Die negativen Auswirkungen von zu viel Alleinsein

29. März 2019
Wir alle brauchen ab und zu Zeit fürs Alleinsein. Aber es ist nicht gut, zu lange allein zu sein. Einige Studien zeigen, dass zu viel Zeit allein das Gehirn und das Verhalten negativ beeinflussen kann.

Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir Menschen brauchen andere, um sowohl physisch als auch psychisch zu überleben. Das bedeutet nicht, dass wir jede Gesellschaft annehmen müssten, die wir bekommen können. Aber es bedeutet, dass andere Menschen für uns wichtig sind und immer sein werden. Entsprechend haben Untersuchungen gezeigt, dass zu viel Alleinsein negative Auswirkungen haben kann.

Mehrere Studien haben zu dem Schluss geführt, dass zu viel Zeit allein schädliche Auswirkungen auf unser Gehirn haben kann. Wir sind natürlich geneigt, mit anderen Menschen zusammen zu sein und Zeit mit ihnen zu verbringen. Aber wir leben in einer Zeit, in der das nicht immer einfach ist. In der Tat sind große Menschenmengen einer der Aspekte, der uns dazu bringen mag, ein einsames, von Anonymität geprägtes Leben zu führen.

Einsamkeit ist eine sich rasant ausbreitende Epidemie. Viele Menschen entscheiden sich heutzutage dafür, allein zu leben. Die Beziehungen zwischen den Nachbarn sind angespannt und ausschließend geworden. Unternehmen verkaufen menschliche Interaktion – stundenweise . Tief im Inneren wissen wir alle, dass es nicht gut ist, Zeit allein zu verbringen. Aber wir wissen nicht immer, wie wir aus der Blase ausbrechen können.

„Die schrecklichste Armut ist die Einsamkeit und das Gefühl, nicht geliebt zu werden.“

Heilige Mutter Teresa von Kalkutta

Einsamer Mann am Strand

Ein interessantes Experiment

Eine Studie des California Institute of Technology (Kalifornien, USA), die im Journal Cell  veröffentlicht wurde, zeigte, dass zu viel Alleinsein signifikante Auswirkungen auf unser Verhalten hat. Die Autoren der Studie experimentierten an Ratten und belegten, dass Einsamkeit tatsächlich zu einer chemischen Veränderung im Gehirn führt. Sie machte die Ratten immer ängstlicher und aggressiver.

Die Forscher isolierten eine Gruppe von Ratten für Wochen. Nach einer Weile wurden sie leichter reizbar. Sie schienen auch mehr Angst vor anderen Ratten zu haben und zeigten sich überempfindlich gegen jede Art von Bedrohung. Wenn sie einer scheinbaren Gefahr ausgesetzt wurden, wurden die isolierten Ratten stocksteif. Sie verharrten auch noch lange Zeit so, nachdem die Bedrohung verschwunden war. Die Ratten, die weiterhin in Gruppen lebten, kamen viel schneller über den Stress hinweg.

Aus ihren Beobachtungen schlossen die Wissenschaftler, dass Ähnliches auch für den Menschen gelte.

Tachykinine und die Auswirkungen von zu viel Alleinsein

Eine frühere Studie zeigte, dass auch Fruchtfliegen nach längerer Zeit der Isolation aggressiver wurde. In dieser Studie gelang es den Forschern sogar, bestimmte Substanzen mit der Verhaltensänderung zu verbinden, nämlich die Tachykinine. Je länger die Tiere allein waren, desto höher stieg ihr Tachykininspiegel.

Die Forscher aus Kalifornien wollten nun überprüfen, ob die Ratten in ihrer Studie ebenfalls Tachykinine akkumulierten, und sie konnten diese Hypothese bestätigen. Bei Ratten führen Tachykinine jedoch zur Produktion eines Peptids namens Neurokinin A. Unser menschliches Gehirn produziert diese Substanz übrigens auch, im Hypothalamus und in der Amygdala.

So führte eine längere Isolation zu einer erhöhten Produktion von Neurokinin A bei den Ratten. Das ist tatsächlich die Substanz, die sie aggressiver und ängstlicher machte. Die Forscher entdeckten weiterhin, dass die Einnahme von Medikamenten helfen könnte, diese Symptome zu reduzieren, aber nicht langfristig und stabil.

Wir sollten nicht zu viel Zeit allein verbringen

Frau, die aufgrund von zu viel Alleinsein depressiv ist

Zu viel Alleinsein ist nicht gut für uns. Es macht uns nicht freier oder unabhängiger. Meistens hat es den gegenteiligen Effekt: Wir werden nur noch verletzlicher. Wir sind in einem Kreislauf gefangen, in dem wir uns am Ende immer mehr isolieren. Die fortwährende Isolation wird uns schließlich krank machen.

Wir können uns jederzeit für andere Menschen öffnen. Es ist nicht einfach, die Blase zu verlassen, aber es ist immer einen Versuch wert. Es wird uns helfen, einen Schritt in Richtung einer besseren psychischen Gesundheit zu gehen. Brücken zu anderen Menschen zu bauen ist unbezahlbar und es ist etwas, was wir alle tun sollten. Es ist eine der besten Möglichkeiten, als Menschen zu wachsen.

  • Cuenya, L., Fosacheca, S., Mustaca, A., & Kamenetzky, G. (2011). Efectos del aislamiento en la adultez sobre el dolor y la frustración. Psicológica, 32(1).