Die Freundlichkeit ist gut für das Gehirn

· 12. Dezember 2017

Die Freundlichkeit ist nicht einfach zu definieren. Das Wort wird mit Empathie und Solidarität in Verbindung gebracht, doch sie ist nicht auf diese Beschreibungen begrenzt. Sie ist nicht nur ein Charakterzug, sondern ein menschlicher Wert. Dass sie durch eine ethische Entscheidung geprägt und bereichert ist bedeutet, dass sie mehr als eine Fähigkeit ist.

Im Wörterbuch ist die Freundlichkeit als die Neigung, Gutes zu tun definiert. Das Problem ist, dass „gut“ ein relatives Konzept ist. Eine genauere Bedeutung wäre, dass die Freundlichkeit eine Fähigkeit ist, Mitgefühl zu haben. In anderen Worten bedeutet die Freundlichkeit, das Leiden anderer so zu fühlen, als wäre es dein eigenes, und zu versuchen, es zu beseitigen.

„Sich um das Glück anderer zu sorgen bedeutet, unser eigenes zu finden.“

Platon

Diese schöne Eigenschaft wirkt sich nicht nur auf andere Menschen aus. Wir können die Freundlichkeit auch gegenüber anderen Lebewesen zum Ausdruck bringen. Sie kann sogar für Dinge, die nicht leben, anwendbar sein. Und sie könnte als den Wunsch, etwas so aufrechtzuerhalten, wie es ist, interpretiert werden. Das bedeutet, dass wir gegenüber einem Gemälde oder einem Stein auf der Straße Freundlichkeit zeigen können.

Die Freundlichkeit ist eine außergewöhnliche Eigenschaft, denn sie beinhaltet so viele andere Eigenschaften. Inmitten der Freundlichkeit befinden sich Liebe, Respekt, Solidarität, Großzügigkeit, und noch viel mehr. Sie bezieht eine bemerkenswerte spirituelle und mentale Entwicklung ein. Wissenschaftler haben es, dank vieler Studien, auch geschafft zu beweisen, dass die Freundlichkeit im Gehirn als Eigenschaft auffindbar ist. Sie haben gezeigt, dass sie die Grundlage für eine bedeutungsvolle Lebensqualität ist.

Das Hirngebiet der Freundlichkeit

Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Oxford Universität und dem University College in London haben ein Gebiet im Gehirn identifiziert, in welchem sich die Freundlichkeit befindet. Die Gruppe, die von Dr. Patricia Lockwood geleitet wurde, arbeitete mit einer Gruppe Freiwilliger. Sie befragten diese, um herauszufinden, welche Symbole für sie selbst und für andere wohltuend seien.

Gehirn mit Blumen

Während die Freiwilligen ihre Aufgabe ausführten, wurden ihre Gehirne durch das MRT überwacht. Das Experiment spornte die Teilnehmenden dazu an, die Weise, wie die Symbole anderen Menschen helfen können, zu betrachten und wertzuschätzen. Sie mussten dabei bestimmen, ob jedes Symbol nur für sie funktioniert, oder ob es auch für andere von Nutzen ist.

Immer, wenn ein Freiwilliger entdeckte, wie das Symbol anderen geholfen hat, wurde nur ein Gebiet im Gehirn aktiviert. Dieses Gebiet wird der „anteriore zinguläre Kortex“ genannt. Natürlich ist der Kortex nicht nur eine Frage von Gehirnfunktionen. Wir müssen uns merken, dass dieses wundervolle Organ eine unglaubliche Plastizität vorweist. Seine Funktion ist durch Erfahrungen und Verhalten geprägt.

Die Freundlichkeit heilt das Gehirn

Der Neuropsychologe Richard Davidson führte nach einer Indienreise eine Studie in der Universität in Wisconsin durch. 1992 traf er den Dalai Lama, der ihm eine Frage gestellt hat, die einen ziemlichen Eindruck bei ihm hinterließ: „Ich bewundere Ihre Arbeit, aber ich denke, dass sie sehr auf den Stress, die Angst, und die Depression fokussiert sind. Haben sie nicht daran gedacht, den Fokus Ihrer neurowissenschaftlichen Studien auf die Freundlichkeit, Zärtlichkeit, und Mitgefühl zu lenken?“

Igel, der mit Kind isst

Richard Davidson führte eine Reihe von Studien durch, die sich mit dieser Frage beschäftigten. Er zeigte zum Beispiel, dass sich manche Strukturen im Gehirn in nur zwei Stunden verändern können. Ein ruhiger Geist produziert im Großen und Ganzen das Wohlbefinden. Und um ein ruhiges Gehirn zu haben, benötigst du nur ein paar Stunden an Meditation. Dies wurde in seinem Labor wissenschaftlich gemessen.

Auf dieselbe Weise hat er herausgefunden, dass neuronale Kreisläufe der Empathie nicht dieselben sind, wie die des Mitgefühls. Um am Mitgefühl anzukommen (eine andere Art der Freundlichkeit), musst du den Weg des Feingefühls, der Sympathie und der Empathie gehen. Auf der höchsten Stufe befindet sich das Mitgefühl. Das Mitgefühl ist ein Schritt hinter der Fähigkeit wahrzunehmen, zu fühlen, und das Leiden der anderen Person zu verstehen. Es schließt auf einen Ruf des Handelns, wenn man das Leiden eines anderen mitbekommt.

Davidson hat auch entdeckt, dass die Freundlichkeit und Zärtlichkeit das Wohlbefinden in anderen Lebensbereichen steigert. In einer Studie mit Kindern und Jugendlichen wurden, als die Wissenschaftler ihnen beibrachten, mitfühlender und liebevoller zu sein, etliche zerebrale Veränderungen dokumentiert. Sie alle zeigten Verbesserungen in der Schule und in ihrer Gesundheit. Die Fähigkeit, mitfühlend zu sein, kann man erlernen. Die Freundlichkeit ist ein Ergebnis eines vorsätzlichen Aufwands, um unser inneres Ich zu verbessern.

Tautropfen, die Blumen reflektieren