Die Fauler-Apfel-Theorie am Arbeitsplatz

08 April, 2020
Ein "fauler Apfel" ist ein Kollege, der Negativität verbreitet und andere permanent kritisiert oder beleidigt. Mit seinem Verhalten vergiftet er die gesamte Arbeitsatmosphäre und verursacht Stress, Unzufriedenheit und niedrige Produktivität.
 

Die Fauler-Apfel-Theorie besagt, dass es in jeder Organisation einen Mitarbeiter gibt, dessen Einstellung, Verhalten oder Persönlichkeit den Rest der Kollegen „infizieren“ kann. Diese Menschen verursachen im Arbeitsumfeld nicht nur Unbehagen und Unzufriedenheit. Darüber hinaus sind sie auch eine große wirtschaftliche Belastung für die Unternehmen selbst, da sie häufige Fehlzeiten beispielsweise aufgrund von Erkrankungen haben.

“Was soll ich sagen? Ich haben den falschen Mann eingestellt. Er hat alles ruiniert, wofür ich 10 Jahre lang gearbeitet habe, mich eingeschlossen.“

Das sind die Worte, die Steve Jobs über John Sculley aussprach. Er musste wegen dieses Mannes sogar sein eigenes Unternehmen verlassen. Und dieser berühmte Fall ist bei weitem kein Einzelfall. Tatsächlich ergab eine Studie der Glassdoor Gruppe, dass 95 % der Unternehmen angeben, mindestens einen faulen Apfel pro Jahr angestellt zu haben.

Aber wie ist das möglich? Wie viel Einfluss kann eine einzige Person haben, um die Grundlagen einer gesamten Organisation zu verändern und derartige negative Auswirkungen zu verursachen? Viele Experten sind der Ansicht, dass es sich um eine Art Dominoeffekt handelt.

 

Einige Menschen sind so schädlich und toxisch, dass sie dazu in der Lage sind, die Moral eines ganzen Teams zu zerstören. Allerdings sind die Auswirkungen in vielen Fällen noch viel weitreichender. Nicht nur die Kollegen sind betroffen, sondern auch die Kunden leiden unter den schlechten Praktiken, der Inkompetenz und der toxischen Persönlichkeit dieses faulen Apfels.

fauler Apfel - Diskussionen

Die Fauler-Apfel-Theorie oder wie eine Person eine ganze Organisation destabilisieren kann

Obwohl die Fauler-Apfel-Theorie seit Jahren bekannt ist, wissen wir immer noch nicht, was wir tun müssen, um dieses Phänomen zu vermeiden. Unter der Leitung von Dr. William Felps führte die Universität von Washington im Jahr 2017 eine interessante Studie durch, in der die Ursachen dieser Theorie aufzeigt und erläutert werden sollten.

 

Die Forscher konnten beispielsweise zeigen, dass das negative Verhalten eines einzelnen Mitarbeiters einen immensen Einfluss auf die gesamte Organisation haben kann. Darüber hinaus verbleiben Probleme am Arbeitsplatz nicht nur dort; sie können sich auch auf den persönlichen und familiären Bereich auswirken. Konflikte am Arbeitsplatz bleiben nicht nur am Arbeitsplatz, wir nehmen sie mit in unser Leben.

Diese Auswirkungen hat ein „fauler Apfel“ auf die Arbeitskollegen und das Umfeld:

  • Sie entziehen sich ihren eigenen Verantwortlichkeiten am Arbeitsplatz.
  • Ein fauler Apfel ist pessimistisch, defätistisch und jedem und allem gegenüber extrem kritisch.
  • Er benimmt sich wie ein echter Rowdy. Er ist aggressiv und greift auf Einschüchterung, Spott und Kritik zurück.
  • Darüber hinaus ist ein fauler Apfel auch unehrlich. Er wendet illegale Methoden an, erstellt falsche Berichte, täuscht oder scheut auch vor Erpressung nicht zurück.
fauler Apfel - Teamwork
 

Warum haben Unternehmen keine Mechanismen, mit denen sie solche faulen Äpfel identifizieren können?

