Teile dich nicht in Stücke, um die anderen als Ganzes zu erhalten

· 28. April 2016

Wir teilen uns oft selbst in Stücke, nur um andere als Ganzes zu erhalten, um nicht ihre alten Wunden zu öffnen oder nicht zuzulassen, dass ihnen diese schmerzen, die sie bereits offene Wunden haben. Dies machen wir oft auch ganz unbewusst.

Wenn wir uns daran gewöhnen, zu geben, ohne dafür etwas zu bekommen, dann gelangen wir an den Punkt, an dem wir es für egoistisch halten, mal etwas für uns selbst zu tun. Doch nichts ist weiter von der Realität entfernt als das. Gegenseitigkeit ist essenziell für jede Beziehung und für jede Person als emotionales Wesen.

Uns selbst zu mögen ist etwas, das wir Tag für Tag pflegen sollten, um uns selbst zu erhalten. Sich selbst in Stücke zu teilen hat dagegen ein solches Leid zur Folge, welches es uns unmöglich macht, das Beste von uns zu geben.
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Wann teilen wir uns in Stücke?

  • Wir teilen uns in Stücke, wenn wir aufhören, auf uns selbst zu achten.
  • Wenn wir nicht mehr das tun, was uns Spaß macht.
  • Wenn wir aufhören, uns zu pflegen oder wenn wir unsere Interessen auf später verschieben.
  • Wenn wir uns nicht mehr zuhören oder uns keine Hilfe anbieten.
  • Wenn wir die Bedürfnisse anderer zur Priorität machen und unseren eigenen nicht nachkommen.
  • Wenn wir darum wetteifern, perfekt zu sein, und aufhören, wir selbst zu sein.
  • Wenn wir versuchen, unsere Realität oder unsere Meinung anzupassen oder sie schön zu reden.
  • Wenn wir unsere Ruhezeiten vergessen uns uns dazu zwingen, die Wünsche anderer vor unsere eigenen zu stellen.
  • Wenn die Aufopferung zu einer Verpflichtung wird.
  • Wenn wir uns für schlechte Menschen halten, weil wir versuchen, mal den Kopf frei zu bekommen und uns von einer Umwelt zu befreien, die uns erstickt.
  • Wenn wir einer eindeutigen Erpressung nachgeben, die von uns einen Gefallen verlangt und unser Wachstum hindert.
  • Wenn wir unser Wohlbefinden opfern und uns von der Trägheit unseres Begleiters anstecken lassen, und wir so das aufschieben, was wir gern machen würden, damit die anderen sich gut fühlen.
 In einer solch schwierigen Lage sollten wir uns für das entscheiden, was zu einem Ausgleich zwischen den eigenen Leidenschaften, Sorgen und Interessen und denen anderer führt. Wenn wir das tun, dann werden wir mit Genuss unser Leben in seiner vollen Essenz genießen können, ohne Ausnahmen und ohne Aber.
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Wir sollten manchmal vergessen, was wir fühlen, um uns daran zu erinnern, was wir verdient haben

Wenn wir keine Gegenseitigkeit erfahren, dann missachten wir das Prinzip des Ausgleichs, was wir stets aufrechterhalten sollten, um uns vollständig zu erhalten und uns nicht in Stücke zu teilen.

Wir sollten uns erinnern, dass affektive Beziehungen nicht nur einfach aus Interaktion bestehen, sondern dass sie einen ausgeglichenen, befriedigenden Austausch erfordern, der unsere affektive und soziale Waage wieder ins Gleichgewicht bringt.

Das heißt, dass unsere Handlungen nicht nur aus dem Verb „geben“ bestehen können, sondern wir sollten auch dafür sorgen, dass wir als Ausgleich auch Handlungen mit dem Verb „nehmen“ einflechten. Das ist nicht egoistisch, ganz im Gegenteil, sondern bereichernd.

Wer immer als erstes Dinge gibt, wer sich immer voll und ganz den anderen anbietet, der bekommt nichts dafür zurück und arbeitet auch nicht an sich selbst und wird sich schließlich leer und verletzt fühlen. Wir können unser Selbstwertgefühl nicht einfach beiseiteschieben, um für das Glück anderer in Vorleistung zu treten, denn sonst werden wir zu den Henkern unseres eigenen Glücks.

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Nur wenn wir damit spielen, dann können wir uns um uns selbst kümmern, ohne die anderen außer Acht zu lassen. Das heißt, die Waage im Gleichgewicht zu halten:

Geben und nehmen bilden einen Teil des gleichen Puzzlespiels. Sie erlauben es, dass wir uns dazu in der Lage fühlen, Liebe zu geben und gleichzeitig auch fühlen, dass wir Liebe und Anerkennung verdient haben. Darauf basierend sollten wir auch weiterhin Folgendes können:

  • Unsere Rechte erhalten: Es kann sein, dass es in irgendeinem Moment etwas gibt, was uns nicht gut fühlen lässt oder wozu wir ganz einfach keine Lust haben. Hier sollten wir auf unserem Recht auf einen persönlichen Freiraum bestehen.
  • Unsere Interessen und Vorlieben pflegen: Dies ist der Grundsatz für Zufriedenheit, für Glück und persönliches Wachstum. Es ist wichtig, dass wir nicht aufhören, auf uns achtzugeben und unsere Unsicherheiten zu nähren.

Erinnere dich daran, dass die großen Veränderungen immer in Begleitung einer großen Erschütterung kommen. Auch wenn die Veränderung schmerzt und unangenehm ist, werden die Besserungen dir zeigen, dass es nicht das Ende, sondern der Anfang eines großes emotionalen Moments ist.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Christian Schloe