Der Wert, sich treu zu sein

· 26. Juli 2016

Es hat einen enormen Wert, sich selbst treu zu sein. Um dir zu zeigen, dass diese Annahme stimmt und einen positiven Beitrag zu deinem Weltverständnis leisten kann, möchte ich hier einen kurzen Überblick über die Thesen der humanistischen Psychologie geben.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du schon einmal etwas von der humanistischen Psychologie gehört hast. Diese Bewegung ist eine anerkannte Alternative zum Behaviorismus und zur Freudianischen Psychoanalyse und ist dank ihrer divergierenden Thesen auf einen großen Widerhall gestoßen.

Was ist humanistische Psychologie?

Die humanistische Psychologie ist eine psychologische Schule, die die Annahme vertritt, dass unterschiedliche Bewusstseinszustände ein außergewöhnliches Mittel seien, unser menschliches Potenzial voll auszuschöpfen, wobei der nonverbalen Erfahrung besondere Relevanz eingeräumt wird.

Gefaltete Hände vor Sonnenuntergang

Die humanistische Psychologie ist eine moderne Strömung, die in den USA als Teil der revolutionären Bewegungen der 60er Jahre entstanden ist und die sich schließlich als psychologische Schule etabliert hat, die für verschiedene soziale und künstlerische Milieus ihre Gültigkeit erwiesen hat.

Zur Validierung der Standpunkte der humanistischen Schule berufen sich ihre Befürworter auf die Theorien von Jean-Jacques Rousseau, des berühmten französischen Philosophen, der die Menschen als edle Wilde beschreibt, stets von Grund aus produktiv, gütig, fröhlich und gut, solange keine nachteiligen Umstände oder die Gesellschaft selbst ihre Natur korrumpieren.

„Alle Leidenschaften sind gut, solange man selbst Herr über sie ist, und alle sind schlecht, wenn sie uns zu Sklaven machen.“

Jean-Jacques Rousseau

Sich selbst treu sein, nach der humanistischen Psychologie

Um die Bedeutung der Treue zu sich selbst in der humanistischen Psychologie zu verstehen, möchte ich zunächst erklären, welches Bild vom Menschen diese Strömung zeichnet und warum dieses das Fundament bildet, wenn es darum geht, unsere Art des Handelns zu verstehen:

  • Der Mensch soll ein allumfassendes Ganzes sein. In ihm kommen Gefühle, Verhaltensweisen, Aktionen und das Denken in einem großen Ganzen zusammen.
  • Das menschliche Verhalten ist durch Absichten motiviert, wenn man es aus einer individuellen Perspektive betrachtet. Freiheit und Würde spielen hier eine große Rolle.
  • Die Existenz eines jeden Wesens sollte innerhalb einer Gesellschaft möglich sein, in der sich jedes Subjekt entwickelt und dabei stets seine Individualität innerhalb der sozialen Beziehungen mit Seinesgleichen bewahrt.
  • Der Mensch ist ein selbstständiges Wesen. Jedes Individuum hat die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die seine Entwicklung in die Richtung lenken, die es selbst auswählt.
  • Eine selbstständige Person hat die Fähigkeit, Verantwortung in zwischenmenschlichen Beziehungen zu übernehmen.
  • Es ist eine dem Menschen innewohnende und natürliche Neigung, nach Selbstverwirklichung zu suchen. So kann er wachsen und seine Individualität wahren.
  • Alle inneren Erfahrungen des Menschen sind persönlich und haben ihren Sinn in sich selbst. Sie bilden das Fundament für das Netzwerk an Wahrnehmungen, das jeder Mensch hat.

„Einer der Vorteile guter Taten ist, dass sie die Seele erheben und sie befähigen, noch weitere, bessere Taten zu begehen.“

Jean-Jacques Rousseau

Frau schließt die Augen und atmet durch

Ideen der humanistischen Psychologie

Wir lernen im Folgenden verschiedene Ideen kennen, die wir in den Theorien der humanistischen Psychologie finden können. Du wirst in allen erkennen, dass die Treue zu sich selbst von lebensnotwendiger Wichtigkeit ist, um eine wertvolle Existenz zu führen:

  • Existenzialismus: Dies ist eine der klassischen Vorstellungen der humanistischen Psychologie. Der Existenzialismus ist eine Strömung, nach der die Hauptfrage des Menschen die eigene Existenz und nicht die Essenz ist. Für die Existenzialisten bedeutet Zeit, die Möglichkeit, zu leben, und die Zukunft wird zu der Möglichkeit, diese Zeit in Freiheit zu leben. Sie sagen, dass Ängstlichkeit keinen Sinn habe, da der Mensch seine Existenz auf viele andere Weisen verbringen könne als mit Angst.
  • Transpersonalismus: Von Maslow verteidigt vertritt die humanistische Schule einen transpersonalen Standpunkt, dessen grundlegendes Konzept sich um die psychische Befriedigung des Menschens dreht. Es geht um die Befriedigung unterschiedlicher Bedürfnisse, die nach ihrer Wichtigkeit angeordnet sind und denen wir entsprechende Priorität einräumen sollten.
  • Die humanistische Psychologie und die humanistische Psychotherapie von Rogers basieren auf zwei grundlegenden Punkten:
    • Komplettes Vertrauen in die Person bzw. den Patienten: Es geht darum, dem Patienten Empathie entgegenzubringen und die Erfahrung und die Welt des Patienten zu verstehen.
    • Komplette Ablehnung der leitenden Rolle des Therapeuten.
  • Logotherapie: Viktor Frankl begründet seinen humanistischen Standpunkt mit der Suche nach dem Sinn des Lebens. Einem Sinn, der als Garant für unsere mentale Gesundheit funktioniert. Der, wenn wir uns in herausfordernden Situationen befinden, dieses Band darstellt, das uns ans Leben bindet und uns davon abhält, aufzugeben. Es ist genau diese Treue zu uns selbst, die uns beschützt.
  • Transaktionale Analyse: Ein anderer Standpunkt, der von Berne vertreten wird, beschreibt die humanistische Psychologie als Restauration und Schutz von Vertrauen in das existenzielle Potenzial der Person.
  • Bioenergetische Ausrichtung: Lowen verteidigt Charakterstudien einer jeden Person, um so Neurosen und Repression zu verhindern, die entstehen, wenn der Mensch seine biologische Energie nicht frei ausdrücken und herauslassen kann.

Es ist offensichtlich, dass die humanistische Psychologie in großen Teilen der Idee große Wichtigkeit einräumt, sich selbst treu zu sein, denn nur wer sich selbst treu ist, kann es schaffen, sein enormes psychisches Potenzial und seine Fähigkeiten zu entwickeln und auszuschöpfen.