Die beste Lösung ist oftmals nicht die bequemste

9. Oktober 2019
Der sicherste und bequemste Weg ist oftmals nicht die beste Lösung. Obwohl du so deine Risiken minimierst, verringert sich gleichzeitig aber auch die Chance, dass du etwas lernen kannst.

Es gibt viele Situationen im Leben, in denen wir versuchen, die beste Lösung für unsere Probleme zu finden. Dabei kann es durchaus passieren, dass wir uns in einer Art und Weise verhalten, die uns noch weitere Probleme schafft. Vielleicht verbleibst du zu sehr in deiner Komfortzone? Wenn du dies tust, dann lebst du dein Leben, indem du es vermeidest, unbekanntes Territorium zu betreten, weil neue Wege dich ängstigen.

Das Problem besteht darin, dass Menschen häufig in ihrer Komfortzone verbleiben, wenn sie nicht mit ihrem Leben zufrieden sind. Der beste Lebensstil stimmt oftmals nicht mit unseren wichtigen Lebenszielen oder Werten überein.

Auch bestehen in unserer Gesellschaft vielfach andere Erwartungen oder Wertvorstellungen. Es fühlt sich an, als würde uns etwas davon abhalten und uns nicht erlauben, das eine Hindernis zu umgehen, das unmöglich zu überwinden erscheint.

Die Angst davor, unsere Komfortzone zu verlassen, führt uns zum Scheitern. Der bloße Gedanke daran, negative Gefühle zu erfahren oder uns Herausforderungen zu stellen, veranlasst uns dazu, uns noch mehr an dem festzuklammern, was uns bereits heute schadet. Tatsächlich sind wir nahezu verliebt in unser eigenes Leiden. Daher werden wir uns jedem, der versucht, uns davon zu befreien, mit großem Engagement widersetzen.

Bequemlichkeit als das kleinere der beiden Übel ist nicht die beste Lösung

beste Lösung - Frau

Daher verbleiben wir beispielsweise in Beziehungen, die kaum etwas zu unserem persönlichen Wachstum oder unserem Wohlbefinden beitragen. Wir neigen dazu, selbst dann in vertrauten Situationen zu verharren, wenn sie uns schaden oder gefährlich für uns sind.

Außerdem behalten wir oft Jobs, die weit unter unseren Fähigkeiten liegen und uns daher überhaupt keinen Nutzen bringen. All diese Entscheidungen treffen wir, weil der Schritt in etwas Neues und Unbekanntes auch die Übernahme von mehr Verantwortung beinhalten würde. Aus diesen Gründen kommen wir dann auch zu der Schlussfolgerung, dass die beste Lösung die ist, uns mit dem Gewöhnlichen und Gewohnten zufrieden zu geben.

Das Vertraute ist gewöhnlich auch das Bequemste. Allerdings wird dieser Komfort sehr überschätzt. Bequemlichkeit ist nicht immer gleichbedeutend mit Wohlbefinden oder Seelenfrieden. Der Abgrund und die Bedrohung, die wir mit dem Verlassen unserer Komfortzone und dem Beschreiten neuer Wege verbinden, scheint so groß zu sein, dass wir es dennoch vorziehen, unser Leiden aufrecht zu erhalten. Dadurch erreichen wir letztendlich nur eines: wir werden noch intensiveres und längeres Leiden erfahren.

Komfort und Bequemlichkeit scheinen für uns Menschen sehr wichtige Aspekte zu sein. Natürlich vermittelt uns ein bequemes und vertrautes Leben das Gefühl der Kontrolle über unser Leben. Dies wiederum verringert unsere Ängste.

Wenn wir täglich neue Situationen erleben würden, ohne zu wissen, ob diese für uns hilfreich oder schädlich sind, dann würden wir vermutlich an diesem immensen Stress sterben. Daher ist es durchaus empfehlenswert, ein gewisses Maß an Komfort und Bequemlichkeit im Leben zu haben.

Wann wird Bequemlichkeit zu einem Problem?

Aber wann genau wird diese Bequemlichkeit zu einem Problem? Genau in dem Moment, in dem wir uns bewusst dafür entscheiden. Wenn wir uns nicht so wohl fühlen, wie wir dies gerne täten. Dann ist unsere aktuelle Situation genau die, die uns vertraut ist. Wir bewegen uns in unserem gewohnten Umfeld und wissen genau, wie wir uns verhalten müssen.

Gleichzeitig glauben wir dann auch, dass wir keine Kontrolle über das haben, was uns widerfährt, auch, wenn wir ganz tief in uns wissen, dass dies gar nicht stimmt. Zunächst einmal, weil es nur wenige Dinge gibt, die wir wirklich beeinflussen können, außer uns selbst.

Außerdem ist das, was uns als angenehm und bequem erscheint, gar nicht so angenehm und bequem, wie es den Anschein haben mag. Wenn du das nicht glaubst, dann stelle dir selber einmal folgende Fragen: Bist du mit deinem Leben wirklich glücklich? Genießt du es in vollen Zügen?

