Die Kassandra-Metapher

18. April 2019

Die Kassandra-Metapher bezieht sich auf eine Frau die glaubte, die Zukunft vorhersagen zu können, die sie allerdings nicht ändern konnte. Es muss Menschen, die die über eine entsprechende Fähigkeit verfügen, auch heute noch quälen, wenn sie über Wissen verfügen, ihre Mitmenschen sie aber nicht ernst nehmen.

In der griechischen Mythologie war Kassandra eine der Prinzessinnen von Troja. Sie war die Tochter von Priamos und Hecuba. Außerdem soll sie wunderschön gewesen sein und erhielt aus diesem Grund vom Gott Apollo die Kraft der Weissagung. Apollo habe zudem versucht, sich Kassandra zu nähern, was diese allerdings ablehnte. Daraufhin verfluchte der Gott sie und ihre Nachkommen, sodass niemand ihren Prophezeiungen Glauben schenken würde. Apollo rächte sich, indem er ihr ein Geschenk macht, das Kassandra von nun an nur frustrieren sollte.

Kassandra konnte viele katastrophaler Ereignisse vorhersehen. Sie sagte zum Beispiel voraus, dass ihre Landsleute das berühmte trojanische Pferd in die Stadt bringen würden. Kassandras Familie hielt sie für verrückt und glaubte ihr ihre scheinbar unsinnige Geschichte über die Absicht der Griechen, die Stadt anzugreifen, nicht. Aber wie wir alle wissen, sollte Kassandra mit ihrer Prophezeiung recht behalten: Die Trojaner verloren die Belagerung und die feindlichen Soldaten plünderten und zerstörten Troja.

Ein Bild, dass die griechische Wahrsagerin Kassandra zeigt

Die Kassandra-Metapher und die Unsichtbarkeit der Frauen

Der Begriff „Kassandra-Metapher“ basiert auf der Geschichte von Kassandra und der griechischen Mythologie. In der Realität wird diese Bezeichnung für Menschen genutzt, die (oft katastrophale) Vorhersagen treffen, an die andere aber nicht glauben wollen. Aufgrund des wissenschaftlichen Fortschritts tendiert unsere Gesellschaft zu Rationalität und Empirismus und daher ignoriert sie Irrationales wie imaginative Visionen.

Daher lassen die meisten Menschen diese Art von Prophezeiungen außer Acht oder glauben, dass es sich um Zufälle handeln müsse, wenn sich die Dinge wirklich einmal so entwickeln.. Dazu kommt, dass im antiken Griechenland mit seiner patriarchalischen Gesellschaft Weiblichkeit ein Synonym für Unvollständigkeit und Schwäche war. Man sah Frauen als anfällig für Dominanz und Ausbeutung an.

Unterwerfung und das Vermögen, zu schweigen, waren die Tugenden, die Frauen zu dieser Zeit haben sollten. Diese Mentalität, die bis zu einem gewissen Grad bis heute andauert, hat viele Frauen in die Unsichtbarkeit getrieben.

Die Kassandra-Metapher hilft uns, zu verstehen, wie patriarchalische Strukturen die Leistung verschleiern, die Frauen erbringen. Die Leistung der Frauen wird nicht anerkannt, manchmal nicht einmal zugelassen. Stattdessen wird sie auf andere übertragen, beispielsweise auf Väter, Brüder oder Ehemänner. Oder gar nicht erst erbracht. Diese Unsichtbarkeit der Frauen ist heutzutage immer nachzuvollziehen, auch wenn die Wissenschaft uns längst eines Besseren belehrt haben sollte. In den Medien zum Beispiel hängt der Erfolg einer Frau immer noch von ihrem Aussehen ab und nicht von ihrer eigentlichen Leistung.

Eine Frau erschöpft an ihrem Arbeitsplatz

Frauen als Ware und Eigentum

In der griechischen Sage heißt es, dass die griechischen Soldaten, die in Troja eingedrungen waren und die Stadt eingenommen hatten, Kassandra dem König Agamemnon als Geschenk übergeben habe. Diese Geschichte ist ein uralter Spiegel, der uns auch zeigt, wie die Gesellschaft den Körper einer Frau als Ware betrachtet. Und auch im 21. Jahrhundert sehen viele Männer den Frauenkörper immer noch als ein Objekt, der ihnen Freude bringen soll. Oder als eine Ware zum Tausch, um andere Produkte erwerben zu können.

Die Objektivierung des weiblichen Körpers ist nach wie vor an der Tagesordnung. Das ist ein Grund, warum viele Frauen erheblichen Hindernissen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung begegnen. Mit anderen Worten, die Gesellschaft beurteilt Frauen weiterhin nach ihrem körperlichen Aussehen oder ihrem Alter, mehr als nach ihren Fähigkeiten, ihrem intellektuellen Potenzial oder ihren Leistungen. Darüber hinaus müssen sich viele Frauen mit einer gewissen institutionellen Skepsis auseinandersetzen.

Die patriarchalische Gesellschaft marginalisiert Frauen oder lässt sie sogar verstummen. Dies betrifft vor allem jene Frauen, die gegen überholte Geschlechterrollen und Stereotypen protestieren und kämpfen wollen.

Einige Frauen schaffen es, nachdem sie mehrere Hindernisse und Vorurteile überwunden haben, Zugang zu Führungspositionen zu erlangen. Dabei erwerben sie oft auch Anerkennung. Denn ihre Errungenschaften gehen dann über die traditionell von ihnen erwarteten Leistungen hinaus. Aber ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn wir immer noch niedrigere Erwartungen an Frauen stellen als an Männer?