Trolle im Internet und ihre Aggressionen

9. Mai 2019

Trolle im Internet bringen Aggressivität zum Ausdruck, um zu provozieren, eine emotionale Reaktion auszulösen oder einfach um andere Menschen zu belästigen. Das Thema Trolle im Internet ist auch aus psychologischer und anthropologischer Sicht interessant und heutzutage wird viel über dieses Phänomen gesprochen und geforscht. Experten glauben, dass diejenigen, die trollen, Narzissten seien. Sie haben ein geringes Selbstwertgefühl und sind von Rachegelüsten, oft aber auch nur von Langeweile motiviert.

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft, ob wir sie nun positiv oder negativ sehen, hat die Art und Weise verändert, in der wir miteinander in Beziehung stehen und sogar wie wir die Realität wahrnehmen. Die Existenz der Trolle ist nur eine Folge dessen. Schauen wir uns an, wo sie herkommen und wo sie hingehen.

In sozialen Netzwerken gibt es zwei Arten von Trollen: die lustig-ironischen und die Brandstifter, die es lieben, Konflikte anzuzetteln und Menschen zu beleidigen.

Computertastatur mit einer Taste, die böse Augen zeigt

Die Art, wie wir miteinander kommunizieren, hat sich geändert

Bis vor Kurzem haben wir nur mit Leuten gesprochen, die wir mehr oder weniger persönlich kannten und denen wir im täglichen Leben begegnet sind. Das hat das Gemeinschaftsgefühl verstärkt und das gesellschaftliche Leben erleichtert. Respekt und ein Gefühl der Kooperation haben unserer Spezies über Jahrhunderte geholfen, zu überleben. In letzter Zeit aber scheinen uns diese Tugenden abhandengekommen zu sein.

Viele von uns leben jetzt in einer Internetblase, in der wir interagieren und mit Menschen in Kontakt treten können, die wir nicht kennen. Wir vernetzen uns lieber mit Leuten, die wir nicht persönlich kennen, aber über die wir dank der sozialen Medien trotzdem alles mögliche wissen, also die Herausforderungen realer Beziehungen zu bewältigen.

Die Leichtigkeit, mit der wir online anonym kommentieren können, bringt in einigen Menschen ihre schlechtesten Eigenschaften hervor. Es ist wesentlich leichter, andere online anzugreifen oder zu belästigen. Da einen niemand kennt, wird man auch nicht persönlich verurteilt. Mehrere Trolle können auch gemeinsam als „Online-Mob“ agieren und so gemeinsam sozial als auch emotional zerstören.

Facebookhand unterdrückt einzelne Person

Die Anatomie eines Trolls

Trolle entstammen der skandinavischen Kultur. In der Mythologie ist ein Troll eine anthropomorphe Kreatur, die gewöhnlich in Wäldern oder an anderen Orten leben, an denen sie sich gut verstecken können. Ihnen wurde nachgesagt, dass sie Menschen angreifen, sie bestehlen oder ihre Kinder entführen. Heute, in der Netzkultur, bewegen sich Trolle im Schatten von Internetforen, Blogs und sozialen Netzwerken zu finden. Andere Nutzer sollen sich über ihre Beiträge aufregen, sie aber nicht zu fassen bekommen.

Laut einer Studie der Stanford University (Kalifornien, USA) habe jeder Mensch das Potenzial zum Troll. Wenn die Bedingungen gegeben sind, kann jede Person online ihre schlechteste Seite offenbaren. Doch nicht alle Wissenschaftler teilen diese Meinung. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Trollen eine Form von Missbrauch sei. Dass die, die häufig trollen, einige gemeinsame psychologische Merkmale haben. Aaron Balick, ein bekannter Psychotherapeut und Experte für soziale Netzwerke, ist überzeugt, dass Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie hinter dem Trolldasein stecken.

Typologie der Trolle im Internet

  • Trollen wird von Demütigung, Sexismus und Rassismus inspiriert. Außerdem steckt der Wunsch dahinter, Lügen zu verbreiten.
  • Im Allgemeinen gibt es zwei Arten von Trollen. Die einen trollen aus Langeweile. Sie versuchen, lustig zu sein oder wollen andere täuschen. Das bereitet ihnen Spaß. Die anderen sind Brandstifter. Diese Typen haben andere Beweggründe, zu trollen, beispielsweise ein Verlangen nach Rache oder Eifersucht. Oft wollen sie auch nur verletzen.
  • Mehrere Studien haben gezeigt, dass Trolle bis zu 70 Stunden pro Woche online sind, um Menschen zu belästigen. Sie können ganze Leben zerstören, weil ihnen Einfühlungsvermögen und soziale Kontakte fehlen.
  • Die meisten Trolle sind Männer im Alter zwischen 17 und 35 Jahren. Trolle sagen von sich selbst, dass es ihnen guttue, andere zu provozieren. Die Reaktion der anderen Internetnutzer motiviere sie und mache sie glücklich.
Mann setzt sich eine Maske auf und wird zum Troll

Wie können wir uns gegen Trolle im Internet schützen?

Niemand ist davor gefeit, von einem Troll belästigt zu werden. Das Bemerkenswerte und Besorgniserregende am Trollen ist jedoch, dass es sich wie eine Infektionskrankheit ausbreitet. Denn nach dem ersten Kommentar eines Trolls erscheint oft eine ganze Armee von weiteren Trollen aus den Tiefen des Internets, um noch abfälligere Kommentare zu machen. Trolle wissen schließlich, welche Knöpfe sie drücken müssen, um eine Reaktion zu provozieren. Je extremer die Meinung oder Beleidigung ausfällt, desto größer ist die Wirkung und desto hitziger wird die Diskussion.

Im Englischen heißt es oft: Don’t feed the troll. Zu Deutsch etwa: Den Troll bitte nicht füttern. Das heißt, dass man diese Posts gar nicht erst kommentieren sollte. Denn Trolle ernähren sich von ihrem eigenen Ego und dem emotionalen Einfluss, den sie auf andere haben.

Heute ignorieren zwar viele Nutzer Trolle, aber es gibt immer noch solche, die ihm zum Opfer fallen. Deshalb müssen wir Trolle melden. Wenn wir Opfer eines Trolls werden, sollten wir keine Zeit verlieren und nicht zögern, die Person anzuzeigen, die uns belästigt.