Was ist das Limbische System und wie funktioniert es?

3. Mai 2018 en Psychologie 2 Geteilt
Was ist das limibische System? - Ein Gehirn als Baum dargestellt

Unser Gehirn ist eine der wunderbarsten Strukturen in unserem Körper. Und obwohl es eines der am besten untersuchten Organe ist, gibt es noch sehr viel zu entdecken. Wir wissen, dass es in unserem Gehirn verschiedene Systeme gibt, die spezielle Funktionen erfüllen, damit unser Körper arbeiten kann. Eines dieser Systeme ist das limbische System.

Die erste Beschreibung des limbischen Systems, wenn auch in einer wenig konzeptualisierten und primitiven Weise, geht auf Paul Broca zurück, der ein Gebiet in der Nähe der Zirbeldrüse nannte. Er berief sich auf das Gebiet des „großen limbischen Lappens“, das er am Limbus, am Rand bisher bekannter Strukturen wähnte. Das limbische System, wie wir es heute kennen, wurde 1949 vom Physiologen MacLean definiert. Er erweiterte das bisherige Konzept, das nun das von Papez 1939 war, und gab ihm seinen heutigen Namen.

MacLean erweiterte die Anzahl der Strukturen, die zum limbischen System zählen. Er war der Ansicht, dass die Entwicklung der Großhirnrinde in unserer Evolution ebenso wichtig gewesen sei wie die Entwicklung unseres emotionalen Gehirns.

„Glück ist ein durch das limbische System hervorgerufener Geisteszustand.“

Antonio Damasio

Und tatsächlich ist das limbische System als emotionales Gehirn bekannt. Aber ist dieser Ausdruck korrekt? Welche sind die Komponenten des limbischen Systems? Was tut es? Wenn du weiterliest, findest du die Antworten auf diese Fragen!
Limbisches System

Was sind die Hauptstrukturen des limbischen Systems?

Das limbische System besteht aus vielen Einzelstrukturen, die alle miteinander verbunden sind. Das macht es so schwierig, genau zu bestimmen, welche Strukturen welche Aufgabe übernehmen. Nach momentanem Kenntnisstand werden folgende Anteil des Gehirns zum limbischen System gezählt:

Hypothalamus

Diese Struktur befindet sich an der Basis des Gehirns, unterhalb des Thalamus. Genauer gesagt liegt der Hypothalamus zu beiden Seiten des ventralen Teils des dritten Ventrikels, nahe dem Zentrum des Gehirns. Es ist eine kleine Gehirnstruktur, die aber aus einer Vielzahl von Kernen und Fasern besteht, die für unser Überleben essenziell sind.

Warum? Weil der Hypothalamus für unser vegetatives Nervensystem und unser endokrines System verantwortlich ist. Er organisiert auch die wichtigsten Verhaltensweisen, die für das Überleben der Spezies erforderlich sind: Kampf, Flucht, Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung.

Im Hypothalamus finden sich die Mammillarkörper. Sie enthalten mehrere hypothalamische Kerne und sind verantwortlich für die Aufnahme von Impulsen aus der Amygdala und dem Hippocampus. Sie leiten auch Impulse an den Thalamus weiter. Sie sind daher ein wichtiger Mediator im Empfang und der Übermittlung von Informationen.

Hippocampus

Der Hippocampus ist eine Struktur im Temporallappen des Vorderhirns und ist wie ein Seepferdchen geformt. Es ist eine der entwicklungsgeschichtlich ältesten Regionen des menschlichen Gehirns. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung von grundlegenden Prozessen, von denen unser Überleben abhängt.

Außerdem ist der Hippocampus so wichtig, weil wir ohne ihn keine Identität hätten, weil er ein wesentlicher Teil dessen ist, was unser Gedächtnis ausmacht. In ihm erhalten wir Zugang zu allen Erinnerungen an das, was in der Vergangenheit passiert ist. Daher konfiguriert er den Teil unserer Persönlichkeit, der auf unseren Erfahrungen basiert. Darüber hinaus spielt der Hippocampus eine entscheidende Rolle, wenn wir neue Dinge lernen.

Was die Verbindung zum limbischen System betrifft, ist der Hippocampus der wichtigste Anker des emotionalen Gedächtnisses. Das bedeutet, dass jedes Ereignis, das wir durchgemacht oder gefühlt haben, durch den Hippocampus gefiltert wird. So können wir uns nicht nur daran erinnern, was wir erlebt haben, sondern auch daran, welche Gefühle wir verspürt haben.

Amygdala

Die Amygdala oder Mandelkernkomplex befindet sich im Temporallappen, unterhalb des lateralen Ventrikels. Das bedeutet, dass es Teil des sogenannten „tiefen Gehirns“ ist. Hier wohnen Grundgefühle und Überlebensinstinkt. Drei Zonen machen die Amygdala aus: die der basolateralen Kerne, des zentralen Kerns und die der kortikomedialen Kerne.

Ihre Hauptfunktion besteht darin, Emotionen physiologisch und verhaltenstechnisch zu integrieren und so eine entsprechende Reaktion hervorzurufen. Diese Integration erzeugt nicht notwendigerweise eine verstärkende Reaktion, sondern ermöglicht aufgrund der engen Verbindung zum Frontallappen auch die Hemmung von Verhaltensweisen. So beteiligt sie sich an der sogenannten emotionalen Entführung, dem „Amygdala Hijack“.

