Die instinktiven Emotionen: der Ursprung unseres Bewusstsein

Die ursprünglichen oder instinktiven Emotionen haben unsere Humanisierung und kognitive Entwicklung vorangetrieben. Erfahre mehr darüber.
Die instinktiven Emotionen: der Ursprung unseres Bewusstsein
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der psychologe Valeria Sabater am 15. November 2021.

Letzte Aktualisierung: 15. November 2021

Vieles von dem, was wir heute sind, verdanken wir unseren ursprünglichen oder instinktiven Emotionen. Wir sprechen von Dimensionen wie Angst, dem Verlangen, das durch Hunger oder Durst ausgelöst wird,  sowie der Verzweiflung, die mit Schmerzen verbunden ist. Solche atavistischen und grundlegenden Zustände könnten der Ursprung und die Wurzel des breiten Spektrums an Emotionen und Gefühlen sein, die wir heute erleben.

Neurowissenschaftler weisen darauf hin, dass diese ursprünglichen Emotionen die Grundlage der Instinkte bilden. Es sind Komponenten, die zum Handeln anregen, die das Bedürfnis wecken, den Appetit zu stillen oder der Bedrohung zu entkommen. In gewisser Weise waren diese Prozesse so etwas wie das Substrat, das es uns ermöglichte, vom Wilden zum Menschlichen, vom Wesentlichen zum Komplexen zu gelangen.

Wir sprechen heute über ein faszinierendes Thema, das zu erklären versucht, wie emotionale Organisationssysteme die Gehirnstruktur während der Ontogenese prägten. Nicht nur unser Körper hat sich weiterentwickelt. Auch die emotionalen Systeme wurden im Laufe der Evolution immer ausgefeilter und das war entscheidend für die kognitive Entwicklung.

Denn letztendlich ist der Mensch nicht das, was er denkt, sondern das, was er fühlt.

Eines der großen Rätseln für Wissenschaftler ist, die Entstehung des Bewusstseins zu verstehen. Manche glauben, dass es erst nach der Entwicklung der kognitiven Prozesse entstand, andere betrachten es als Ergebnis unserer Emotionen.

Die instinktiven Emotionen: der Ursprung unseres Bewusstsein

Grundlegendes über die instinktiven Emotionen

Die Theorie der instinktiven Emotionen wurde 2006 durch eine interessante Publikation mit dem Titel “The Primordial Emotions: The Dawning of Consciousness ” bekannt. Der Autor Derek Denton, ein führender Physiologe und Professor an der Universität von Melbourne (Australien), ging davon aus, dass die instinktiven Emotionen die Grundlage unseres Bewusstseins bilden.

Um diesen Ansatz zu verstehen, betrachten wir kurz die frühen Stadien unserer Evolution. Anfangs handelten wir reflexartig, um die Homöostase zu fördern. Das bedeutet, dass der Mensch bei Hunger oder Durst versucht, diese Bedürfnisse zu stillen. Bei Kälte geht es darum, Wärmequellen zu finden.

Diese Zustände waren bloße Dimensionen, die von Erregung und dem einfachen, aber verzweifelten Wunsch zu handeln bestimmt wurden. Mit der Entwicklung des Gehirns wurden diese Emotionen jedoch komplexer, wie Dr. Denton in einer Studie erklärt. Und das dank der Entwicklung von limbischen Bereichen, paralimbischen Bereichen und der Insula.

Als wir uns weiterentwickelten, wurden Emotionen weniger instinktiv. Unser Ziel war nicht  mehr einzig und allein das Überleben. Wir wollten auch Kontakte knüpfen, Freundschaften schließen, Ziele setzen, Hoffnungen habe… Nach und nach haben wir auch unser Bewusstsein geformt.

Der Unterschied zwischen Uremotionen und Basisemotionen

Die meisten Menschen sind wahrscheinlich verwirrt. Was ist der Unterschied zwischen Uremotionen und Basisemotionen? Ist das nicht dasselbe? Die Antwort ist nein. Die ursprünglichen oder instinktiven psychophysischen Zustände beziehen sich auf Prozesse, die von primitiven Gehirnstrukturen wie dem Hypothalamus und dem Mittelhirn, gesteuert werden.

Dr. Derek Denton kommt zu dem Schluss, dass die ursprünglichen Gefühle Hunger, Durst, Schmerz und Angst waren. Dies sind sehr grundlegende Zustände, die für das Überleben wichtig sind. Später entstanden viel komplexere psychophysische Realitäten.

Aus den instinktiven Emotionen entwickelten sich allmählich sogenannte Basisemotionen wie Liebe, Traurigkeit, Wut und Ekel.

Mit der Entwicklung der Großhirnrinde waren komplexere Prozesse wie Wahrnehmung, Vorstellungskraft oder Urteilsvermögen möglich. Zur gleichen Zeit und während dieser neurologischen Entwicklung wurden die Emotionen ausgefeilter und weniger instinktiv.

Die instinktiven Emotionen: der Ursprung unseres Bewusstsein

Bewusstsein und Emotionen, eine sehr innige Beziehung

In der Welt der Neurowissenschaften gibt es ein ungelöstes Rätsel: das Verständnis des Ursprungs des Bewusstseins. Wir beziehen uns auf die Fähigkeit des Menschen, über sich selbst und die ihn umgebende Realität nachzudenken. Für viele Wissenschaftler ist diese Dimension das Ergebnis unserer kognitiven Evolution, unserer Intelligenz.

Es gibt jedoch einige Experten, die mit einem anderen Ansatz spekulieren. Wir sind nicht, was wir denken, wir sind, was wir fühlen. Wir sind emotionale Wesen, die denken, und das könnte die Grundlage unseres Bewusstseins sein.

Diese Hypothese vertritt Dr. Denton in seiner Arbeit. Die instinktiven Emotionen könnten der Grundstein für den evolutionären Ursprung des Bewusstseins gewesen sein. Tatsächlich hat die Neurobildgebung gezeigt, wie diese tiefen Regionen des Basalhirns durch Primärzustände wie Hunger, Durst oder Angst aktiviert werden.

Diesem interessanten Ansatz zufolge bedeutete die fortschreitende Entwicklung unseres Gehirns, dass sich auch die Emotionen mit ihm entwickelten. Sie wurden immer komplexer und damit entwickelte sich auch unser Bewusstsein und unsere Verhalten, was uns zu dem macht, was wir heute sind.

Wie wir sehen, handelt es sich um ein interessantes und entscheidendes Thema, das in den kommenden Jahren sicherlich weiter erforscht werden wird.

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  • Denton, Derek (2006) The Primordial Emotions: The Dawning of Consciousness. Oxford University Press
  • Toronchuk, J. A., & Ellis, G. F. (2013). Affective neuronal selection: the nature of the primordial emotion systems. Frontiers in psychology3, 589. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2012.00589