Es kann gut sein, dass du für eine gewisse Zeit sehr gut damit zurechtkommen kannst, wenn du dein Leben genau so weiterführst, wie du das bereits tust. Allerdings solltest du auch einmal darüber nachdenken, wie sich dein Leben anfühlen wird, wenn du es rückblickend betrachtest. Wie sieht es dann aus? Bist du immer noch an der gleichen Stelle, in der gleichen Situation, in der du dich schon so lange befunden hast? Hast du das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt?

Vielleicht bist du in deiner Komfortzone gefangen. Du hast das Gefühl, dass du eine Leiter erklimmst, die dich zu einem Abgrund führen wird. Du fällst hinunter und beschreitest danach den gleichen beschwerlichen Weg, den du schon zuvor gegangen bist. Ja, dieser Kreislauf mag vertraut und bequem sein, aber ist dieses Verhalten auch wirklich der beste Weg? Wie du bereits weißt, ist die beste Lösung nicht immer die einfachste oder die bequemste.

Die Angst vor dem Ungewissen

beste Lösung - Sonnenuntergang am Meer

Unsere Angst vor unbequemen oder unbekannten Situationen, die wir nicht kontrollieren können oder auch die Angst davor, dass wir dadurch negative Erfahrungen machen könnten, hindert uns oft daran, neue Wege zu beschreiten und neue Dinge auszuprobieren.

Unsere Gesellschaft ist dafür verantwortlich, dass genügend Druck auf uns ausgeübt wird, glücklich zu sein. Außerdem lehrt sie uns, unsere Kämpfe zu minimieren. Daher sind wir davon überzeugt, dass negative Gefühle ein Zeichen von Schwäche sind. Wir dämonisieren sie und versuchen, sie um jeden Preis zu vermeiden. Daher haben sehr viele Menschen das verbreitete Lebensmotto für sich übernommen, dass sie stets und jederzeit positiv denken müssen; gleichzeitig fliehen wir dann vor allem, was zu Faulheit, Unbequemlichkeit, Traurigkeit, Schuldgefühlen usw. führen könnte.

Es überrascht nicht, dass sich daraus ein permanentes Gefühl der Unzufriedenheit entwickelt. Du hast das anhaltende Gefühl, dass dir etwas fehlt. Dieses Gefühl entsteht, weil du nur über das nachdenkst, was heute passiert. Du bemühst dich darum, den aktuellen Zustand aufrechtzuerhalten, ohne darüber nachzudenken, dass dein Leben morgen sehr viel besser sein könnte.

Wenn du dein Leben verändern und verbessern willst, dann musst du dafür eine Reihe von Hindernissen und Herausforderungen überwinden. Und dieser Weg ist in den meisten Fällen unbequem. Allerdings ist es meistens die beste Lösung und der einzige Weg, wie du eine Veränderung herbeiführen kannst. Gleichzeitig solltest du bei Veränderungen auch darauf achten, eine gewisse Balance zu erhalten. Es geht nicht darum, dass du alles auf einmal und sofort veränderst.

Wie findest du die beste Lösung?

Wenn du neue Wege beschreiten willst, dann solltest du dir zunächst einen genauen Plan machen und diesen intelligent umsetzen. Wichtig ist auch, dass du eine Balance zwischen den guten und den unangenehmen Aspekten erreichst. Gehe den Weg behutsam und erlaube dir auch, „genug ist genug“ zu sagen und langsam deine unbegründeten Ängste zu überwinden.

Du wirst lernen, dass all die großen Ängste, die du vor dem ersten Schritt zur Veränderung hast, am Ende meist gar nicht so eintreten werden, wie du dies befürchtest. Und falls sich deine Befürchtungen doch einmal bewahrheiten sollten, dann werden sie dich nicht so sehr erschrecken, wie du dies vorher befürchtet hast. Denke immer daran, dass deine Gedanken all diese Ängste vor Veränderung steuern und sie oftmals größer erscheinen lassen, als sie in Wahrheit sind.

Zusammenfassend können wir also feststellen, dass die beste Lösung meistens nicht der bequemste und einfachste Weg ist. Stattdessen ist der Weg unangenehm und ungewiss. Daher solltest du dir folgendes Mantra immer wieder vorsagen:

„Hier bin ich und was auch immer mir widerfahren wird, ich werde es bestmöglich bewältigen. Ich werde weinen, wenn es erforderlich ist und ich mich danach fühle. Und wenn ich am Ziel angekommen bin, dann werde ich lachen.“

Auf diese Weise wirst du lernen, das zu akzeptieren, was dir im Leben widerfährt. Und dadurch wirst du in der Lage sein, neue Dinge zu erlernen und neue Erfahrungen zu machen.

  • Barraca, J. (2005). La mente o la vida. Una aproximación a la terapia de aceptación y compromiso. 2º edición. Desclee de brouwer.