide wie Kortisol geben dem Hypothalamus und der Hypophyse negative Rückmeldungen. Sie regulieren also die jeweilige Freisetzung von ACTH und CRF, um eine überschießende Aktivierung zu verhindern. Diese Hormone wirken auch auf das Immunsystem und den Hippocampus.

Diese Achse ist normalerweise gemäß zirkadianen Rhythmen aktiv, die mit den Schlaf-Wach-Perioden verbunden sind. Dabei ist die Kortisolkonzentration am Morgen höher als in der Nacht.

Wenn dein Körper auf Stress reagiert, wirkt der Hypothalamus auf das sympathische Nervensystem. Das erzeugt die Effekte, die wir weiter oben schon als Wirkungen von Noradrenalin und Adrenalin aufgeführt haben. Darüber hinaus wird die Aufmerksamkeit gefördert und die Reaktionszeit reduziert.

Ein gestresster Mann vergräbt den Kopf in seinen Händen.

Neuronale Kontrolle der Stressreaktion

Um eine Stressreaktion zu registrieren, gibt es zwei mögliche Wege, je nach Stimulus, der sie erhält: systemisch und psychogen.

Systemisch

  • Zuallererst erfordern die Reize keine bewusste Verarbeitung.
  • Diese sind in der Regel physiologische Bedrohungen, wie zum Beispiel Stürze.
  • Es erfolgt eine direkte Aktivierung des paraventrikulären Kerns des Hypothalamus.

Psychogen

  • Die Reize erfordern eine bewusste Verarbeitung.
  • Sie bedeuten keine unmittelbare Gefahr.
  • Es erfolgt eine indirekte Aktivierung des paraventrikulären Kerns des Hypothalamus.

Zusammenfassend handelt es sich dann um eine Stressreaktion, wenn der Körper eine Reihe von Prozessen in Gang setzt, um das Gleichgewicht wiederherzustellen und die unerwünschten Auswirkungen von Stress zu stoppen. Dies ist nur ein weiteres Beispiel für die unglaubliche Weisheit der Natur.

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  • Valdés, M., & De Flores, T. (1985). Psicobiología del estrés. Barcelona: Martínez Roca, 2.