Ich mag eine Menge verrückter Dinge tun, aber ich bin nicht verrückt

· 3. Juni 2018

Verrückte Dinge tun ist ein Zeichen von Freiheit und hängt nicht von Kurzschlüssen im Geiste ab. Verrückte Dinge tun eröffnet uns die Möglichkeit, einen anderen Weg zu wählen als denjenigen, die im Strom mitschwimmen. In diesen spontanen, chaotischen Situationen können wir höher fliegen als jemals sonst. Alle – ja, alle! – haben in ihrem Leben irgendwann einmal etwas Verrücktes getan.  Denn es ist ja völlig normal und auch notwendig, ab und zu loszulassen und sich einen Schuss Adrenalin und Endorphine zu gönnen.

Die meisten Menschen assoziieren „verrückt sein“ mit mentalem Ungleichgewicht, verzerrter Realitätswahrnehmung, Verlust von Selbstkontrolle, Halluzinationen oder absurdem, peinlichem Verhalten. „Etwas Verrücktes tun“ ist ein Ausdruck, der etwas anderes meint. Wir brauchen ein bisschen Verrücktheit in unserem Leben, weil wir es sonst nie wagen würden, über unseren Schatten zu springen und Dinge zu tun, die nicht sinnvoll und noch viel weniger logisch erscheinen.

„Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“

Erasmus von Rotterdam

Die Grenze zwischen Genie und Verrücktheit

Nicht alle Genies sind verrückt, und nicht alle Verrückten sind Genies. Ein Genie ist jemand, der über außergewöhnliche Fähigkeiten, Kenntnisse und die Fähigkeit verfügt, neue Ideen zu entwickeln und auszudrücken. Dies nennt man Kreativität, schöpferische Tätigkeit.

Genies sind nicht unbedingt krank, aber falls sie es sind, dann verstehen sie sich darauf, ihre Krankheit auszunutzen, um Verblüffendes zu erschaffen. Studien haben gezeigt, dass von psychisch kranken Menschen kreative Fähigkeiten gezeigt werden, bevor sich die Krankheit manifestiert.

Manche Leute bezeichnen andere auch als verrückt, nur weil sie besondere Fähigkeiten und geniale Tendenzen haben. Manchmal verunglimpfen wir Dinge, aus Angst oder Unwissenheit. Aber die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist breiter, als wir denken.

Porträt Albert Einstein

Genialität scheint genetisch bedingt zu sein, gleichzeitig spielt aber auch das Umfeld eine große Rolle, damit ein entsprechend veranlagtes Kind sein Potenzial ausschöpfen kann. Hätten beispielsweise Mozart oder Einstein im Dschungel gelebt, wären sie nicht die Genies geworden, als die wir sie kennen. Wir hätten wohl ein ganz anderes Bild von ihnen. Studien zeigen, dass 75 % der Gehirnarchitektur von der Umwelt abhängen.

Kreativität ist auch mit emotionalen Konflikten verbunden. Es scheint, als sei es die Unzufriedenheit, die das Genie zum Schaffen drängt, und das hat eine neurologische Grundlage. Genialität ist keine Geisteskrankheit. Aber wenn die beiden zusammen existieren, weiß die Person, wie sie ihren Wahnsinn nutzen kann, um Neues zu erschaffen.

Normal und verrückt

Wahnsinn ist eigentlich ein Mangel an Vernunft oder Urteilsvermögen. Das Problem ist, dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Wahnsinn mit der Ablehnung etablierter sozialer Normen verbunden wurde. Aus diesem Grund werden Menschen, die sich nicht an soziale Normen halten, auch heute noch als verrückt angesehen.

Die meisten Gesellschaften konstruieren Verhaltensmodelle, die die verschiedenen Stadien der menschlichen Entwicklung beschreiben. Abgesehen von kulturellen Unterschieden erwarten die meisten Gesellschaften, dass Menschen gesund geboren werden, ohne gesundheitliche Komplikationen aufwachsen, einen Schulabschluss machen und sich beruflich spezialisieren, heiraten und eine neue Familie in einem neuen Eigenheim gründen.

Stilisiertes Bild von Don Quijote

Diese Paradigmen sind nur Normen. Die meisten Menschen mögen sie akzeptieren und glauben, dass jede Einstellung oder Idee, die diese Grenzen überschreite, verrückt oder sogar falsch sei. Aber manchmal ist Wahnsinn die einzige gesunde Reaktion auf eine kranke Gesellschaft.

„Für manche Menschen ist Mittelmaß normal und alles, was darüber hinausgeht, verrückt.“

Charly García