Außerdem enthüllt die Fauler-Apfel-Theorie eine weitere Tatsache. Unternehmen stellen üblicherweise schnell neue Mitarbeiter ein und entlassen sie aber nur sehr zögerlich.

Was bedeutet das? In vielen Organisationen kann die Notwendigkeit einer Stellenbesetzung zu einem schnellen und ineffektiven Auswahlverfahren führen. Dabei werden dann einige Prinzipien und wichtige Faktoren außer acht gelassen. Darüber hinaus liefern die üblichen Testverfahren zur Bewerberauswahl dem Arbeitgeber keine Informationen über die versteckten Persönlichkeitsmerkmale oder das mögliche künftige Verhalten eines Mitarbeiters am Arbeitsplatz.

Daher lassen sich viele Arbeitgeber von den zahlreichen Fähigkeiten und umfassenden Berufserfahrungen im Lebenslauf eines Kandidaten beeindrucken. Außerdem konzentrieren sie sich bei der Personalauswahl vorwiegend auf die hervorragende Ausbildung und Erfahrung, das Auftreten und die Durchsetzungsfähigkeit der Bewerber.

 

Dabei verwenden sie oftmals zu wenig Zeit auf die Identifizierung weiterer Fähigkeiten, wie beispielsweise der Fähigkeit der Kandidaten, in einem Team zu arbeiten, einer positiven Einstellung, zwischenmenschlicher Fähigkeiten, Selbstkontrolle oder emotionaler Intelligenz.

fauler Apfel - ein fauler Apfel und drei frische

Was tun, wenn der Auswahlprozess versagt hat und ein fauler Apfel eingestellt wurde?

Wir haben das bereits eingangs erwähnt: Durchschnittlich stellt jedes Unternehmen mindestens einmal pro Jahr einen faulen Apfel ein. Die Auswahlprozesse haben versagt und bald schon zeigen sich die ersten Konsequenzen. Der Arbeitsplatz wird „infiziert“ und die Arbeitskollegen sind frustriert, verhalten sich defensiv, werden häufiger krank und die Produktivität sinkt.

Was kann man in solchen Fällen tun? Erstaunlicherweise werden derartige Situationen nur selten schnell gelöst. Die Fauler-Apfel-Theorie besagt, dass es meistens sehr lange dauert, bis sich die Kollegen dazu entscheiden, aktiv zu werden.

 

Obwohl sie die ersten sind, die von diesem toxischen und negativen Menschen betroffen sind, scheuen sie sich häufig davor, dieses Problem zu thematisieren. Darüber hinaus ist es oftmals auch gar nicht einfach, derartiges Verhalten zu melden oder zu beweisen, um das Management zum Eingreifen oder Handeln zu veranlassen.

Auch heute noch arbeiten viele Organisationen vertikal und nicht horizontal. Das bedeutet, dass es nach wie vor nicht genügend Flexibilität und keine direkte Kommunikation zwischen dem Management und den Mitarbeitern gibt. Diese hierarchischen Strukturen ermöglichen es, dass ein fauler Apfel länger in einem Unternehmen bleibt. Demzufolge wird er immer mehr Kollegen und Situationen „infizieren“ und die Instabilität erhöhen.

Abschließende Gedanken

Und genau dies ist falsch. Ein fauler Apfel sollte zum Wohle aller frühzeitig identifiziert werden. Nachdem er identifiziert wurde, sollten Maßnahmen ergriffen werden, um seine Teamfähigkeit zu verbessern. Wenn diese Maßnahmen erfolglos bleiben, könnte man diesen Mitarbeiter auf eine Position versetzen, in der er weniger Schaden anrichten kann. Wenn auch dies nicht zum gewünschten Erfolg führt, ist die Kündigung des Arbeitsvertrages die letzte Option.

 

Derartige Situationen erfordern ein schnelles, entschlossenes und konsequentes Handeln aller Beteiligten, denn Passivität würde die Situation nur weiter verschlimmern.

 
  • Horrobin, DF (2001) Rotten To The Core: How Workplace ‘Bad Apples’ Spoil Barrels Of Good Employees. Elsevier Ltd. https://www.sciencedaily.com/releases/2007/02/070212113250.htm