Die Kunst, im Moment zu leben

27. September 2016 en Psychologie 1 Geteilt

Im Moment zu leben scheint etwas Offensichtliches zu sein. Aber obwohl das so zu sein scheint, ist es in Wirklichkeit die Ausnahme. Warum? Weil wirklich präsent zu sein mehr ist, als nur körperliche Anwesenheit an einem bestimmten Ort; es geht darum, mit deinem Inneren verbunden zu sein, welches wunderschön und ungetrübt ist. Unglücklicherweise wird dieser innere Frieden von unseren Gedanken und Emotionen gestört, und das manchmal extrem, was uns vom gegenwärtigen Moment ablenkt.

Was du nicht bist: deine Gedanken

Decartes, der berühmte französische Philosoph des 17. Jahrhunderts hat gesagt: „Ich denke, also bin ich.“  Dieser Satz definiert die Art und Weise, wie sich der moderne Mensch identifiziert: durch seine Ideen und Gedanken. Allerdings gibt es heutzutage andere Ansichten, die es wagen, so einem respektierten und gebildeten Philosophen zu widersprechen. Denn obwohl Gedanken und Ideen sehr machtvoll und wichtig sind, sind sie dennoch relativ und vergänglich. Das heißt, wenn wir uns durch das definieren, was wir denken, dann würden wir unsere Identität auf Treibsand errichten.

Also definiert uns das, was andere und auch wir selbst von uns denken, nicht. Es sind schlichtweg Konzepte, die es niemals schaffen können, unsere wahre Essenz zu erfassen. Außerdem produziert die endlose Tirade von Gedanken aus unserem inneren Monolog einen Lärm, der uns davon abhält, die wunderschöne Melodie der Gegenwart zu hören. Er hält uns getrennt vom gegenwärtigen Moment.

Was du auch nicht bist: deine Emotionen

Seit dem Moment, in dem Freud den Deckel vom Unbewussten genommen und damit begonnen hat, es zu interpretieren, hat die Psychologie den Weg gewiesen, auf dem wir unser mentales und emotionales Leben beschreiten. Aber als eine Wissenschaft basiert die Psychologie auf einem mechanischen und rationalen Modell mit einem Schwerpunkt auf Pathologie und Krankheit. Deshalb werden wir, wenn wir bestimmte Symptome und Verhaltensweisen aufweisen, diagnostiziert, auf Medikamente gesetzt und sogar dazu verdammt, unser Leben lang unter der Last einer Geisteskrankheit zu leiden.

Obwohl es nicht verneint werden kann, dass Emotionen Teil der Menschheit sind, sind auch diese vergänglich und stellen nicht den tiefsten und wahrsten Teil unseres Seins dar. Emotionen sind temporäre Phänomene, genauso wie auch Stürme und Hurrikans. Aber sie vergehen doch, und der unerschütterliche Himmel kommt zurück, denn er war in Wirklichkeit immer da, ganz egal, wie skandalös die meteorologischen (oder psychologischen) Phänomene schienen.

Deshalb, wie Eckhart Tolle, der Autor von Das Leben im Jetzt,  sagt: „Nimm deine Emotionen nicht zu ernst.“  Sie können nur überhand nehmen, wenn wir uns mit ihnen identifizieren und es zulassen, dass sie uns kontrollieren. Lege dich nicht selbst herein, deine Gegenwart geht über Emotionen hinaus, und sie ist unerschütterlich. Von den Höhen deiner Gegenwart kannst du den Sturm deiner Emotionen vorbeiziehen sehen; akzeptiere sie, fühle sie, aber ohne jegliches unnötige Leiden. Sei dir sicher, dass deine Gegenwart eine unerschöpfliche und permanente Quelle von Glück und Frieden ist.

Andere Dinge, die du nicht bist

Die Liste von Dingen, die du nicht bist, endet nicht mit Gedanken und Emotionen. Es gibt viel mehr Dinge, die uns von unserer Gegenwart abhalten, zum Beispiel die Art und Weise, wie wir uns mit unseren Fähigkeiten identifizieren („Ich bin schlau.“ – „Ich bin dumm.“), Besitztümer („Ich bin reich.“ – „Ich bin arm.“) oder Errungenschaften und Titel („Ich bin ein Geschäftsmann, Arzt oder Krimineller.“).

All diese Zustände kommen und gehen. Sie sind relativ. Sie sind nicht mehr als Konzepte und Label, die nicht unsere Gegenwart ausmachen. Wir haben sie heute, aber morgen… wer weiß? Wie auch immer, sie suchen uns heim, denn sie halten davon ab, den Moment zu leben, uns mit unserem Inneren zu verbinden. Wir ärgern uns über das, was wir in der Vergangenheit getan oder nicht getan haben, oder wir machen uns darüber Sorgen, was in der Zukunft passieren könnte.

Konzentriere dich auf die Gegenwart, die du in genau diesem Moment in den Händen hältst. Dort wirst du deinen Moment finden, das beste Geschenk, das du dir selbst und anderen geben kannst.

Auch interessant