Innerhalb des limbischen Systems ist die Amygdala der Kapitän unserer Emotionen. Aber nicht nur das, sondern in Verbindung mit dem Hippocampus erzeugt sie auch emotionale Erinnerungen. Und gemeinsam mit dem Hypothalamus versieht sie Erlebnisse mit emotionaler Farbe. Zum Beispiel verbindet sie Zufriedenheit oder positive Emotionen mit Essen, Schlaf oder Sexualverhalten.

Neuronen senden Signale

Fornix

Der Fornix ist ein Bündel von Axonen in Form eines Bogens, der den Hippocampus mit anderen Hirnregionen verbindet. Er steht in Verbindung zu den Mamillarkörpern und dem Hippocampus. Somit ist dieser Bogen die Hauptstruktur, die für die Übertragung von Informationen zwischen den wichtigsten Strukturen des limbischen Systems genutzt wird.

Limbischer Kortex

Der limbische Kortex befindet sich im medialen Temporallappen des Gehirns. Wir benötigen ihn für die Erinnerung. Insbesondere bei der Konsolidierung und Wiederherstellung von deklarativen Erinnerungen, sowohl episodischer als auch semantischer Art, wird er aktiv. Außerdem spielt er wie der Fornix, eine wichtige Rolle beim Übermitteln von Informationen zwischen verschiedenen Gehirnstrukturen.

Andere mit dem limbischen System verbundene Strukturen

Wie wir bereits sagten, sind sich Neurologen und Neuropsychologen hinsichtlich der Zuordnung von Aufgaben im limbischen System noch nicht ganz einig, da es sich um eine sehr komplexe Angelegenheit handelt. Auch die folgenden Strukturen sollten wohl bei der Erklärung seiner Funktion einbezogen werden:

  • Gyrus cinguli: Ebnet den Weg vom Thalamus zum Hippocampus und ist mit olfaktorischem Gedächtnis und der Erinnerung an Schmerz verbunden.
  • Area septalis: Beteiligt sich an der Hemmung des limbischen Systems und schlägt Alarm, wenn selektive Aufmerksamkeit erforderlich ist. Sie scheint auch zu intervenieren, um Gedächtnis, Motivation, Emotion und Wachsamkeit in Beziehung zu setzen, lustvolle Empfindungen und Aktivierungszustände zu modulieren.
  • Area tegmentalis ventralis: Wird als eines der Verstärkungszentren schlechthin angesehen und beeinflusst die Regulation von Lust und Süchten.
  • Präfrontaler Kortex: Dies ist der rationale Teil unseres Gehirns, der uns von Tieren unterscheidet. In Bezug auf das limbische System ist es seine Aufgabe, die emotionalen Impulse, die von letzterem ausgehen, zum Schweigen zu bringen. Er ist also verantwortlich für die Kontrolle unserer Impulse und entwickelte sich später als andere Gehirnstrukturen.

Eine Frau hält ein digitales Gehirn und Herz auf ihren Händen

Ist das limbische System wirklich ein emotionales Gehirn und ist es entscheidend für unser Überleben?

Für viele Autoren ist es völlig legitim, den Ausdruck „emotionales Gehirn“ zu verwenden, um das limbische System zu beschreiben, weil die Hauptfunktion des limbischen Systems die emotionale Regulation ist.

Immer stärkere Unterstützung findet jedoch auch die Theorie, dass dieses System Emotionen nur mehr reduktionistisch behandelt. Das liegt daran, dass Forscher andere Strukturen entdeckt und ihnen Funktionen zugeordnet haben, die das limbische System beeinflussen. Wir wissen jetzt, dass es auch an Motivation, Lernen und Gedächtnis beteiligt ist. Wenn wir also über das limbische System nachdenken, müssen wir darüber hinausgehen, es als ein emotionales Gehirn zu betrachten.

Wie wir gesehen haben, übernimmt dieses System vielerlei Funktionen. Dazu gehören überlebenswichtige Regelkreise, besonders wenn wir über den Hypothalamus sprechen. Ohne ihn könnten wir nicht leben. Hier sind einige Beispiele für Krankheiten, die auftreten können, wenn eine der Strukturen des limbischen Systems verletzt wird:

  • Morbus Alzheimer: Entsteht durch eine Degeneration verschiedener Gehirnstrukturen, insbesondere des Hippocampus, was unter anderem einen fortschreitenden Gedächtnisverlust verursacht.
  • Kluber-Bucy-Syndrom: Betrifft die Amygdala und die Temporallappen, bilateral. Geht mit Agnosie, also fehlender Erkennung, Hypersexualität und Hyperphagie einher.
  • Alexithymie: Gekennzeichnet durch die Unfähigkeit, Emotionen auszudrücken und zu erkennen, sowohl die eigenen als auch die der anderen.

Diese Krankheiten und viele andere veranschaulichen die Bedeutung des limbischen Systems. Wir können sehen, wie es sich auf unser Verhalten auswirkt, von der Erinnerung bis hin zu so grundlegenden Empfindungen wie Hunger. Das limbische System ist von größter Wichtigkeit für den Menschen.

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