Die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl

22. August 2019

Die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl könnte kaum interessanter sein. Diese Gehirnstruktur hat einen direkten Bezug zum Gefühl der Identität, zu unseren Erinnerungen und zu jener internen Narrative, die wir erschaffen, basierend darauf, wie wir uns selbst sehen und mit uns selbst sprechen. Wenn unser Selbstwertgefühl schwach ist und wir traumatische Erfahrungen machen, wird der Hippocampus noch kleiner.

Wir können mit Sicherheit sagen, dass in der Neurologie die Größe eine Rolle spielt, vor allem, wenn es sich um jene Struktur handelt: den Hippocampus. Der Anatom Giulio Cesare Aranzio benannte diese kleine Region im 16. Jahrhundert, nachdem er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Seepferdchen festgestellt hatte. Doch fast vier Jahrhunderte wussten wir nicht um die Bedeutung dieser Struktur für unser Leben. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Vladimir Béjterev seine enge Beziehung zum Gedächtnis und vor allem zu unserer Gefühlswelt.

Auf der anderen Seite haben Forscher wie Tim Keller von der Carnegie Mellon University of Psychology in Pennsylvania, USA, im 21. Jahrhundert zeigen können, dass einige Menschen einen viel größeren Hippocampus haben als andere. Taxifahrer, Experten für besondere Gedächtnisleistungen, sind ein beliebtes Beispiel dafür.

Menschen, die etwas Sport treiben und darüber hinaus einen optimistischen Ansatz verfolgen und ein solides Selbstwertgefühl haben, teilen sich diese Eigenschaft mit den Taxifahrern. Das ist eine interessante Tatsache, auf die wir im Folgenden näher eingehen wollen.

„Mit geringem Selbstwertgefühl zu leben ist wie ein Auto mit zwei gebrochenen Händen zu fahren.“

Maxwell Maltz

Leuchtender Hippocampus

Die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl, wie erklärt sie sich?

Die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl erklärt sich vor allem durch die Verbindung zu einer zweiten Struktur, zur Amygdala. Diese kleine Region des limbischen Systems ist vor allem dafür bekannt, dass sie das Gefühl von Angst, Alarm und Bedrohung hervorruft. Wenn also die Amygdala nicht überaktiviert ist, erfüllt der Hippocampus seine Aufgaben normal.

Wenn wir versuchen, Glück auf einfache Weise zu definieren, mögen wir sagen, Glück sei die Abwesenheit von Angst. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, wie verheerend diese Emotion für unser Leben und auch für das Gehirn sein kann. Die Qualen, das Gefühl der ständigen Bedrohung und die Erfahrung der Hilflosigkeit schaffen eine sehr schädliches Ambiente, das den Hippocampus in besonderem Maße betrifft.

Hippocampus, Emotionen, Identität und Gesundheit

Ende 2018 führte man an der Chinesisches Volksuniversität eine interessante Studie durch, um den Zusammenhang zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl zu verstehen. Obwohl es bereits Literatur zu dieser Verbindung gab, wollten die Forscher mehr Daten sammeln. Dazu wurden Magnetresonanzuntersuchungen bei einer großen Gruppe an Probanden durchgeführt.

  • Jeder in der Studie wurde zunächst mit dem Test des Selbstwertgefühls nach Rosenberg evaluiert.
  • Später wurde das Volumen des Hippocampus mittels Magnetresonanz festgestellt.
  • Auf diese Weise konnte man den Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und Größe des Hippocampus erkennen: Menschen mit hohem Selbstwertgefühl wiesen einen größeren Hippocampus mit mehr Konnektivität auf.
  • Diese Tatsache wurde noch deutlicher, als man einen dritten Faktor hinzufügte: dass die Person ein aktives Leben führte, dass sie körperliche Bewegung betrieb.
Gehen für einen größeren Hippocampus

Geringes Selbstwertgefühl, traumatische Erlebnisse und der Hippocampus

Die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl ist also offensichtlich. Weiterhin gibt es einen neuronalen Schaltkreis, der eine größere Konnektivität bietet, solange die Person im Alltag folgende Konzepte pflegt:

  • Optimismus
  • Dankbarkeit
  • Freude
  • Entspannung
  • Positives Selbstbild
  • Selbstvertrauen
  • Körperliche Bewegung

Nun, was passiert, wenn wir ein geringes Selbstwertgefühl haben? Dazu ist zu sagen, dass diese Dimension von Zeit zu Zeit schwankt. Es gibt Zeiten, in denen wir uns sicherer und selbstbewusster fühlen, Tage, an denen wir uns viel mehr schätzen. Zu anderen Zeiten und je nach dem, was wir erleben, kann diese positive Sichtweise geschwächt werden.

Dieses kurzfristige Auf und Ab wird unseren Hippocampus nicht beeinträchtigen. In Wirklichkeit wird diese Struktur nur dann beschädigt, wenn eine Person unter posttraumatischem Stress leidet und ein chronisch niedriges Selbstwertgefühl hat. Das lässt sich zum Beispiel bei Menschen erkennen, die in der Kindheit missbraucht wurden.

In solchen Situationen festigen die Erinnerungen, die in den Hippocampus integriert sind, den negativen und schmerzhaften Blick. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit und des negativen Selbstbildes aktiviert die Amygdala. Die Angst kommt auf. Es entsteht eine Notwendigkeit der Wachsamkeit, der ständigen Gefahr. Stresshormone werden ausgeschüttet, die den Hippocampus schädigen können, indem sie seine Größe reduzieren.

Das ist zweifellos eine sehr auffällige Tatsache, die uns zum Nachdenken anregen sollte.

Wie kann man die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl nutzen und stärken?

An dieser Stelle ist es wahrscheinlich, dass wir uns diese Frage stellen: Wie können wir die Beziehung zwischen Hippocampus und Selbstwertgefühl stärken? Wie können wir uns um diese Hirnregion und dieses psychologische Konstrukt kümmern?

Nun, es gibt eine Tatsache, die wir berücksichtigen müssen. Es reicht nicht aus, uns um unsere Identität, unser Selbstverständnis und unser Selbstbild zu kümmern. Selbstachtung hat auch mit unserer inneren Narrative zu tun, d. h. mit der Art und Weise, wie wir mit uns selbst sprechen. Wenn wir dies mit Mitgefühl, Zuneigung und Respekt tun, werden wir diesen Muskel unserer Persönlichkeit viel stärker trainieren.

Glückliche, entspannte Frau lacht

Auf der anderen Seite gilt es, weitere Aspekte zu beachten. Die gute Gesundheit des Hippocampus sowie unser Gedächtnis und unsere Emotionen hängen auch von unserer Gesundheit ab. Etwas körperliche Aktivität zu betreiben, körperliche und vor allem geistige Ruhezeiten festzulegen, sind ebenfalls zwei sensationelle Strategien, um täglich zu üben.

Lasst uns anfangen, Veränderungen zu bewirken, um unser Wohlbefinden zu steigern. Es lohnt sich. Unsere Gesundheit ist es wert.