Die Legende vom Ursprung der Gefühle

· 16. Januar 2019

Es ist nicht sicher, wie die Legende vom Ursprung der Gefühle  entstanden ist. Aus unbekannten Gründen schreibt man diese Geschichte Mario Benedetti zu, doch in Wirklichkeit wurde sie gar nicht von ihm verfasst. Einige Aspekte entstammen einer angepassten Version einer Geschichte von Jorge Bucay, oder auch von Mariano Osorio.

Wie auch immer, was wir wissen, ist, dass sie vor etwa drei Jahrzehnten unter dem Namen Das Versteckspiel der Liebe und der Verrücktheit  in Umlauf kam. Im Laufe der Zeit wurde diese Geschichte jedoch zur Legende vom Ursprung der Gefühle.

„Die Verrückten eröffnen die Wege, die die Weisen später begehen.“

Carlo Dossi

Es handelt sich hierbei um eine Geschichte, die uns zu einem fantastischen Moment führt, zu dem die verschiedenen Emotionen erst noch gefunden werden mussten. Wir beziehen uns hiermit auf etwas Bewegendes und Menschliches, nämlich auf den Ursprung der Gefühle.

Der Ursprung der Gefühle

Die Legende erzählt vom Ursprung der Gefühle, welche in verschiedenen Teilen der Erde durch diverse Tugenden und Laster der Menschen entwickelt wurden. Die Langeweile, die schon immer sehr gelangweilt war, begann zu gähnen und infizierte die anderen mit ihrer Faulheit. Damit dies nicht geschah, schlug die Verrücktheit denen vor, etwas Lustiges zu unternehmen. „Lasst uns Verstecken spielen!“,  sagte sie. 

Bild einer Fee

Die Intrige war sofort interessiert an dieser Angelegenheit und die Neugier fragte sogleich: „Wie funktioniert dieses Versteckspiel?“  Die Weisheit erklärte, dass es sich hierbei um eine Form der Unterhaltung handele. Es sei nur notwendig, dass einer von ihnen sich das Gesicht bedecke und bis zu einer Million zähle, während die anderen sich verstecken. Derjenige, der zählte, müsse dann hinausgehen und die anderen suchen.

Sofort begannen der Enthusiasmus und die Euphorie, wie wild umherzuspringen. Sie liebten die Idee dieses Spiels. Sie verbreiteten so viel Positivität, dass schließlich sogar der Zweifel sagte, dass er gern mitspielen würde. Und auch die Apathie, die immer zurückhaltend war, drückte die Absicht aus, am Spiel teilzunehmen. So begann dieses Spiel, das den Ursprung der Gefühle darstellt.

Und das Spiel beginnt

Die Verrücktheit, die verrückt wie immer war, bot an, als Erster zu zählen. Und so begann sie: „Eins, zwei, drei …“  Die Wahrheit wollte nicht mitspielen, weil sie keinen Sinn im Spiel sah. Schließlich würden sie die anderen sowieso früher oder später finden. Die Arroganz meinte, dass sie das Spiel für sehr dumm halte und darum nicht teilnehmen wolle. Was sie in Wirklichkeit störte, war, dass die Verrücktheit das Spiel vorgeschlagen hatte, und nicht sie selbst.

Die Faulheit rann los, um sich zu verstecken, wurde jedoch schnell müde. Also versteckte sie sich hinter dem ersten Stein, den sie sah. Der Triumph war so fleißig wie immer und wählte den höchsten Baum, den er finden konnte, um hochzuklettern und sich in der Krone zu verstecken. Hinter ihm lief der Neid, der den großen Schatten des Triumphes nutzte, um sich darunter zu verstecken.

Frau mit Wolken auf dem Kopf

Inzwischen lief der Glaube davon und begann bald darauf, zu fliegen. Zum Erstaunen aller stieg er hoch in den Himmel hinauf und versteckte sich in den Wolken. Niemand konnte es glauben, nur der Glaube war dazu in der Lage, solche Dinge zu erreichen. Die Großzügigkeit hingegen war ihrerseits sehr besorgt über diejenigen, die kein Versteck fanden. So half sie einem nach dem anderen, sodass ihr die Zeit fast nicht mehr gereicht hat, ums sich selbst ein Versteck zu suchen. Der Egoismus dagegen fand in einer Höhle ein wundervolles Versteck, umrandete den Eingang zu dieser jedoch mit vielen Dornen, sodass kein anderer dieses Versteck mit ihm teilen konnte.

Das überraschende Ende des Spiels

Die Verrücktheit war aufgeregt. Sie zählte und zählte, bis sie endlich bei einer Million angelangt war. Da öffnete sie ihre Augen und begann, nach ihren Freunden zu suchen. Die erste, die sie fand, war die Faulheit, die nur drei Schritte von ihr entfernt lag. Danach fand sie die Leidenschaft und das Verlangen, die beide in den Tiefen der Vulkane versteckt waren.

Danach fand sie die Lüge. Sie war so verlogen, dass sie sie glauben gemacht hatte, dass sie sich unter Wasser versteckte, doch in Wirklichkeit befand sie sich mitten in einem Regenbogen. Die Verrücktheit fand auch die Spur des Vergessens, doch sie vergaß schließlich, wohin dieser Weg führte, und ließ sich diese Aufgabe für später übrig.

Kind mit verbundenen Augen

Die Einzige, die es nicht geschafft hatte, sich zu verstecken, war die Liebe. Als sich die Verrücktheit ihr näherte, hatte sie kaum mehr Zeit, um sich hinter ein paar Büschen zu verstecken. Die Verrücktheit war nicht dumm und dachte sich: „Die Liebe ist sicher so kitschig, dass sie sich in der Mitte der Rosensträucher verstecken wird.“  Da die Rosen jedoch scharfe Dornen haben, nahm der Wahnsinn eine Astgabel und begann mit dieser, im Strauch zu suchen. Plötzlich hörte man einen schmerzerfüllten Schrei. Die Verrücktheit hatte die Augen der Liebe verletzt.

Die Verrücktheit wusste nicht mehr, was sie tun sollte. Das Einzige, was ihr in den Sinn kam, war niederzuknien und um Vergebung zu bitten. Sie bot auch an, für immer der Führer der Liebe zu werden, da sie ihr ja die Augen zerstört hatte. Seitdem ist die Liebe blind und die Verrücktheit ihr ständiger Begleiter.

Hier endet diese Legende über den Ursprung der Gefühle;  eine Legende, die unseren Gefühlen Qualitäten verleiht, die unsere emotionalen Erlebnisse bestimmen und die wir fast alle in unseren Abenteuern erkennen können.